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Eigentlich ist propranolol als

Eigentlich ist propranolol als Blutdrucksenker bekannt. Doch es besteht die Hoffnung, dass es auch helfen kann, Opfern von Unfällen oder Vergewaltigungen ihre traumatischen Erinnerungen zu nehmen. Propranolol ist ein Betablocker. Es blockiert sogenannte Betarezeptoren im Gehirn, die von Stresshormonen wie Adrenalin aktiviert werden. Vor einem Jahrzehnt testeten Larry Cahill und James McGaugh von der University of California in Irvine, ob Propranolol auch das Vergessen fördern könnte. Denn es sind Stoffe wie Adrenalin, die dafür sorgen, dass starke emotionale Erinnerungen gut haften bleiben.

Die Forscher zeigten Versuchspersonen zwölf Dias und erzählten ihnen dazu eine von zwei Geschichten. Beide beginnen harmlos: Ein Junge und seine Mutter gehen von zu Hause los und überqueren eine Straße. In der dramatischen Variante wird der Junge angefahren und muss im Krankenhaus operiert werden. In der harmlosen Fassung besucht der Junge seinen im Krankenhaus arbeitenden Vater, wo gerade eine Notfallübung stattfindet.

Wenn die Probanden die erste Fassung mit der echten Operation erzählt bekamen, erinnerten sich die Versuchspersonen besser an die – in beiden Fällen identischen – Bilder aus dem Krankenhaus, als wenn dort angeblich nur geübt wurde. Doch wenn die Teilnehmer vorher Propranolol schluckten, brannten sich die Operationsbilder nicht so stark in ihr Gedächtnis ein. Propranolol verhinderte die dazu nötige Erregung.

Die Studie inspirierte den Psychiatrieprofessor Roger Pitman von der Harvard University zu einem Versuch, das Entstehen traumatischer Erinnerungen zu verhindern. Er ließ in die Notaufnahme eingelieferte Unfallopfer zehn Tage lang Propranolol schlucken. Einen Monat später stellte er fest: Die Behandelten litten seltener unter Traumasymptomen als die Kontrollgruppe, die ein Placebo erhalten hatte. Ein ähnlicher Versuch in Frankreich kam zum selben Ergebnis. Beide Untersuchungen hatten nur wenige Teilnehmer, daher müssen die Resultate noch in größeren Studien überprüft werden, die zurzeit laufen. Doch in den USA ist bereits eine Debatte entbrannt, ob das Vergessen überhaupt chemisch gefördert werden darf.

Eine Bioethik-Kommission des Präsidenten argumentiert, „ Stress, Angst und Kummer“ seien „angemessene Reaktionen auf die Zerbrechlichkeit der menschlichen Existenz“. Die Kommission befürchtet auch, Erinnerungen könnten verloren gehen – etwa die von Überlebenden an die Schrecken des Holocaust: „Unser Gedächtnis gehört nicht nur uns; es ist Teil des Gewebes der Gesellschaft, in der wir leben.“ Dem Bioethiker Arthur Caplan von der University of Pennsylvania in Philadelphia geht das zu weit. Natürlich müsse die Erinnerung an den Holocaust bewahrt werden, aber „die Ansicht, dass wir unter uns leidende Märtyrer brauchen, ist grausam und ausbeuterisch“.

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