Der orientalische Limes - wissenschaft.de
Anzeige
Anzeige

Allgemein

Der orientalische Limes

Die Römer konnten sich über ihre Neuerwerbung nicht so recht freuen: Der Osten kam nicht zur Ruhe. Immer wieder fielen marodierende Beduinenscharen ins Land ein. Noch gefährlicher für die römische Herrschaft über Syrien waren jedoch die Vorstöße der Parther und später der Sassaniden aus dem Iran. Diese aggressiven Großreiche zwangen die Römer seit dem 1. Jahrhundert n.Chr. zu permanenten Kriegszügen und schließlich zu einer ständigen militärischen Präsenz im Land zwischen Euphrat und Tigris. Die Gegend war wichtig: Hier endete ein Seitenzweig der Seidenstraße, und hier kreuzten sich die ebenso profitträchtigen Handelswege des Orients.

Wissenschaftler des Deutschen Archäologischen Instituts in Berlin erforschen jetzt erstmals die Zeugnisse der spätrömischen Befestigungs- anlagen im Nahen Osten. Dr. Andreas Oettel erkundet die römische Grenzfestung Tell Dgerat am Habur, einem Nebenfluss des Euphrat. Dazu bleibt wenig Zeit, denn das Kastell wird bald in einem Stausee versinken. Hinter der Außenmauer fand der Archäologe Mannschafts- und Vorratsräume. Das Kastell wurde vermutlich um 300 n.Chr. erbaut, im Schutz des Militärlagers lag eine Siedlung.

Dr. Markus Gschwind hat mit syrischen Kollegen das Qreiye-Kastell am Euphrat ausgegraben, das um 200 n.Chr. vermutlich 1500 Legionären Unterkunft bot. Mit dem Schutz war es aber wohl nicht weit her, denn die archäologischen Funde verraten, dass das Lager überhastet aufgegeben wurde – die Römer waren auf der Flucht.

Der Limes sah in der Wüste Syriens naturgemäß anders aus als in Mitteleuropa. An eine durchgehende Befestigung mit Wall und Palisaden war nicht zu denken. Die Bauten wurden aus Lehmziegeln errichtet – entsprechend wenig ist erhalten geblieben. Die ZDF-Sendung „Schliemanns Erben“ berichtet am Sonntag, den 1. Februar 2004, um 19.30 Uhr über die Suche in der Wüste. Demnach können die Archäologen jetzt die römische Grenzbefestigung von der Wüstenoase Palmyra bis an den Euphrat nachzeichnen: drei Legionärslager, zwei größere und sechs kleinere Kastelle und mehrere Wachposten sollten das Reich gen Osten sichern. Sie waren nur so weit voneinander entfernt, dass sie mit einem Signalsystem kommunizieren konnten. Über die Logistik der Anlagen ist bislang nichts bekannt. Auf Dauer nutzte auch dieser Limes nichts: Er wurde überrannt – und in den Kastellen richteten sich die neuen Herren ein.

Hans Groth

Anzeige

Anzeige

bild der wissenschaft | Aktuelles Heft

Liken und keine News mehr verpassen!

Anzeige

Marianengraben schluckt Wasser

Subduktionszone transportiert weit mehr Wasser in den Erdmantel als gedacht weiter

Supernova-Vorgänger aufgespürt

Astronomen finden erstmals möglichen Vorgängerstern einer Supernova vom Typ 1c weiter

Ernährung: Wie viel Fett ist gesund?

Die ideale und allgemeingültige "Formel" für die gesunde Ernährung gibt es nicht weiter

Campi Flegrei: Erwacht der Supervulkan?

Phlegräische Felder bei Neapel könnten auf einen neuen Caldera-Ausbruch zusteuern weiter

Wissenschaftslexikon

Par|the|no|ge|ne|se  〈f. 19; unz.〉 1 〈Myth.〉 Geburt eines Gottes od. Helden durch eine Jungfrau 2 〈Biol.〉 = Jungfernzeugung ... mehr

Ura|no|lo|gie  〈f. 19; unz.; veraltet〉 Astronomie [<Uranus ... mehr

Al|li|in  〈n. 11; unz.; Chem.〉 eine im Knoblauch vorkommende geruchlose Verbindung, die keinerlei antibakterielle Wirkung besitzt [zu lat. allium ... mehr

» im Lexikon stöbern
Anzeige
Anzeige