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Ein Studienplatz zum Ersten, Zweiten und …

Studenten geben an, wieviel sie für einen Platz am College bezahlen wollen – und erhalten ein entsprechendes Angebot.

Alte Comic-Hefte, Zigarrenkisten oder Barbie-Puppen wechseln auf Online-Auktionen schon lange ihre Besitzer. Auch die Versteigerung von Urlaubsreisen oder Jobs via Internet gehört mittlerweile zum amerikanischen Alltag. Nun kommt etwas Neues unter den elektronischen Hammer: Studienplätze.

Seit Oktober letzten Jahres sorgt eine Webpage namens „ eCollegebid.org“ für Wirbel. Hier können zukünftige Studiosi für ihre Ausbildung „bieten“: Neben Schulnoten, dem gewünschten Studienort und Fach gibt der Bewerber an, wieviel Geld er – oder seine Familie – pro Jahr für Studiengebühren, Unterkunft und Verpflegung ausgeben möchte. Diese Informationen werden an registrierte Colleges weitergegeben. Die erstellen dem Bewerber zu dem genannten Preis binnen 14 Tagen ein Angebot, inklusive Finanzierungspaket aus Stipendien, Krediten oder Arbeitsverträgen. Willigt der Kandidat binnen 30 Tagen ein, ist der Studienplatz gesichert. Diese Auktion ist für Bewerber kostenfrei, Colleges zahlen pro Jahr 2000 Dollar. „Den meisten geht es bei der Auswahl der weiterführenden Schulen nur um die Kosten“, weiß Tedd Kelly, College-Berater und Initiator der Webpage. In Amerika ist Bildung teuer: Die Studiengebühren an einem privaten College betragen durchschnittlich 15380 Dollar pro Jahr, staatliche Schulen verlangen rund 8700 Dollar. Unterkunft und Verpflegung sind extra zu zahlen.

Zehn Colleges sitzen mit über 800 Bewerbern bereits in der virtuellen Auktionshalle – Tendenz steigend. Im Februar, mit Beginn der Rekrutierungsphase um die Studenten für das Herbstsemester, erwartet Kelly eine noch größere Beteiligung. Mit Stanford oder Harvard rechnet er aber nicht, eher mit kleinen Instituten, die noch Kapazitäten frei haben.

Die Auktion spaltet die akademische Gemeinde: „Eine Uni-Ausbildung sollte nicht wie ein Flugticket ersteigert werden“ , sagt Joyce Smith vom Verband der amerikanischen College-Berater. Dallas Martin von der National Association of Student Financial Aid Administrators warnt davor, daß nur günstige Gebühren den Ausschlag für die Collegewahl geben könnten: „Ich sorge mich um die Qualität der Colleges, die da mitmachen.“

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Das ärgert John Dolan, Sprecher der Catholic University of America in Washington, eine der Online-Anbieterinnen: „Ich möchte mit der Webpage unsere freien Plätze vergeben, etwa in den Ingenieur-Wissenschaften.“ Weil ungenutzte Personal- und Raumkosten hier sehr zu Buche schlagen, ist Dolan bereit, künftigen Ingenieur-Studenten ein günstiges Angebot zu machen.

„eCollegebid.org“ ist die Antwort auf einen Trend: Seit zehn Jahren sind die Studentenzahlen rückläufig, besonders in kleineren Colleges bleiben Hörsaalplätze oft leer. Die in den Werbebroschüren ausgewiesenen Studiengebühren sind daher meistens nur Fiktion. Viele Institute bieten einen Nachlaß, auch für Bewerber, die sich normalerweise nicht für Financial aid qualifizieren würden. Eine Studie an 212 privaten Colleges hatte 1997 ergeben, daß im Durchschnitt mehr als 30 Prozent der Studiengebühren als Stipendien an die Studenten zurückfließen. 1990 waren es erst 23 Prozent. Den künftigen Akademikern sollte „ eCollegebid.org“ entgegenkommen. Dolan: „Abgesehen vom Kauf eines Hauses gibt eine amerikanische Familie nirgendwo mehr Geld aus als für die Ausbildung ihrer Kinder.“

Colleges

Colleges sind die fortbildenden Institutionen in Amerika, die nach Abschluß von zehn Schuljahren besucht werden. Hier absolvieren die Studenten in der Regel ein achtsemestriges, verschultes Studium und schließen es mit einem „Bachelor of Arts“ (BA) oder „Bachelor of Science“ (BS) ab. Für die meisten Amerikaner ist damit ihre akademische Karriere zu Ende. Nur etwa zehn Prozent studieren weiter. Dieses sogenannte „Graduate“ -Studium endet nach zwei bis sechs Semestern mit einem „Master“ -Titel.

Rekrutierung

Für die Rekrutierung von Highschool-Absolventen geben die Colleges jedes Jahr viele Millionen Dollar aus. Sie schicken besonders geschulte Repräsentanten in einzelne Schulen, messen sich auf nationalen „College-Jahrmärkten“ und umwerben die rund sechs Millionen Schulabgänger schon Monate vor der Zeugnisvergabe mit aufwendigen Hochglanzbroschüren.

Financial aid

Finanzielle Hilfe bekommt in Amerika jeder zweite Student in Form von billigen Krediten oder Förderstipendien, die meist direkt von den Colleges und Universitäten angeboten werden. Im letzten Jahr erhielten amerikanische Studenten eine Studienunterstützung von insgesamt 64 Milliarden Dollar.

Désirée Karge

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