De Bello Gallico - wissenschaft.de
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De Bello Gallico

„Gallia est omnis divisa in partes tres“, las mir meine Frau aus einem kleinen gelben Reclamheft vor. „Und das heißt?“, fragte ich etwas genervt. Geduldig übersetzte sie: „Gallien in seiner Gesamtheit ist in drei Teile geteilt. Das schrieb Julius Cäsar in seinem Buch ,De Bello Gallico‘.“ „Das war einmal“, meinte ich. „ Heute ist Gallien in 96 Teile gegliedert.“ „Wie bitte?“ „ Frankreich hat 96 Departements.“ Meine Frau und ich machten gerade eine zweiwöchige Reise durch Frankreich. Da sie ehrenamtlich bei der Ausgrabung einer römischen Villa in der Nähe unseres Ortes mitarbeitet und dafür sogar das Kleine Latinum nachgeholt hatte, besichtigten wir nicht den Eiffelturm und das Schloss von Versailles, sondern nur die Ruinen römischer Stadttore, Theater und Viadukte. Gerade waren wir auf dem Weg zu einer römischen Garnisonsstadt am Lot im Südwesten Frankreichs. „ Sie ist sehr bedeutend, weil noch von fast allen Gebäuden die Mauern erhalten sind“, erklärte mir meine Frau. Wir parkten vor dem Eingang des Areals und lösten zwei Eintrittskarten. Die Garnison war aufgebaut wie ein Schachbrett: Die Straßen verliefen entweder in gleichen Abständen parallel zum Lot in West-Ost-Richtung oder quer dazu in Nord-Süd-Richtung. Die Häuserblocks waren Quadrate und sahen alle gleich aus. Schon nach drei Minuten begann ich mich zu langweilen und trottete lustlos hinter meiner Frau her. Plötzlich schien sie etwas Interessantes entdeckt zu haben. „Gib mir doch bitte mal den Fotoapparat.“ „Ich habe ihn im Wagen liegen lassen“, sagte ich, „aber ich hole ihn gleich.“ „Dann gehe ich inzwischen zum Fluss“, erwiderte meine Frau. „Du wirst mich schon finden. Ich nehme nur Wege, die nach Osten oder nach Süden führen. Wir treffen uns dann dort, wo die Via Recta auf den Lot trifft.“ Ich war froh, den römischen Ruinen für ein paar Minuten entrinnen zu können und ließ mir deshalb Zeit. Als ich wieder in der Garnison war, konnte ich meine Frau nirgends entdecken. Ich fragte einen anderen Touristen nach der Via Recta, aber der zuckte nur mit den Schultern und gab mir die kryptische Antwort, dass alle Straßen gerade seien. Schließlich fand ich meine Frau am Fluss. Sie saß auf der Kaimauer und ließ ihre Füße ins Wasser baumeln. „Wo warst du so lange?“, fragte sie vorwurfsvoll. „Ich habe dich die ganze Zeit gesucht“, versuchte ich sie zu beschwichtigen „Warum? Du wusstest doch, welchen Weg ich nehmen wollte“, sagte meine Frau. „Du hast mir gesagt, dass du nur nach Osten oder nach Süden gehen wolltest. Mehr nicht.“ „ Aber da kann es doch nicht so viele Möglichkeiten geben“, wischte sie meinen Einwand weg. „Wenn du das sagst“, seufzte ich stirnrunzelnd. Wissen Sie, wie viele verschiedene Möglichkeiten es gibt, vom Eingang zum Fluss zu gelangen, wenn man nur nach Osten und nach Süden gehen darf?

Die Lösung des März-Preisrätsels

Vier Königinnen können höchstens 58 der 60 freien Felder eines Schachbretts bedrohen. Fünf Königinnen jedoch beherrschen mühelos das gesamte Brett. Der Sultan war also mit fünf Frauen verheiratet. Es gibt insgesamt 638 verschiedene Aufstellungen der fünf Königinnen, wobei Muster, die durch Drehungen oder Spiegelungen des

Brettes ineinander übergehen, nicht als verschieden gezählt waren. Die Abbildung links zeigt ein Beispiel.

Die Gewinner

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Das Los hat entschieden: Hermann Biemüller, Feucht, und Norbert Nolle, Salzgitter, erhalten den Hauptgewinn. Buchpreise bekommen: Dörthe Güthler, Altdorf; Günter Katzmann, Halle (Saale); Simone Litz, Hamburg; Klaus Neubacher, Haiger; Detlef Schenke, Epfenbach. Wir gratulieren allen Gewinnern.

So machen Sie diesen Monat mit

Teilnehmen kann jeder, außer den Mitarbeitern des Verlags und deren Angehörigen. Schicken Sie bitte Ihre Lösung (ausschließlich!) auf einer Postkarte bis zum 30. Juni 2007 an:

bild der wissenschaft, Kennwort „Cogito 06|07″

Ernst-Mey-Str. 8

70771 Leinfelden-Echterdingen

Die Lösung und die Namen der Gewinner werden im September-Heft 2007 veröffentlicht.

Zu gewinnen

Unter den Einsendern der richtigen Lösung werden ein Hauptgewinn und fünf Bücher ausgelost. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Hauptgewinn sind zwei Taschenferngläser „Victory Compact“ von Carl Zeiss für den besseren Durchblick (Informationen unter: www.zeiss.de). Fünf weitere Preise sind das Buch „Bionik“ von Antonia B. Kesel. Die Bremer Professorin gibt darin eine exzellente Einführung in die Synthese von Technik und Biologie. So erklärt sie, warum Spinnenseide reißfester ist als Stahl, wie Lotusblüten sich selbst reinigen und was Mottenaugen antireflektierende Eigenschaften verleiht. Mehr unter: www.fischer-kompakt.de.

Sind Sie noch im Bild der Wissenschaft? – Die richtigen Antworten

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Ko|lik  〈a. [–′–] f. 20; Med.; Vet.〉 schmerzhafte, krampfartige Zusammenziehung eines inneren Organs (Darm~, Gallen~, Magen~, Nieren~) [<grch. kolike (nosos) ... mehr

Va|se|li|ne  〈[va–] f.; –; unz.〉 halbfestes, salbenartiges Gemisch gesättigter aliphatischer Kohlenwasserstoffe großer Kettenlänge von gelber od. (gebleicht) weißer Farbe; oV 〈österr.〉 Vaselin ... mehr

Funk|be|ar|bei|tung  〈f. 20〉 Bearbeitung für den Rundfunk ● ~ eines literarischen Textes

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