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Er war das, was man heute einen

Er war das, was man heute einen Top-Unternehmer nennen würde: Karl August Lingner hatte ein untrügliches Gespür für seine Zeit und ihre Märkte, wusste das neue Kommunikationsmittel Reklame für seine Produkte virtuos einzusetzen und war ein Meister der Selbstinszenierung.

Lingner, der aus kleinen Verhältnissen stammte, begann sein Fabrikantendasein in einem Dresdner Hinterhof mit Senfpumpen und Rückenkratzern. Mit der Erfindung des Mundwassers Odol gelang ihm der Durchbruch. Der Vermarktung ließ der Unternehmer eine Reihe von Ausstellungen mit populärwissenschaftlichem Anspruch folgen, deren Höhepunkt die Hygiene-Ausstellung von 1911 mit 5,5 Millionen Besuchern war.

Kommerziell überaus erfolgreich bis in die jüngere Vergangenheit war die Gründung von Werkstätten für medizinische Lehrmittel, insbesondere das pathoplastische Institut (1907). Es produzierte serienweise Moulagen, Wachsmodelle von krankhaft veränderten Körperteilen und Organen, deren Formen vom Patienten abgenommen wurden, aber auch andere Lehrmittel wie Plakate, Lehrfilme oder Broschüren.

Der von Lingner vorangetriebene Bau eines „ National-Hygiene-Museums“ kam nicht mehr zustande. Er starb 1916. Erst 1930 konnte ein Neubau am jetzigen Standort fertig gestellt werden. Architekt war Wilhelm Kreis (1873 bis 1954), der das Gebäude im Stil der Neuen Sachlichkeit, aber mit klassizistischen Anklängen gestaltete. Kreis profilierte sich in den kommenden Jahren als prominenter Baumeister des Nationalsozialismus. Die Nazi-Diktatur stellte das Museum und seine Produktion in den Dienst ihrer Rassen-Ideologie und des Euthanasie-Programms sowie der „völkischen Gesundheitserziehung“.

1945 wurde das Museum bei der Bombardierung Dresdens zu 80 Prozent zerstört, aber schon 1946 wieder im Rohbau errichtet. Zwischen 1948 und 1959 entstanden 21 gläserne Frauen, zwölf Männer sowie Pferde und Kühe. 1990 wurde die Lehrmittelproduktion eingestellt. Nach der Wende bekam das Museum eine neue Leitung und ein neues Konzept, das sich in zahlreichen Sonderausstellungen niederschlug. Eine Gesamtsanierung des Baus begann 2000, sie soll in diesem Jahr abgeschlossen werden. Der erste Teil der Dauerausstellung wurde im April 2004 eröffnet, der zweite im Mai 2005.

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Träger des Museums ist eine Stiftung bürgerlichen Rechts mit Sitz in Dresden. Sie erhält zu gleichen Teilen jährliche Kostenbeiträge des Freistaates Sachsen und der Landeshauptstadt Dresden. Dazu kommen Zuwendungen von Unternehmen wie der DKV Deutsche Krankenversicherung und von Stiftungen.

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