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Allgemein

Darmentzündungen: Mäusezellen statt Kortison

Ein neues Medikament aus den Immunzellen einer Maus läßt Morbus-Crohn-Patienten auf Linderung hoffen.

Eine chronische, vernarbende Entzündung des Dünndarms verschaffte dem New Yorker Arzt Burill B. Crohn einen Platz in den Medizinbüchern. Er beschrieb sie 1932 als erster. Die Erkrankung trifft besonders junge Erwachsene im Alter zwischen 16 und 30 Jahren. Heftige Bauchschmerzen, bluthaltiger Durchfall, Gewichtsverlust und Fieber sind die Folgen. Am häufigsten ist die letzte Schlinge des Dünndarms betroffen, es können aber alle anderen Teile des Verdauungstraktes von der Speiseröhre bis zum Mastdarm erkranken. Gelenkbeschwerden, Augenleiden und krankhafte Veränderungen der Haut sind häufige Begleiterscheinungen. Eine ähnliche Erkrankung ist die Colitis Ulcerosa, eine von Geschwüren begleitete Entzündung, die jedoch auf den Dickdarm beschränkt ist. Etwa 300000 Menschen in Deutschland leiden an einer der beiden Krankheiten.

Bei der Suche nach den Ursachen tappen die Wissenschaftler noch im dunkeln. Ein Gendefekt, der die Patienten anfälliger macht, wurde aber schon gefunden. Als Auslöser werden Bakterien und Viren, aber auch Bestandteile der modernen Ernährung wie raffinierter Zucker oder gehärtete Fette diskutiert. Morbus Crohn könnte zudem durch übertriebene Hygiene begünstigt werden: Bekannt ist, daß fehlende Infektionen in der Kindheit das Immunsystem später zu überschießenden Reaktionen veranlaßt.

In der erkrankten Schleimhaut finden sich bei beiden Krankheitsformen aktivierte Immunzellen: Makrophagen und T-Zellen. Sie locken mit einem hormonellen Botenstoff, dem Tumornekrosefaktor TNF, weitere Immunzellen an und verursachen die Entzündung. In der Folge bilden sich narbige Verdickungen der Darmwand, die im Extremfall zum Darmverschluß führen. Eine weitere Komplikation sind Fisteln, feine Risse in der Darmwand, die immer weiter aufreißen. Oft müssen diese Darmabschnitte entfernt werden.

Bevor es soweit ist, setzen die Mediziner vor allem auf Kortison und andere Medikamente, die das Immunsystem bremsen. Damit läßt sich die Entzündung oft lindern, aber nicht heilen. Auch spricht jeder fünfte Patient nicht auf Kortison an. Bei ihnen hat sich der seit September in Deutschland erhältliche Wirkstoff Infliximab aus den Labors der amerikanischen Biotechnik-Firma Centocor bewährt. Es ist ein Antikörper gegen den Botenstoff TNF. Infliximab heftet sich an ihn und unterbricht die Reaktionskette, die die Entzündung in der Darmwand aufrechthält. Ursprünglich wurde der Antikörper aus Immunzellen der Maus gewonnen. Gegen ein Mäusemolekül würde jedoch das menschliche Immunsystem einschreiten und es unwirksam machen. Daher haben die Biotechniker den größten Teil des Maus-Antikörpers gegen Abschnitte von menschlichen Antikörpern ausgewechselt. Infliximab wird den Patienten per Infusion verabreicht und wirkt maximal drei Monate. Die ersten Ergebnisse sind vielversprechend: Bei fast der Hälfte der Patienten, die auf bisherige Medikamente nicht ansprachen, ließ sich die Entzündung vollständig zurückdrängen. Zusätzlich heilten bei der Hälfte der Patienten die Darmfisteln zu. Als Nebenwirkung wurden häufig Atemwegsinfekte beobachtet. Geklärt werden muß auch noch, ob die bisher beobachteten wenigen Fälle von Lymphkrebs durch die Antikörper verursacht wurden.

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medinfo Medien

Bücher

Harro Jenss Wirksame Hilfe bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa Ein Ratgeber für Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen Trias, Stuttgart 1999 DM 19,90

DCCV e.V. Chronisch entzündliche Darmerkrankungen: Morbus Crohn/Colitis ulcerosa Patientenratgeber Edition medpharm Stuttgart 1997, DM 32,-

Guido Adler Colitis Ulcerosa, Morbus Crohn Springer, Berlin 1997 DM 89,-

medinfo Kontakt

Deutsche Morbus Crohn/Colitis ulcerosa Vereinigung (DCCV) Paracelsusstr. 15 51375 Leverkusen Tel: 0214/876080 Fax: 0214/8760888 E-Mail: info@dccv.de Internet: www.dccv.de

Christian-Albrechts-Universität Kiel Prof. Stefan Schreiber Schittenhelmstr. 12 24105 Kiel Tel: 0431/5971393

medinfo Grafik

Ulrich Fricke

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