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Die schicken Schuhe der Ahnen

Modebewußt und kinderlieb: So waren Nordamerikas Bewohner vor 8000 Jahren, wie eine einzigartige Schuhkollektion beweist.

Keß legt sich das Leder um den Knöchel, der Absatz verleiht der Trägerin des Schuhs die gewisse Eleganz. Heute wäre das nicht weiter bemerkenswert. Doch daß die Bewohner Nordamerikas schon vor 8000 Jahren modische Schuhe trugen, verblüfft die Fachwelt.

Bereits Mitte der fünfziger Jahre hatte der Hobby-Forscher J. Mett Shippee in einer Höhle in Missouri eine Schuh-Kollektion gefunden. „Die Arnold-Research-Cave war keine rituelle Stätte, sondern ein normaler Wohnort der Einheimischen“, erklärt Anthropologe Mike O’Brien von der University of Missouri in Columbia. Ein Teil der Schuhe stammt von prähistorischen Jägern, die in der Arnold-Research-Cave Schutz suchten.

Das genaue Alter des Fundes wurde lange nicht untersucht. Ein Wissenschaftler-Team unter Leitung von Jenna Kuttruff, Louisiana State University, konnte jetzt die Schuhe mit Hilfe der Massenspektronomie datieren, ohne dafür zuviel des wertvollen Untersuchungsmaterials zu benötigen: „Ohne diese Technik hätten wir die Hälfte der Schuhmasse für die Altersbestimmung gebraucht“, sagt O’Brien, Mitglied des Forscherteams.

Nach der Untersuchung ist das jüngste Teil der Kollektion 1070 Jahre alt – das älteste Paar lag dagegen 8325 Jahre lang in der Höhle. Somit spiegelt die einzigartige Schuhsammlung 7500 Jahre Modegeschichte auf dem nordamerikanischen Kontinent wider.

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Die Trockenheit in der Höhle konservierte die Schuhe. 18 Exemplare von insgesamt 35, die die Wissenschaftler untersuchten, waren noch weitgehend intakt. Offensichtlich war Leder nicht das bevorzugte Material – nur zwei Schuhe waren daraus gefertigt. Vielmehr benutzten die nordamerikanischen Ureinwohner lieber Fibern der einheimischen Pflanze Eryngium yuccifolium. Sie formten daraus Sandalen, Slipper und Mokassins.

Während die Sandalen, ähnlich wie bei den meisten heutigen Modellen, keine Seitenteile hatten und von Bändern gehalten wurden, fand der archaische Fuß im Slipper ganz ohne Bänder den nötigen Halt. Erdeinschlüsse, zerriebene Fibern und gebrochene Elemente zeugen davon, daß die Schuhe nicht nur zu besonderen Anlässen, sondern im Alltag die Füße bekleideten. Erwachsene trugen sie wohl so lange, bis sie völlig abgenutzt waren.

Kinder liefen dagegen stets in relativ neuen Exemplare, wie die Forscher herausfanden. Anscheinend beschäftigten sich die nordamerikanischen Ureinwohner sogar mit Orthopädie: Bei vier Schuhen gibt es Hinweise auf Einlagen. Die komplizierte Webart und das Design weisen darauf hin, daß die Vorfahren ähnlich modebewußt waren wie heutige Nordamerikaner. „Schon damals muß es Designer und spezialisierte Handwerker gegeben haben“, sagt Kathryn Jakes, Textilexpertin von der Ohio State University in Columbus.

Warum aber gaben sich die Menschen solche Mühe, wenn es um ihre Schuhe ging? Die Gründe, glauben die Forscher, seien die gleichen wie heute. „In der modernen Gesellschaft ist Kleidung ein Status- und Individualitätssymbol. Warum sollte das im prähistorischen Nordamerika anders gewesen sein“, fragt James Petersen, Archäologe an der University of Burlington.

Vlad Georgescu

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