Die Schlaglichter der Forschung: Entpuppt und aufgelöst - wissenschaft.de
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Die Schlaglichter der Forschung: Entpuppt und aufgelöst

Was lenkt die Metamorphose von Insekten, und was lockt die Männchen zu den Weibchen? Mitte der fünfziger Jahre fand der Biochemiker Adolf Butenandt die Antwort.

Sein Steckenpferd waren Seidenraupen. Er wollte das Hormon isolieren, das deren Metamorphose steuert – die Umwandlung des Tieres von der Larve bis hin zum ausgewachsenen Insekt -, und auch den Sexuallockstoff des Seidenspinnerweibchens. Bereits 1939 war ihm für die Entdeckung und Strukturaufklärung mehrerer Sexualhormone der Medizin-Nobelpreis verliehen worden.

Für seine Versuche benötigte er die von feinen Fäden umsponnenen Kokons, in denen sich die Raupen verpuppt hatten. Zunächst züchtete er im Institut die Seidenspinner selbst, doch die dabei gewonnenen Kokonmengen reichten nicht aus. Deshalb startete er mehrere Großaktionen und ließ Kokons von Züchtern aus ganz Deutschland einsammeln.

Anfang März 1954, nach etwa 200 biologischen Tests, war Butenandt am Ziel: Er hatte 0,025 Gramm Hormon in Form winziger Kristalle isoliert. Ein Kriställchen davon reichte aus, die Verpuppung einer Made auszulösen.

Die Versuche, den Sexuallockstoff der Seidenspinnerweibchen zu isolieren, waren nicht so schnell von Erfolg gekrönt. Erst 1958 berichteten Adolf Butenandt, Erich Hecker und ihre Mitarbeiter über die erste gelungene Isolierung, Reindarstellung und chemische Charakterisierung des Sexualhormons eines Schmetterlings.

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Ein Molekül des Sexuallockstoffs pro Sinneszelle der Schmetterlingsmännchen reichte aus, diese Zelle zu erregen. Die Sexuallockstoffe – heute heißen sie Pheromone – werden in der Land- und Forstwirtschaft vor allem dazu genutzt, männliche Falter in Fallen zu locken, um ihre Population zu überwachen und den günstigsten Zeitpunkt für die Bekämpfung der Schädlinge mit Insektiziden zu bestimmen.

Michael Globig / Adolf Butenandt

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