Es kommt nicht nur auf die Behandlungsmethode - wissenschaft.de
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Es kommt nicht nur auf die Behandlungsmethode

Es kommt nicht nur auf die Behandlungsmethode an, auch der Therapeut ist entscheidend. Der Psychologie- Professor Lester Luborsky von der University of Pennsylvania verglich vor ein paar Jahren die Resultate der Behandlungen von 22 Therapeuten. Während es bei einigen hinterher 80 Prozent der drogenabhängigen oder depressiven Patienten besser ging, erzielten andere Therapeuten ziemlich verlässlich Verschlechterungen. Die angewandte Therapie war bei allen die gleiche.

Was unterscheidet gute und schlechte Therapeuten? Dieses Rätsel konnten die Forscher bisher nur teilweise lösen. Am besten wissen sie, worauf es nicht ankommt: Alter und Hautfarbe spielen keine Rolle. Die Vermutung, dass Frauen die besseren Therapeuten seien, ist nicht völlig ausgeräumt, aber besonders wichtig ist das Geschlecht nicht. Berufserfahrung hilft etwas, aber längst nicht so sehr, dass Psychologen mit grauen Bärten grundsätzlich Vertrauen verdienen würden.

Es gibt einige Hinweise, worauf es ankommt. So nützt es, wenn der Therapeut selbst psychisch robust ist. Das ist keine Selbstverständlichkeit – Psychotherapeuten stellen bis zu sieben Prozent der Klienten ihrer Kollegen.

Von Vorteil ist ein freundlicher, warmer Umgangston. Praktiker, die ihre Patienten gerne knallhart mit unangenehmen Wahrheiten konfrontieren, erhalten von der Therapieforschung schlechte Noten.

Offenbar hilft es auch, wenn der Therapeut in Maßen von sich und seinen Problemen erzählt. Das hatte Sigmund Freud strengstens verboten – der Psychoanalytiker sollte eine leere Leinwand sein, auf die der Patient seine Ideen projiziert. Neuere Forschungen widersprechen dieser Order. Wenn ein Patient etwa von Schwierigkeiten mit seiner Freundin erzählte, und der Therapeut gelegentlich von eigenem Liebeskummer berichtete, ging es den Patienten bei dieser Variante besser und sie fanden die Therapeuten sympathischer.

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Die Qualität der Beziehung zwischen Therapeut und Patient galt lange als das Herzstück jeder Behandlung und sollte bis zu 80 Prozent des Erfolgs ausmachen. Nach neuen Studien sind es weniger als 10 Prozent, so der emeritierte Psychologie-Professor Larry Beutler von der University of California in Santa Barbara.

Fazit für die Therapeutensuche: Der Kandidat sollte eine Therapie beherrschen, die bei der fraglichen Problematik nachweislich helfen kann. Im Übrigen kann man ihn getrost nach Sympathie und persönlichen Vorlieben aussuchen.

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