Anzeige
Anzeige
1 Monat GRATIS testen, danach für nur 9,90€/Monat!

Allgemein

Ein großer Schritt für die Menschheit?

An der bemannten Raumfahrt scheiden sich die Geister – daran konnte auch die erfolgreiche D2-Mission nichts ändern.

Es schien fast so, als wollte es die Raumfahrtagentur NASA bei der letzten Mission unter deutschem Management noch einmal besonders spannend machen: Der Start der SpaceLab-D2-Mission, ursprünglich für den 25. Februar 1993 vorgesehen, wurde sage und schreibe fünfmal verschoben. Einmal brachen die Computer den Countdown nur drei Sekunden vor dem geplanten Start des Shuttles ab. Am 26. April klappte es endlich. Zehn Tage umkreisten Hans Wilhelm Schlegel und Ulrich Walter im Space-Shuttle die Erde. Die D2-Mission wird als Erfolg gefeiert, doch einen Nachfolger gibt es nicht. 950 Millionen Mark für rund 90 Experimente – ein stolzer Preis, der nicht nur die Öffentlichkeit, sondern immer mehr auch die Politiker am Nutzen solcher Weltraumabenteuer zweifeln ließ. So war es das Schicksal der D2-Mission, eine Art Wendepunkt in der bemannten Raumfahrt zu markieren, nicht nur in Deutschland. Selbst der NASA wurden in den folgenden Jahren die finanziellen Daumenschrauben angezogen. Dabeisein, aber möglichst wenig bezahlen, lautete ab da die Devise der deutschen Raumfahrtmanager. Eine passende Alternative zu Discountpreisen hatte Rußland: die Raumstation Mir, damals noch jung an Jahren und leidlich zuverlässig, bot gegen harte Devisen Raum zum Experimentieren in der Schwerelosigkeit – ein Angebot, das europäische Astronauten rege nutzten. Doch die letzte Besatzung hat die Mir verlassen, und das alte Schiff treibt um die Erde, bis es Anfang 2000 gezielt zum Absturz gebracht werden soll. Und dann? Die Raumfahrtnationen einigten sich auf eine gemeinsame internationale Kraftanstrengung, um die finanziellen Lasten für einen angemessenen Außenposten der Menschheit im All zu stemmen. In den nächsten Jahren wird nun unter Leitung der NASA die Internationale Raumstation (ISS) ins All gehievt. Das Zentralmodul, das von Rußland beigesteuert wird, befindet sich schon im Orbit, weitere Module werden bis 2004 folgen, insgesamt sind 45 Starts nötig.

Die ISS ist größer als ein Fußballfeld, entsprechend teuer wird sie: Zwischen 100 und 200 Milliarden Mark sind veranschlagt, von denen die USA den Löwenanteil bestreiten. Deutschland steuert jährlich rund 250 Millionen Mark bei und ist damit großzügigster Zahler unter den europäischen Ländern. Ob Deutschland damit das große Los gezogen hat, ist sogar unter den Wissenschaftlern umstritten, die ja von den einmaligen Forschungsmöglichkeiten in der Schwerelosigkeit am meisten profitieren sollen. Die Deutsche Physikalische Gesellschaft warnte schon 1990 in einer „Entschließung zur bemannten Raumfahrt“ vor einem zu schlechten Kosten-Nutzen-Verhältnis. Die bemannte Raumfahrt drohe andere Projekte der Weltraumforschung zu erdrükken, weil sie fast den ganzen Etat auffresse. Statt dessen sollten unbemannte Raumflüge mit automatisierten Experimenten bevorzugt werden. Die Bundesregierung scheint das ähnlich zu sehen. Sie hat im April die Weichen für die künftige Raumfahrtpolitik gestellt. Danach sind im diesjährigen Haushalt 1,6 Milliarden Mark für die Raumfahrt veranschlagt – immerhin 30 Prozent der Projektmittel des Ministeriums. Forschungsministerin Edelgard Bulmahn nennt die Schwerpunkte: „Wir wollen uns an der Weiterentwicklung der Ariane 5 und an der satellitengestützten Erdbeobachtung maßgeblich beteiligen.“ Und die Internationale Raumstation? Die ist der Ministerin ein Dorn im Auge. Die 41prozentige deutsche Beteiligung (2,5 Milliarden) am europäischen Raumlabor Columbus, das an die ISS angedockt wird, sei zu hoch und der finanzielle Spielraum für neue Projekte der europäischen Raumfahrtagentur ESA zu gering.

Anzeige
Anzeige

Videoportal zur deutschen Forschung

Aktueller Buchtipp

Sonderpublikation in Zusammenarbeit  mit der Baden-Württemberg Stiftung
Jetzt ist morgen
Wie Forscher aus dem Südwesten die digitale Zukunft gestalten

Wissenschaftslexikon

ge|no|misch  〈Adj.〉 die Genome betreffend, zu ihnen gehörig

ge|schichts|los  〈Adj.〉 ohne Bewusstsein der eigenen Geschichte, die geschichtlichen Fakten u. Entwicklungen nicht berücksichtigend; Ggs geschichtsbewusst … mehr

som|nam|bul  〈Adj.; Med.〉 an Somnambulismus leidend, mondsüchtig [frz. <lat. somnus … mehr

» im Lexikon stöbern
Anzeige
Anzeige
[class^="wpforms-"]
[class^="wpforms-"]
[class^="wpforms-"]
[class^="wpforms-"]
[class^="wpforms-"]
[class^="wpforms-"]