Die Zeit der Väter - wissenschaft.de
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Die Zeit der Väter

Nach der Geburt ihres ersten Kindes engagieren sich die meisten Väter stärker im Beruf als vorher. Sind sie auf der Flucht vor ihrer Familie?

Wenn ein Baby das Licht der Welt erblickt, ändert sich scheinbar vor allem das Leben der Mutter grundlegend: Meist gibt sie ihre Berufstätigkeit auf und teilt ihre Zeit vollständig neu ein. Dagegen hängt kaum ein Vater seinen Beruf an den Nagel. Selbst die gesetzliche Möglichkeit des Erziehungsurlaubs nehmen nur zwei Prozent der Väter in Anspruch.

Doch auch bei den Männern bleibt nach der Geburt ihres Kindes längst nicht alles beim alten, wie eine Untersuchung des Staatsinstituts für Familienforschung an der Universität Bamberg bestätigt. Prof. Laszlo A. Vaskovics und seine Mitarbeiter haben 1500 repräsentativ ausgewählte junge Ehepaare insgesamt viermal über einen Zeitraum von sechs Jahren befragt und sie einen Zeiterfassungsbogen ausfüllen lassen.

Bei der Erstbefragung kurz nach der Eheschließung waren alle Paare noch kinderlos. 91 Prozent aller Ehemänner gingen einem Beruf nach – dieser Anteil blieb auch nach der Geburt ihres Kindes konstant. Dabei stieg die Zeit, die die Männer in ihren Job während eines Werktags investierten, von durchschnittlich 8 Stunden und 57 Minuten auf 9 Stunden und 12 Minuten an. Für dieses verstärkte berufliche Engagement der Väter machen die Bamberger Forscher Finanznöte verantwortlich – schließlich war das Einkommen der Ehefrau meistens weggefallen.

Immerhin kümmern sich die Väter während der Woche täglich rund eineinhalb Stunden um ihr Kind. Samstags dann beschäftigten sie sich zweieinhalb und sonntags drei Stunden mit Tochter oder Sohn.

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Im Mittelpunkt ihres „neuen Lebens“ steht für die jungen Väter die Beschäftigung mit dem Kind und die Erwerbstätigkeit. Das geht zu Lasten der Freizeitaktivitäten: Statt 20 geben nur noch 9 Prozent von ihnen an, abends auszugehen. Und selbst unter denjenigen, die weiterhin kulturelle Veranstaltungen oder Kneipen besuchen, sinkt die dafür aufgewendete Zeit durchschnittlich um knapp eine halbe Stunde pro Tag. Sport treiben nach der Geburt ihres Kindes nur noch 9 Prozent der Männer – vorher waren es 17 Prozent.

Doch das Bild vom Vater, der seine eigenen Interessen zugunsten der Familie zurücksteckt, ist schief. Denn viele Väter sparen die Zeit für ihr Kind auch ein, indem sie ihren ohnehin schon geringen Anteil an der Hausarbeit noch weiter zurückschrauben – zu Lasten ihrer Ehefrauen. Kinderlose Ehemänner wenden für den Haushalt täglich im Schnitt 15 Minuten mehr auf als junge Väter.

Die Studie ergab auch, daß meist die Mutter das Kind wikkelt und badet, während sich der Mann eher fürs Spielen zuständig fühlt.

Frank Frick

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