Depressiv durch ungerechtfertigtes Selbstlob - wissenschaft.de
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Depressiv durch ungerechtfertigtes Selbstlob

Sich selbst mal auf die Schulter zu klopfen, kann gut tun, doch nur, wenn man es auch verdient hat. Das ist die Botschaft, die aus einer aktuellen Studie von Psychologen hervorgeht. Demnach werden Menschen eher depressiv, wenn sie ihr Selbstwertgefühl dadurch steigern wollen, dass sie sich einreden, sie hätten eine Sache besser gemacht als es tatsächlich der Fall war. Wer sich dagegen realistisch einschätzt, egal ob nach einer schlechten oder guten Leistung, fühlt sich laut den Forschern am wohlsten. „Die Ergebnisse stellen die gängige Ansicht in Frage, dass Selbstlob für leistungsschwache Personen für deren psychische Gesundheit gut sei“, sagt Young-Hoon Kim von der University of Pennsylvania.

Die Forscher führten für die Studie Tests mit 295 jungen Probanden in den USA und 2.780 in Hongkong durch. Die Teilnehmer waren im Durchschnitt 19 Jahre alt. Sie mussten Wissenstests absolvieren und anschließende ihre Leistungen im Vergleich zu anderen bewerten. Sofort danach sollten sie Fragebögen ausfüllen, die nach einem anerkannten System die persönliche Stimmungsverfassung eines Menschen erfassen können.

Die Auswertungen der Forscher zeigten nun, dass sich diejenigen, die ihre eigene Leistung viel besser bewertet hatten, als sie in Wahrheit war, am häufigsten niedergeschlagen fühlten. Das ungerechtfertigte Selbstlob führt den Forschern zufolge zu enormen Stress, der dann offenbar eine depressive Stimmung auslösen kann. Dagegen machte ein objektiver Blick auf sich selbst auch dann nicht unglücklich, wenn der Betroffene nicht gerade eine Glanzleistung abgegeben hatte, zeigten die Analysen.

Nebenbei bestätigte die Studie auch einen interessanten kulturellen Unterschied zwischen US-Amerikanern und Asiaten, auf den schon frühere Studien hingewiesen hatten: Offenbar ist an dem Klischee, Asiaten seien eher bescheidene Menschen etwas dran. Denn die US-amerikanischen Teilnehmer hatten sich im Durchschnitt um etwa 15 Prozent besser bewertet als die Probanden aus Hongkong. Wenn sich allerdings jemand übertrieben selbst aufwertete, führte dies in beiden Kulturen gleichermaßen zu depressiven Tendenzen.

Young-Hoon Kim (University of Pennsylvania) et al.: Emotion, doi: 10.1037/a0025478 wissenschaft.de – Martin Vieweg
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