Das Preisrätsel für Denker - wissenschaft.de
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Das Preisrätsel für Denker

In den ersten Semestern meines Studiums hatte ich mir die Wohnung mit meinem Kommilitonen Ulrich geteilt. Dann brach er sein Studium ab und zog nach Süddeutschland. Alleine konnte ich die Miete nicht zahlen und suchte mir eine neue Unterkunft. Zu Ulrich verlor ich den Kontakt. Anfangs hörte ich gelegentlich über einen Freund, daß er als Vertreter für Damenoberbekleidung arbeite und sehr erfolgreich sei. Dann gab es viele Jahre keine Nachricht von ihm. Doch kürzlich rief er mich an: „Hallo, hier ist Ulrich Schmitz. Ich hoffe, du erinnerst dich noch an mich.“ Er erzählte mir, er habe meine Adresse von einer CD-ROM, die alle Telefonnummern Deutschlands enthalte, und lud mich ein, ihn zu besuchen. Da ich zufällig ein paar Tage später beruflich in seiner Nähe zu tun hatte, nahm ich die Einladung an. Ulrich war offensichtlich zu Wohlstand gekommen. Er wohnte in einer Villa, die aussah, als wäre sie von einem Avantgarde-Architekten entworfen.

Auch die Inneneinrichtung war hypermodern. Ulrich führte mich in ein riesiges Wohnzimmer. „Laß uns auf das Wiedersehen ein Glas Champagner trinken“, meinte er und drückte mir ein Glas in die Hand. Ich sah mich neugierig um. Alles in dem Raum war weiß, bis auf einige wenige schwarze Linien oder Flächen. Etwas Farbiges gab es nicht. Die Möbel hatten strenge geometrische Formen, so daß ich mich unwillkürlich an meinen Mathematikunterricht erinnert fühlte. „Nimm doch Platz“, forderte mich Ulrich auf. Ich setzte mich auf etwas, das Ulrich als Sessel bezeichnete. Es war ein Würfel von etwa einem halben Meter Kantenlänge, der mit weißem Leder bezogen war. Quer über jede der sechs Würfelflächen lief eine schwarze Linie. Ulrich hockte sich auch auf einen Sessel-Würfel. „Diese Sessel wurden von Daniel Rossolo entworfen“, sagte er voller Stolz. „Alle Seiten der Sessel sehen genau gleich aus: Es ist immer ein weißes Quadrat mit einer schwarzen Linie. Trotzdem sind alle Sessel, die du hier siehst, verschieden, denn die Anordnung der schwarzen Linien zueinander ist jedesmal anders. Rossolo hat nur je einen Sessel von jedem Muster hergestellt, und sie stehen alle in diesem Raum.“ Wissen Sie, wie viele Sessel-Würfel Ulrich besitzt?

Die Lösung des Februar-Cogitos: Naheliegend, aber falsch ist, daß die Kirchturmuhr mittags für ihre zwölf Schläge 36 Sekunden benötigt. Das liegt daran, daß der Glockenschlag selbst extrem kurz ist und praktisch die gesamte Zeit für die Pausen zwischen den Schlägen gebraucht wird. Auch die Dauer des hörbaren Ausklingens nach dem letzten Schlag ist unmaßgeblich, da sie entfernungsabhängig ist – Onkel Oskars Frau hat die Zeit natürlich nur bis zum letzten „Gong“ gemessen. Wenn die Uhr also sieben schlägt, liegen zwischen den Schlägen nur sechs Pausen, die zusammen 21 Sekunden lang sind. Somit hat jede Pause eine Länge von 21/6 = 3,5 Sekunden, und die Uhr braucht für den Zwölf-Uhr-Schlag elf Pausen und folglich 3,5 Ÿ 11 = 38,5 Sekunden.

Heinrich Hemme

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Alu|mi|ni|um  〈n.; –s; unz.; Chem.; Zeichen: Al〉 chem. Element, silberweißes Leichtmetall [zu lat. alumen ... mehr

Ré|gence  〈[reãs] f.; –; unz.〉 Richtung der frz. Kunst zur Zeit Philipps von Orléans (1715–1725), Übergang vom Louis–Quatorze– zum Louis–Quinze–Stil in lockeren, zierl. Formen [frz., ”Regentschaft“ (des Philipp von O.)]

na|tur|wid|rig  〈Adj.〉 gegen die Naturgesetze laufend, unnatürlich

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