Der Mathe-Krimi: „Das Theorem des Papageis" von Denis Guedj - wissenschaft.de
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Der Mathe-Krimi: „Das Theorem des Papageis“ von Denis Guedj

Der Mathe-Krimi Mathematik-Geschichte – spannend und skurril verpackt: Denis Guedj, Mathematiker und Wissenschaftshistoriker, verblüfft in seinem historischen Krimi den Leser immer wieder mit überraschenden Ereignissen – und mit profundem mathematischem Wissen.

Monsieur Ruche, Buchhändler und Philosoph, hat viele Kisten voller mathematischer Bücher zu sortieren, die ihm sein alter Studienfreund Elgar Grosrouvre unter mysteriösen Umständen überließ. Die Ladung kommt aus Manaus in Brasilien, wo – wie sich später herausstellt – Grosrouvre jahrelang versuchte, einige der berühmtesten Vermutungen der Mathematik zu beweisen. Doch bevor die Ergebnisse seiner Arbeit in fremde Hände gelangen konnten, verbrannte er sie. Nur einem engen Vertrauten teilte er sich mit. Und dann stieß ihm ein Unglück zu. Oder wurde er ermordet? Was ist passiert? Wer – und wo – ist sein Vertrauter mit dem wertvollen Wissen? Was will ihm der alte Freund durch seine Andeutungen und die markierten Stellen in den Büchern mitteilen? Keine einfachen Fragen für den 84jährigen Buchhändler Ruche, der im Rollstuhl sitzt – doch seine wissenschaftliche Begeisterung und sein kriminalistischer Spürsinn siegen. Bücher und Mathematik, das sind die Themen dieses ungewöhnlichen Romans von Denis Guedj, Mathematiker und Wissenschaftshistoriker. Er spielt im Paris der Gegenwart, aber man spürt förmlich den Staub, der auf den uralten Werken liegt. Außer erzählter Mathematikgeschichte gehören dazu ein Krimi und die bizarre Geschichte einer sonderbaren Wohngemeinschaft am Montmartre. Da ist Perette, die nie über ihre Vergangenheit spricht, mit ihren Kindern Jonathan und Léa, Zwillingen, deren Herkunft ungewiß ist. Und dort wohnt der elfjährige taube Max: Eines Tages kommt er vom Flohmarkt mit einem Papagei zurück, der seines schrillen Aussehens wegen den Namen „Nofutur“ bekommt. Zusammen mit Monsieur Ruche machen sie sich auf eine Reise durch die Geschichte der Mathematik – und landen schließlich in den Fängen zwielichtiger Gestalten in Sizilien. Die Handlung von heute und gestern ist skurril zu einem spannenden Roman verwoben. Denis Guedj macht darin nicht nur Menschen als schillernde, bis ins Detail ausgestaltete Persönlichkeiten lebendig, sondern breitet auch seinen unglaublich großen Wissensschatz aus. Umsonst ist das allerdings nicht zu haben: Fast 600 Seiten, eine Vielzahl von Handlungsebenen, Schauplätzen und Personen verlangen Ausdauer und Aufmerksamkeit. Was aus der Mathematikgeschichte erzählt wird, ist elementar – im zweifachen Sinn des Wortes: wesentlich und einfach. So wird dem Leser verblüffend klar, in welche Verwirrung die Menschen gestürzt wurden, die entdeckten, daß es irrationale Zahlen gibt. Oder welche geniale Erfindung die Null ist, und wie lange es gedauert hat, bis sie den Status einer Zahl erhielt. Wer weiß das schon, wenn er von „Nullkommanix“ und „Nullbock“ redet? Der Schluß überrascht damit, wie schwer es ist, auf das im nachhinein so Offenkundige zu kommen – worüber ich hier allerdings nichts verrate. Wer sich auf ausgedehnte Schmökerstunden einlassen kann, sich literarisch vergnügen und zugleich über Mathematik und ihre Geschichte Grundlegendes erfahren will, für den ist dieses Buch genau das Richtige.

Die Wissenschaftsjournalistin Barbara Messing ist Mathematikerin und promovierte Informatikerin.

Denis Guedj DAS THEOREM DES PAPAGEIS Hoffmann und Campe Hamburg 1999 592 S., DM 44,90

Barbara Messing / Denis Guedj

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