Erschütternder Brief - wissenschaft.de
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Erschütternder Brief

Die Deutsche Post AG bespitzelt sich selbst: Briefe mit einem erschütterungsempfindlichen Sensor ermitteln Transportbewegungen und decken zu lange Ruhezeiten bei der Beförderung auf.

Von außen sieht der Brief ganz normal aus: Ein gewöhnlicher DIN C6-Umschlag, adressiert an irgendein deutsches Postamt. Doch der harmlose Brief hat es in sich: In ihm steckt ein hochempfindlicher Erschütterungsmelder, wie er auch in Erdbeben-Sensoren verwendet wird. Ob der Brief mit der Bahn, dem Postwagen oder im Flugzeug befördert oder vom Postboten ausgetragen wird – die Elektronik zeichnet alle Bewegungen auf.

Der Erschütterungsmelder registriert jede Bewegung auf eine halbe Minute genau – auch wenn der Brief irgendwo bewegungslos herumliegt, wird dies aufgezeichnet. Da der Beförderungsweg vom Absender zum Adressaten postintern bekannt ist, läßt sich genau analysieren, wo eine vermeidbare Verzögerung stattgefunden hat.

Der elektronische Meßbrief wurde ursprünglich von der Daimler-Benz-Tochter AEG-Electrocom konstruiert. Inzwischen sind auch ähnliche Geräte anderer Hersteller im Einsatz. Ausgewertet werden die aufgezeichneten Erschütterungen mit einem speziellen Computerprogramm, das den Speicherinhalt des Briefs liest und die Bewegungen nach ihrer Intensität über einer Zeitskala ausdruckt.

Ideal wäre natürlich eine ununterbrochene Bewegungskurve über den ganzen Beförderungsweg. Doch das läßt sich praktisch nicht erreichen, ebensowenig wie man Ruhezeiten in öffentlichen und privaten Briefkästen vermeiden kann. Und die Züge mit Postbeförderung verkehren auch nicht überallhin in ständiger Folge.

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Die Meßbriefe sollen der Deutschen Post AG helfen, ihren Ruf als „Schneckenpost“ loszu- werden. Denn inzwischen droht ihr nicht nur durch private Brief- und Paketdienste Konkurrenz, sondern auch von der ehemaligen Schwester, der Deutschen Telekom. Die bietet über das öffentliche Telefonnetz allen Computerbesitzern mit Modem einen Anschluß ans Internet oder an private Online-Dienste, wodurch sich elektronische Post in wenigen Minuten um den halben Erdball schicken läßt.

Doch immer noch gibt es viel zu wenige Computer mit Modems, um auch nur jeden zwanzigsten Bewohner der Bundesrepublik zu erreichen. Die Zukunft der Postdienste ist damit gesichert. Doch der Druck zur weiteren Beschleunigung der Nachrichtenwege im Zeitalter der Information wird immer stärker.

Hans Dieter Heck

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