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Forscher zeigen Waldrappen den Weg

Ein Vogelzug der besonderen Art

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Ein Gleitschirm-Flieger umringt von einem Schwarm bizarr aussehender Vögel: Am 22. August sind Tierschützer mit handaufgezogenen Waldrappen ins toskanische Winterquartier aufgebrochen. Es handelt sich um eine Maßnahme im Rahmen des Ziels, den charismatischen Zugvogel in Europa wieder heimisch zu machen.

Schwarzes Gefieder mit metallischem Schimmer, ein säbelförmiger Schnabel und ein nackter Kopf mit kokettem Federkranz – das ist der Waldrapp. Bis ins 17. Jahrhundert war dieser gänsegroße Schreitvogel aus der Familie der Ibisse ein fester Bestandteil der europäischen Vogelwelt. Doch dann landete er zunehmend in Kochtöpfen und verschwand schließlich um 1630 komplett aus Europa. Heute steht er laut „Zoological Society of London“ auf Platz zwölf der am meisten bedrohten Vogelarten der Welt. Das Ziel eines internationalen Artenschutzprojektes ist es nun, den Waldrapp bis 2019 wieder als Zugvogelart in Europa zu etablieren. Das Projekt basiert auf den langjährigen Erfahrungen des Artenschutzprojektes Waldrappteam, das mit seiner Arbeit bereits 2002 begann. Eine erste kleine Brutkolonie lebt mittlerweile im bayerischen Burghausen. Zwei weitere Brutkolonien sind in Kuchl, Salzburg und in Überlingen, Baden- Württemberg vorgesehen.

Junge Waldrappe müssen lernen

Doch die Tiere muss man nun erst einmal mit Wissen ausstatten: Der Waldrapp des Voralpenlandes war ehemals ein Zugvogel, der im Herbst sein Brutgebiet verließ, um südlich der Alpen zu überwintern. Der Drang zum Herbstzug ist den Tiere zwar angeboren, die Weginformationen hingegen nicht: Wo ihr Wintergebiet liegt, müssen junge Waldrappe von zugerfahrenen Artgenossen erst lernen. Da es jedoch schon lange keine selbstständig migrierenden Waldrappe mehr gibt, ist diese Weitergabe nicht mehr möglich.

Um dennoch neue ziehende Waldrapp-Bestände zu gründen, wurden Jungtiere von menschlichen Adoptiveltern aufgezogen. Dadurch folgen sie ihren Bezugspersonen überall hin, selbst wenn diese in einem Fluggerät voran sausen. Die Zieheltern übernehmen damit die Rolle der erfahrenen Artgenossen und können die Jungtiere in geeignete Wintergebiet führen. Den Weg zurück aus den Winterquartieren finden die Vögel dann selbständig. Dieses Konzept hat sich bereits bewährt – es gibt nun schon einige „ausgebildete“ Waldrappe.

Ziel: Nach 400 Jahren erneut selbstständig ziehende Waldrappe

In diesem Jahr fliegen nun insgesamt 48 Jungtiere erstmals in den Süden. 31 von ihnen folgen dabei einem Ultraleichtflugzeug, das ihnen den Weg weist. Die anderen Jungtiere werden bereits erfahrenen Altvögeln folgen. Mit der medizinischen Versorgung der Waldrappe sind seit 2008 Vogelexperten der Vetmeduni Vienna betraut. „Wir untersuchen regelmäßig den Gesundheitsstatus der Tiere. Die Jungtiere müssen für ihre Reise in den Süden fit sein“, erklärt Vogeltierärztin Alexandra Scope. Dies war nun der Fall und so konnte es losgehen. Über die aktuellen Geschehnisse berichtet das Waldrappteam in einem Reisetagebuch.  Die Tierschützer blicken nun zuversichtlich auf ihr Ziel: Bis 2019 sollen wieder mehr als 120 Waldrappe zwischen dem nördlichen Alpenvorland und der Toskana migrieren.

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Quellen: Waldrappteam , Veterinärmedizinische Universität Wien ( Vetmeduni Vienna)

© natur.de – Martin Vieweg
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