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Der Erfolgreiche

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Prof. Lothar Dunsch leitet am Leibniz-Institut für Festkörper- und Werkstoffforschung in Dresden den Fachbereich Elektrochemie und leitfähige Polymere. Zwischen 2001 und 2005 hat er 52 Artikel über Fullerene veröffentlicht, die laut Science Citation Index 401-mal zitiert wurden. Zurzeit ist er Gastprofessor an der University of Hiroshima.

bild der wissenschaft: Woran arbeiten Sie in Hiroshima und wie schätzen Sie die japanischen Forschungsbedingungen im Vergleich zu den deutschen ein?

Dunsch: Bei meiner Arbeit im Materials and Physical Chemistry Laboratory konzentriere ich mich auf methodische Fragen der Elektrochemie organischer Materialien. Dabei besteht durchaus eine Nähe zur Elektrochemie der Fullerene. Bei den Bedingungen in der Forschung gibt es kaum Unterschiede. In Japan wird allerdings verstärkt nach erweiterten Möglichkeiten der Forschung durch zusätzliche Einrichtungen wie Institutes for Advanced Research an Universitäten gesucht. Der Staat will mit einem Bildungs- und Forschungsprogramm punkten, während die Kollegen über zu wenig Geld schimpfen. Das kommt einem doch bekannt vor…

bdw: Ihr Heimatinstitut hat von allen deutschen Einrichtungen die meisten Artikel über Fullerene veröffentlicht – Sie betreiben überwiegend Elektrochemie. Ist die elektrochemische Anwendung der Fullerene die aussichtsreichste?

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Dunsch: Neben der Spektroskopie ist die Elektrochemie für uns die wichtigste Untersuchungs- und zugleich Herstellungsmethode. Der Ladungstransfer an Fullerenen und seine Auswirkungen auf die physikalischen und chemischen Eigenschaften sind dabei besonders wichtig. Ob es zu einer rein elektrochemischen Anwendung der Fullerene kommen wird, ist noch offen. Aus spektroelektrochemischen Untersuchungen am C60 , dem stabilsten Fulleren, wissen wir, dass es die erhoffte Fullerenbatterie nicht geben wird, da die entstehenden Anionen viel zu reaktiv sind.

bdw: Ihre Veröffentlichungen drehen sich häufig um so genannte endohedrale Fullerene, in deren Innerem Atome gefangen sind. Was ist so besonders an ihnen?

Dunsch: Der Fullerenkäfig und die eingeschlossene Struktur stützen sich gegenseitig und sind dadurch äußerst stabil. Relevant für die Anwendung: In den Fullerenkäfigen können für den menschlichen Körper gefährliche Dysprosium- oder Gadolinium-Ionen „eingesperrt“ werden, die zum Beispiel bei der Magnetresonanztomographie als Kontrastmittel dienen. Sie lassen sich so dem Patienten gefahrlos verabreichen und ermöglichen eine verbesserte Diagnose kleinster Geschwülste.

bdw: Welche Anwendungen für endohedrale Fullerene sind noch vorstellbar?

Dunsch: Neben der Nutzung als Kontrastmittel werden sie zunächst sicher in Spezialgebieten zum Einsatz kommen, zum Beispiel im optischen Bereich. Ob sie bei dem wichtigen Thema der Wasserstoffspeicherung einmal eine Rolle spielen werden, bleibt abzuwarten.

bdw: Glauben Sie, dass Fullerene in der Elektronik oder Nachrichtentechnik wirtschaftliche Bedeutung erlangen werden?

Dunsch: Die Fullerene werden bereits für das Quantencomputing getestet. Daraus könnte sich eine Anwendung entwickeln. Um diese angehen zu können, fehlen allerdings noch grundlegende Kenntnisse.

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