Carisolv - ohne Bohrer gegen Karies - wissenschaft.de
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Carisolv – ohne Bohrer gegen Karies

Seit wenigen Monaten steht deutschen Zahnärzten bei der Behandlung von Karies eine Alternative zum Bohren zur Verfügung: Carisolv. Das in Schweden entwickelte Mittel kann auch ohne narkotisierende Spritze eingesetzt werden. Es besteht aus zwei Komponenten: Einem roten Gel, das mit verschiedenen Aminosäuren versetzt ist, und einer Flüssigkeit, die Natriumhypochlorit enthält. Der Zahnarzt mischt beides kurz vor der Behandlung zusammen und trägt die zähflüssige Masse auf die kariösen Stellen auf. Dort muß sie für etwa 30 Sekunden wirken – dabei wird das von Karies befallene Zahnmaterial angeweicht und kann anschließend mit einem stumpfen Schaber entfernt werden. Der Vorgang muß meist mehrere Male wiederholt werden, bis auch die letzten schadhaften Stellen gelöst sind. Etwa 10 bis 15 Minuten dauert eine solche Behandlung pro Zahn. Danach wird das Loch mit herkömmlichen Materialien gefüllt.

Und so funktioniert die chemisch-mechanische Kariesentfernung: An kariösen Stellen sind die faserigen Eiweißmoleküle des Zahnbeines – das Kollagen – weniger geordnet und nicht so dicht gepackt wie im gesunden Zahn. Hier dringt das aggressive Chlor der Hypochloritlösung in die Zwischenräume ein, lagert sich an das Kollagen an und löst es in seine Bestandteile auf. Dadurch wird die Zahnsubstanz weich und läßt sich auskratzen.

Das Verfahren ist schmerzfrei, gesundes Zahnmaterial bleibt – anders als beim Bohren – verschont. Sitzt die Karies allerdings sehr tief, kann Carisolv den Bohrer nicht ersetzen. Das gilt auch, wenn zunächst alte Füllungen ausgebohrt werden müssen, unter denen sich Karies gebildet hat. Ein Problem sind die Zahnzwischenräume. Um hier mit dem Gel arbeiten zu können, muß der Weg freigebohrt werden. Die Hälfte aller Zahnärzte, die mit Carisolv gearbeitet haben, gab an, sie hätten bei jeder zweiten Gel-Behandlung auch bohren müssen. Für den Zahnarzt ist das ein höherer Zeitaufwand. Mit dem Bohrer läßt sich Karies fast dreimal so schnell entfernen wie mit Carisolv.

Nach Meinung der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde ist es umstritten, ob Carisolv die Karies wirklich vollständig entfernt. Untersuchungen am Zahnmedizinischen Zentrum der Universität Kiel ergaben, daß in vielen Zähnen, die mit Carisolv behandelt wurden, noch Reste von Karies zu finden waren. Durch Bohren wurde das kariöse Zahnmaterial dagegen meist restlos entfernt.

In einer Befragung empfanden 72 Prozent der Patienten die Methode der sanften Kariesentfernung als angenehmer. Allerdings werden die Mehrkosten von etwa 60 Mark pro Behandlung von den Krankenkassen in der Regel nicht übernommen.

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medinfo Medien

Bücher Manfred Tacha Zähne Vorsorge, Behandlung, Kosten test-Verlag, Berlin 1999 DM 18,-

Steffen Wander Zähne ohne Probleme Ganzheitliche Gesundheit von Mund und Zähnen Fischer Media, Münsingen 1997, DM 28,-

Info im Internet

Bundeszahnärztekammer, BV Kassenzahnärzte http://www.bzaek.de

medinfo Kontakt

Deutsche Gesellschaft für ästhetische Zahnheilkunde Marlies Beaujean Universitätsklinikum Pauwelsstr. 30 52057 Aachen Tel: 0241/8088571

Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde Lindemannstr. 96 40237 Düsseldorf Tel: 0211/669395

medinfo Grafik

Ulrich Fricke

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