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DICKE LUFT IM TANK SORGT FÜR SCHWUNG

Zischend schießt der Stift ins Blech. Wer schon einmal beobachtet hat, wie eine Druckluftpistole Nägel ins Material treibt, hat einen Eindruck davon, wie viel Kraft ein komprimiertes Gas besitzt. Bald soll diese Kraft auch Autos in Schwung bringen. Noch in diesem Jahr, verspricht der französische Ingenieur Guy Nègre, wird die Produktion einer ersten kleinen Serie von Druckluftautos starten.

Die Idee, Fahrzeuge durch Pressluft anzutreiben, ist nicht neu. Straßenbahnen in Bern sowie Grubenlokomotiven in Bergbaustollen kommen bereits durch Druckluft in Fahrt. Für Autos war die Technologie jedoch bisher kein Thema – bis der frühere Formel-1-Entwickler Nègre Anfang der Neunzigerjahre die Sache in die Hand nahm. Dazu gründete er in Luxemburg die Firma MDI und kündigte mehrfach an, bald mit der Fertigung von Druckluftautos zu beginnen. Bislang erwiesen sich die Versprechen stets als Luftnummer, doch nun scheint der Tüftler endlich Ernst zu machen.

Ab Herbst 2008 soll der Kleinwagen namens „OneCat“ in Nizza produziert werden. Er besteht weitgehend aus leichten und billigen Materialien wie Aluminium und Kunststoff. Dadurch bringt er gerade mal 350 Kilogramm auf die Waage. Der Motor mit bis zu 22 Kilowatt (30 PS) Leistung beschleunigt OneCat auf maximal 110 Kilometer pro Stunde. Der Treibstoff – 90 Kubikmeter komprimierte Luft unter 300 Bar Druck – steckt in einem mit Glasfaser ummantelten Tank. Um das Gefährt anzutreiben, wird die Luft entspannt. Dabei bringt die durch den hohen Druck gespeicherte Energie die Hubkolben in einem Vier-Zylinder-Motor stufenweise in Gang. Mit seinem Pressluft-Vorrat hat das Fahrzeug eine Reichweite von 100 Kilometern. Um sie auf 800 Kilometer zu erhöhen, sitzen unter der Haube noch ein kleiner Verbrennungsmotor und ein Elektroaggregat. Dessen Zweck ist es, einen Teil der beim Bremsen freiwerdenden Energie zurückzugewinnen. Über einen Kompressor lässt sich verdichtete Luft in den Tank nachfüllen. Spezielle Hochdruck-Ladestationen an Tankstellen sollen künftig vorkomprimierte Luft minutenschnell in den Behälter pumpen.

Das meiste Geld für die Entwicklung des Druckluftautos stammt vom indischen Autokonzern Tata. Der will das Vehikel in seinem Heimatland vertreiben. Mit dem angekündigten Preis von 3500 bis 5300 Euro wäre es ausgesprochen günstig.

Redaktion: Hans Groth, nachrichten@bild-der-wissenschaft.de

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