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Allgemein

Das TOLLE T

„Papa, mal mal ein T!“ Meine Tochter Maria äußert immer wieder merkwürdige Wünsche. Dieser schien harmlos zu sein.

„Wie bitte? Einen Tee?“

„Nein! Ein T! Den Buchstaben T!“

Bevor ich etwas sagen oder tun konnte, hatte ihr Bruder Christoph wortlos ein T mit zwei Strichen auf ein Blatt Papier geschrieben.

Maria war damit überhaupt nicht zufrieden: „Ein schönes T“, wollte sie, „so wie vorne auf der Zeitung.“

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Christoph fing wortlos an, einen dicken Balken zu malen, um ein T wie auf dem Titel der Zeitung zu erhalten. Aber auch das wollte Maria nicht: „Nur die Umrisse, und die nur ganz blass“, verlangte sie. Und dann verriet sie, warum sie das alles mit uns machte: „Das wird ein ganz fieses Puzzle!“

„Das kenne ich“, rief Christoph dazwischen, „das hatten wir auch mal in der Schule.“

Maria ließ ihn kaum ausreden: „Verrate es nicht! Ich will wissen, ob der Papa das rauskriegt.“

Jetzt hielten sie zusammen: „Wir machen das für Papa ganz gemein!“

Maria kramte ein neues Blatt Blankopapier hervor. Christoph hatte sein Geodreieck gezückt und konstruierte ein T: Zuerst zeichnete er den Querbalken und dann, exakt in der Mitte, den Längsbalken. „Der muss genauso breit sein wie der Balken oben“, sagte Maria. „Klar“, war Christophs kurze Antwort.

Erstaunlicherweise malte er die Begrenzungen des Buchstabens mit Bleistift, und so unglaublich zart, dass sie kaum zu sehen waren – ganz im Gegensatz zu seinen sonstigen plakativen Filzstift- und Kuli-Zeichnungen.

Nun nahm Maria das Papier und eine Schere, um das große T sorgfältig auszuschneiden.

Bislang hatte ich nicht verstanden, warum die beiden so aufgedreht waren und sich der Herstellung des Buchstabens voller Vorfreude widmeten.

Aber jetzt war der große Moment da. Maria hielt das T in beiden Händen und sagte: „Jetzt zerschneiden wir das T, und du wirst keine Chance haben, es wieder zusammenzusetzen.“

Das fand ich nicht erstaunlich: „Ihr wisst doch, dass ich kein Puzzle hinkriege.“

„Ja, aber es werden nur vier Teile sein“, entgegnete Maria.

„Nur vier? Na, das kann ja nicht so schwer sein!“

Maria sagte gar nichts, sondern drehte sich um, bis über beide Ohren grinsend. Sie tuschelte mit Christoph, schnitt dann das T in Stücke, drehte sich wieder um und legte stolz die vier Teile auf den Tisch: zwei lange, schräg abgeschnittene Vierecke, ein Dreieck und ein ganz merkwürdiges Teil.

Natürlich fiel ich auf den Trick rein: Ich versuchte die rechtwinklige Einkerbung des vierten Teiles verschwinden zu lassen, indem ich ein anderes rechtwinkliges Teil anlegte. Christoph und Maria freuten sich wie die Schneekönige: „Er schafft es nicht“, jubelte Maria, und Christoph ergänzte: „War doch klar.“

Ein bisschen halfen sie mir dann doch: „Du musst diese komische Ecke verwenden! Wo kommt bei einem T ein solche Stelle vor?“

Ich stand auf dem Schlauch und blieb darauf stehen, bis Christoph sich erbarmte und mir das merkwürdige Teil schräg hinlegte. Als ich immer noch nicht durchblickte, fügte Maria das lange Teil unten an – und dann sah ich auch, wo die beiden anderen Teile hinpassten.

„Ach so!“, rief ich, denn auf einmal war alles klar. Nun konnte ich die Sache bequem analysieren: „Ein Schnitt geht genau durch die eine innere Ecke des Buchstabens.“

„Und dabei zerfällt das T in drei Teile“, unterbrach mich Maria. Ich machte ungerührt weiter: „Der zweite Schnitt verläuft dann parallel zum ersten.“ Die beiden waren wenig beeindruckt von meiner Analyse. „Wir haben heute die ganze Mathestunde darüber gesprochen und alles Mögliche über Abstand, Winkel und Parallelen gelernt“, sagte Maria. So begeistert hatte sie noch nie vom Mathematikunterricht gesprochen.

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