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Damit uns ein Licht aufgeht

Ein Essay von Wolfgang Hess

„Alle Prognosen der einschlägigen Forschungsinstitutionen sehen den Ölpreis bis zum Jahr 2020 unter 30 Dollar pro Barrel“, konstatierte bild der wissenschaft in der Aprilausgabe 2002. Seit März 2004 sieht es anders aus. Da überschritt der OPEC-Preis endgültig die 30 Dollar. Nur gut zwei Jahre später, im August 2006, näherte er sich bereits der 80-Dollar-Marke. Manche Marktforschunger sehen schon die 100 Dollar am Horizont. Jammern und Klagen über die Preispolitik der Ölproduzenten und -verteiler wird an der Situation nichts ändern. Deshalb bleibt nur eine Therapie: Neue Marktkräfte schaffen und endlich das tun, was wir uns seit gut drei Jahrzehnten immer wieder vorgenommen haben – die Versorgungsstruktur auf ein anderes Fundament stellen. Ansätze dazu gibt es erfrischend viele. Das verdanken wir der Forschung. Werden daraus praktikable Technologien, muss uns um die Zukunft nicht Angst sein. Einen Luxus können wir uns nicht mehr leisten: Bloß zu debattieren, welche Energie uns willkommen ist und welche wir nicht gutheißen. Die Herausforderung, Kraft, Wärme und Licht auch künftig umfassend, sicher und bezahlbar bereit zu stellen, werden wir nur mit Entschlossenheit und Enthusiasmus meistern. Eigenschaften, mit denen Jürgen Klinsmanns WM-Truppe das ganze Land begeisterte und uns weltweite Anerkennung einbrachten. Was wir brauchen, ist eine personalisierte Willenserklärung von politisch höchster Stelle. So wie Klinsmann stets betonte, „wir wollen Weltmeister werden“ – und diesem Ziel auch ziemlich nahe kam, muss die Bundeskanzlerin handeln, damit wir endlich loskommen von den übermächtigen Abhängigkeiten. Sie würde aus der Not eine Tugend machen. Angela Merkel weiß es schon lange, und wir alle wissen es: Öl wird rar werden in unserem Jahrhundert. Erdgas wird ihm folgen. Insofern müssen wir uns ohnehin etwas einfallen lassen. Der durch verbranntes Öl, Gas und Kohle zunehmende Treibhauseffekt beschert uns darüber hinaus eine Großbaustelle, von der viele Klimaforscher meinen, sie werde zum zivilisatorischen Desaster führen. Höhere Wirkungsgrade bei Dampfkraftwerken durch bessere Werkstoffe und Prozesse, pfiffige Windgeneratoren, die solare Energienutzung, der Aufbruch bei der Kernfusion, die interessanten Ansätze einer Wasserstoffwirtschaft: Die Etappensiege müssten die Kanzlerin ermuntern, die bei fast allen Energieerzeugungsarten weltweit führende deutsche Fachkompetenz zu weiteren Höchstleistungen aufzufordern. Die Bürger sollen erkennen, dass wir bei der Energiegewinnung und -umwandlung so gut aufgestellt sind wie die USA in der IT-Technologie. Ein Programm „Neue Energie für Deutschland“ könnte das Ziel vorgeben: Ehe das nächste Jahrzehnt verstrichen ist, werden wir 20 Prozent importierte fossile Rohstoffe weniger verbrennen als im Jahr 2000.

Wir brauchen Visionen. Was sie bewegen, lehrte uns Klinsmann. Wie er muss man aber auch Mut haben, sie beim ersten Problem nicht aufzugeben. ■

Der Wissenschaftsjournalist Wolfgang Hess beobachtet die internationale Energieszene seit den Achtzigerjahren. Er ist seit 1994 Chefredakteur der Zeitschrift bild der wissenschaft.

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