Energiesparen im Handumdrehen - wissenschaft.de
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Energiesparen im Handumdrehen

Auf jeden einzelnen kommt es an. Bei der ökologischen und effizientenNutzung von Energie gibt es eine Patentlösung: Nicht ein Weg, sondern nur alle zusammen erreichen das Ziel. Jeder einzelne, meint der Präsident des Umweltbundesamtes, Prof. Andreas Troge, hat es buchstäblich im Griff, das Energie- und Umweltproblem zu lösen.

Heizen bedeutet Energie verbrauchen. Rund 60 Prozent des gesamten Energieverbrauchs in den privaten Haushalten werden für die Raumheizung genutzt. Die Mehrzahl der Heizungsanlagen in Deutschland wird mit fossilen Brennstoffen betrieben: In elf Millionen Anlagen wurden 1996 feste Brennstoffe verbrannt, in zehn Millionen Anlagen Gas und in acht Millionen Öl verfeuert. Zwei Millionen Anlagen wurden mit Strom betrieben. Alle zusammen verbrauchten circa 117 Millionen Tonnen Steinkohle-Einheiten (SKE) – diese Menge entspricht einem mit Kohle beladenen Güterzug mit drei Millionen Waggons.

Bei der Verbrennung fossiler Energieträger wird eine ganze Reihe von Schadstoffen freigesetzt. Die Zahlen sprechen für sich: Mit 212 Millionen Tonnen (1996) geht fast ein Viertel des gesamten Ausstoßes des Klimagases Kohlendioxid (CO2) auf das Konto der Heizungen von Kleinverbrauchern. Auch der Ausstoß anderer Luftschadstoffe ist nicht zu unterschätzen: 162000 Tonnen Stickoxide, 266000 Tonnen Schwefeldioxid und 1,5 Millionen Tonnen Kohlenmonoxid werden aus Heizungen in die Luft gepustet. Diese Luftschadstoffe haben Auswirkungen auf die Umwelt und die menschliche Gesundheit. Sie tragen beispielsweise zum sauren Regen bei.

Eine globale Sicht der Dinge eröffnet sich, wenn man das Kohlendioxid näher betrachtet. CO2 entsteht bei der Verbrennung fossiler Energieträger wie Kohle oder Öl. CO2 ist das wichtigste Klimagas. Es trägt rund zur Hälfte zum Treibhauseffekt bei, unabhängig vom Entstehungsort. Deshalb muß CO2 weltweit gemindert werden. Deutschland hat sich – unabhängig von den internationalen Verhandlungen zum Klimaschutz – verpflichtet, den Ausstoß von Kohlendioxid bis zum Jahr 2005 um 25 Prozent zu reduzieren. Bezugsgröße ist das Jahr 1990. Übertrüge man dies auf die Heizungen in Deutschland, so hieße das rein rechnerisch, daß diese bis dahin 50 Millionen Tonnen Kohlendioxid weniger ausstoßen dürfen. Um das zu erreichen, muß beim Heizen Energie gespart werden.

Was ist konkret zu tun? Sollen wir weniger heizen, möglicherweise sogar frieren, um die Umwelt zu schützen? Natürlich nicht. Das Bedürfnis nach Wärme muß befriedigt werden. Schließlich haben wir in unseren Breiten nicht den Vorteil gleichbleibend hoher Temperaturen. Deshalb müssen wir – zumindest über einen großen Teil des Jahres hinweg – durch Heizen künstlich Wärme erzeugen. Doch wir können durch Verhaltensänderungen und die sinnvolle Nutzung innovativer Techniken die Umweltbelastungen des Heizens vermindern.

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Dabei kommt es darauf an, – die Heiztechnik weiter zu optimieren, – den Wärmeschutz an Gebäuden zu verbessern, – die sogenannte industrielle Abwärme zu nutzen und Strom in Kraft-Wärme-Kopplung zu erzeugen, – erneuerbare Energieträger stärker für die Erzeugung von Heizenergie einzusetzen und – das individuelle Heizverhalten zu überprüfen und gegebenenfalls umzustellen.

Alle zusammen und kein Weg allein kann die Lösung bringen.

Die Ölkrise im Jahr 1973 brachte in Deutschland eine Bewußtseinswende. Zum ersten Mal wurde klar, daß Energie ein knapper werdendes Gut ist. Die Preise stiegen: Von 1973 bis 1981 erhöhte sich beispielsweise der Preis für Heizöl um rund 230 Prozent. Auch das wachsende Umweltbewußtsein trug dazu bei, daß das Energiesparen zu einem Thema wurde. Immer mehr Menschen waren sich darin einig, daß man mit dem kostbaren Gut Energie nicht mehr so gedankenlos umgehen konnte wie bisher.

Das Thema Energiesparen kletterte auf die oberen Plätze der politischen Agenda. Ergebnisse waren unter anderem die erste Wärmeschutz-Verordnung (1977), die Heizungsanlagen-Verordnung (1978) und die Kleinfeuerungsanlagen-Verordnung (1979). Der Griff zum Ordnungsrecht hat den Weg geebnet für die Entwicklung einer hochwertigen Heiztechnik. Die drei Verordnungen wurden mehrfach novelliert und garantieren einen technischen Mindeststandard in den Heizungskellern. Diesen Standard auch international durchzusetzen, ist eine Aufgabe für Politik und Wirtschaft.

Nachholbedarf gibt es auch bei der Nutzung der sogenannten Abfallwärme, die bei der Stromerzeugung und bei industriellen Prozessen entsteht. Diese Form der Energieverschwendung sollte durch stärkere Kraft-Wärme-Kopplung bei der Stromerzeugung sowie durch Fernwärme- und Nahwärme-Netze eingeschränkt werden.

Diskutiert werden muß auch, mit welchen Energieträgern wir heizen. Bislang dominieren die fossilen Energieträger. Die Vorräte an Kohle, Gas und Öl werden – den Energieverbrauch von heute zugrundegelegt – nur noch für wenige Generationen reichen. Deshalb werden die erneuerbaren Energieträger an Bedeutung gewinnen müssen. Beispiele dafür sind die Solarenergie und die Biomasse.

Für die Biomasse etwa bestehen gute Zukunftsaussichten. Der älteste Brennstoff der Menschheit ist das Holz. Wenn es aus einer nachhaltigen Forstwirtschaft stammt und in modernene Holzfeuerungsanlagen mit hohem Wirkungsgrad und niedrigem Schadstoffausstoß eingesetzt wird, kann es zur CO2-Verminderung und Ressourcenschonung beitragen. Unsere Nachbarn in Österreich und der Schweiz demonstrieren, daß man Holz in noch viel stärkerem Maße für Heizzwecke nutzen kann, als wir es bisher tun.

Als letzter Punkt bleibt noch das individuelle Heizverhalten anzusprechen. Ein Aspekt ist die Auswahl der oben erwähnten umweltgerechten Heiztechnik. Hier bietet das Umweltzeichen „Blauer Engel“ Orientierungshilfe. Allerdings ist auch der gezielte Griff an das Heizkörperventil wichtig, etwa um die Raumtemperatur dort zu senken, wo sie niedriger sein könnte. Damit lassen sich das Klima schützen und Ressourcen schonen – buchstäblich im Handumdrehen.

Andreas Troge

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