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Er trägt den Namen „RTS,S“ und

Er trägt den Namen „RTS,S“ und ist vielleicht der erste Malaria-Impfstoff, der jemals zugelassen wird – schon in fünf oder sechs Jahren, glaubt Jean Stéphenne, Präsident von GlaxoSmithKline Biologicals. Das Unternehmen will zusammen mit der gemeinnützigen Organisation „Malaria Vaccine Initiative“ (MVI) bald eine neue Großstudie mit dem Produkt in Afrika starten. Vor kurzem hat die Gates-Stiftung dafür weitere 107 Millionen Dollar genehmigt.

Eine zunächst sechs Monate laufende Studie in Mosambik zeigte: In der mit RTS,S geimpften Gruppe von Kindern reduzierten sich die Malaria-Fälle mit den typischen Krankheitssymptomen um etwa 30 Prozent – im Vergleich zu einer Kontrollgruppe mit Mädchen und Jungen, die ein Placebo bekommen hatten. Im mittlerweile eineinhalbjährigen Untersuchungszeitraum erkrankten zudem knapp 50 Prozent weniger Kinder an schwerer, lebensbedrohlicher Malaria. Die Daten zeigten, „dass ein Impfstoff möglich ist“, erklärt Studienleiter Pedro Alonso von der Universität Barcelona.

Die Vakzine enthält einen CSP genannten Eiweißstoff aus den „ Sporozoiten“ von Plasmodium, dem Entwicklungsstadium, in dem es von der Mücke auf den Menschen übertragen und in der Leber vermehrt wird. Die Immunantwort soll die Sporozoiten töten, bevor sie ihr erstes Opfer, die menschlichen Leberzellen, befallen können. Zweifellos ein „interessanter Impfstoff“, kommentiert Hermann Bujard von der Universität Heidelberg. Allerdings sei „ problematisch“, dass er nur teilweise wirke und auf das Leber-Stadium der Infektion abziele. Denn die Krankheitssymptome werden von den „Merozoiten“ ausgelöst, die zu Zehntausenden aus jeder infizierten Leberzelle schlüpfen (siehe Grafik auf Seite 30).

Bujard zielt mit einem eigenen Produkt auf das Blutstadium der Infektion. Seine Hoffnung: Die Kinder so weit zu schützen, dass sie schon im ersten statt im fünften Lebensjahr semi-immun gegen den Erreger werden. Dann erkranken die Mädchen und Jungen zwar noch, sterben aber nicht mehr an der Malaria. Die Ergebnisse der Labor- und Tierexperimente waren vielversprechend. Momentan laufen Vorbereitungen für erste klinische Studien am Menschen, die noch dieses Jahr starten sollen.

Rund 20 solcher „rekombinanter“ Impfstoffe mit Proteinen des Erregers werden derzeit in Labors oder klinischen Versuchen getestet. Eines allerdings scheint klar: Sie können nicht 80 oder 90 Prozent der Menschen vollständig vor der Infektion schützen, weil Teile eines Erregers nur bedingt wirken – anders als etwa ein Grippe-Impfstoff, der den gesamten abgetöteten Erreger enthält. „Da sieht es bei der Malaria ganz düster aus“, klagt Molekularbiologe Michael Lanzer von der Universität Heidelberg, obwohl seine Mitarbeiter zumindest bei Mäusen einen „ganz fantastischen“ Ansatz kreiert haben. Die Forscher um Kai Matuschewski haben den Parasiten abgeschwächt, indem sie ein bestimmtes Gen ausgeschaltet haben, das Plasmodium für die Entwicklung in der Leber braucht. Er befällt zwar noch das Organ, kann sich aber nicht vermehren. Impft man Mäuse mit den derart veränderten Erregern, reagiert ihr Immunsystem so stark, dass sie auch vor einer folgenden echten Infektion geschützt sind. Doch „ bis wir das am Menschen anwenden können, vergehen noch viele Jahre“, dämpft Lanzer überzogene Erwartungen.

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