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Fokus Mann

Von Wechseljahren, Erektionshilfen, der Pille für „ihn“, Sterilisation, Penisverlängerung und der Suche nach dem Homosexualitäts-Gen.

Lieber Gummi als Stahl

Männer haben derzeit nur zwei Möglichkeiten, zur Empfängnisverhütung beizutragen. Das Kondom und die Sterilisation (Vasektomie). Etwa 70 Millionen Männer haben sich weltweit sterilisieren lassen, davon rund 25 Prozent aller Neuseeländer und 13 Prozent aller US-Amerikaner. Von den Chinesen sind es zwar nur vier Prozent, aber das sind immerhin 20 Millionen Männer. In Deutschland läßt sich lediglich einer von hundert sterilisieren.

Dafür wurden 1994 in der Bundesrepublik 181 Millionen Kondome verkauft, 100 Millionen mehr als noch zehn Jahre zuvor. Dr. Elisabeth Pott, Direktorin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung in Köln, lobt denn auch: „Man kann gar nicht genug betonen, daß gerade junge Männer zunehmend bereit sind, Verantwortung für die Verhütung zu übernehmen.“ Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts FORSA von 1994 schlagen immerhin 82 Prozent aller Männer am Beginn einer neuen Beziehung von sich aus vor, ein Kondom zu benutzen.

Rauchen macht schlapp

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„Herzinfarkt und Schwellkörper-Erkrankung haben viel gemeinsam“, meint Dr. Klaus- Peter Jünemann, Leitender Oberarzt der Urologischen Klinik in Mannheim. „Die vier großen Risikofaktoren sind: Cholesterin, Bluthochdruck, Rauchen und Diabetes.“

Zwischen fünf und sechs Millionen Männer in der BRD leiden an Erektionsstörungen. Patienten finden sich laut Jünemann besonders in zwei Altersgruppen: „Ein Gipfel liegt zwischen dem 35. und 40. Lebensjahr, darunter viele Diabetes- patienten. Der andere ist ab dem 52. Lebensjahr bis etwa Mitte 60. Danach wird das Problem weniger interessant.“

Bei den meisten organisch bedingten Erektionsproblemen gibt es heute medizinische Hilfestellung. Standard ist SKAT, die Schwellkörper-Autoinjektions-Therapie. Der Patient spritzt sich einen Cocktail aus Papaverin, Phentolamin und Prostaglandin in die Schwellkörper. Fünf bis zehn Minuten danach kommt es zur Erektion, die eine halbe Stunde anhalten kann. Einer der Entdecker des Verfahrens demonstrierte es 1983 in einem öffentlichen Selbstversuch auf der Tagung der amerikanischen Urologen in Las Vegas. Experimentiert wird derzeit mit neuen Salben. Mit einer Nitroglycerin-Creme lassen sich gute Erektionen erzielen, doch bekommen Mann wie Frau davon Kopfschmerzen.

Verlängerung ist „in“

In den USA ist derzeit die Penisverlängerung „in“. Bis zu 5000 Dollar lassen Männer sich die Stärkung ihres Selbstwertgefühls kosten. Fünf bis sechs Zentimeter sind drin, wenn die Muskeln des Halteapparates im Unterbauch durchtrennt werden. Nachteil: Der Penis wird zwar steif, verliert aber an Standfestigkeit.

Der Mannheimer Männerarzt Dr. Klaus-Peter Jünemann kritisiert den auch in Deutschland anlaufenden Boom zur Penisverlängerung: „Anatomisch ist die Operation meistens nicht begründet. Wer allerdings der Meinung ist, daß er ein zu kleines Glied hat, der bekommt durch die Werbung natürlich erst recht Versagensängste.“

Vielleicht fehlt es bei uns ja auch nur an einer definitiven Studie zur Frage: „Wie lang ist normal?“ In Südamerika wurde nach einer Vermessungsaktion mit Freiwilligen die Länge des erigierten Durchschnittspenis mit 15 Zentimetern angegeben. „Danach traten 95 Prozent der Männer, die vorher eine Verlängerung gewünscht hatten, von ihrem Begehr zurück“, berichtet Jünemann.

Die Pille für „ihn“

Auf drei Millionen Spermien je Milliliter Ejakulat haben die Entwickler der „Pille für den Mann“ die Zahl der Samen schon gedrückt. Das reicht aus, um eine Befruchtung etwa so effizient zu verhindern, wie es durch die Pille für die Frau erreicht wird. Dr. Herrmann M. Behre, Oberarzt des Instituts für Reproduktionsmedizin an der Universitätsklinik Münster, ist damit allerdings noch nicht zufrieden: „Wir wollen maximale Sicherheit und die lautet: Azoospermie – gar keine Spermien im Ejakulat.“ Das Ziel scheint inzwischen erreichbar.

Zur Zeit experimentiert Behre mit Testosteron-Estern, besonders wirksam ist Testosteron-Buciclat. In Studien zeigten immerhin 40 Prozent der Probanden bereits nach einer einzigen Injektion eine Azoospermie, die drei bis sechs Monate andauerte. Die Verhütungsspritze müßte also nur relativ selten gesetzt werden. „Was aussteht“, sagt Behre, „sind große Studien mit vielen Freiwilligen. Es laufen Verhandlungen zwischen der WHO, den National Institutes of Health (NIH) in den USA und Firmen, die sich beteiligen müßten.“ Sollte es schnell zu einer Einigung kommen, hält Behre es durchaus für möglich, daß es noch „gegen Ende des Jahrtausends“ ein marktreifes Präparat gibt.

Ein Wechsel mit den Jahren

Auch bei Männern läßt nach dem 40. Lebensjahr die Produktion von Sexualhormonen nach. Dann klagen auch sie häufiger über typische Beschwerden von Wechseljahren: Weniger Interesse an Sex, starkes Schwitzen, nachlassendes Gedächtnis. Ob der sinkende Testosteronspiegel allerdings in Zusammenhang damit steht und ob man überhaupt von Wechseljahren bei Männern sprechen kann, ist umstritten.

Prof. Walter Krause, Männerarzt (Androloge) an der Universität Marburg meint: „Zunehmende sexuelle Probleme im Alter lassen sich bei Männern im Gegensatz zu Frauen nicht von dem allgemeinen Nachlassen der Körperfunktionen abgrenzen. Daher kann man nicht von Wechseljahren reden.“

Eine Studie unter Leitung von Prof. Annette Degenhardt vom Institut für Psychologie der Universität Frankfurt ergab, daß unter älteren Männern gerade solche mit einem höheren Testosteronspiegel mehr über Beschwerden klagten. Ein scheinbarer Widerspruch, für den es aber eine Erklärung gibt. Degenhardt: „Die Menge des Testosterons könnte vor allem in jüngeren Jahren entscheidend dafür sein, welche Bedeutung ein Mann der Sexualität beimißt. Männer, für die Sexualität eine sehr wichtige Rolle spielt, werden in späteren Jahren das Nachlassen der sexuellen Funktion – ihre Wechseljahre – als besonders belastend erleben.“

Facharzt für Männer

Es gibt den Gynäkologen, doch bislang fehlt der Androloge als Facharzt. Männer müssen bei Problemen mit der Fortpflanzung zum Urologen, zum Psychologen, vielleicht zum Chirurgen (Bild oben: Zusammennähen durchtrennter Samenleiter). Deshalb gründeten Mediziner aus ganz Europa 1992 die Europäische Akademie für Andrologie (EAA).

Die Akademie verleiht Forschungsgruppen, an denen schon heute Standards zur Andrologie etabliert sind, das Zertifikat eines EAA-Zentrums. In Europa sind es derzeit sieben Zentren, zwei davon in Deutschland – das Institut für Reproduktionsmedizin an der Universität Münster und das Andrologiezentrum der Universität Gießen. Ärzte, die an diesen Zentren eine zweijährige Ausbildung inklusive Abschlußexamen absolvieren, dürfen sich „geprüfte Männerärzte“ nennen.

Sind die Gene schuld?

Als Ursache für männliche Homosexualität wurden schon die Erziehung, das soziale Umfeld oder ein psychologischer Schock diskutiert – und natürlich die Gene. Ausgerechnet auf dem von der Mutter geerbten X-Chromosom vermuten US-amerikanische Forscher ein oder gar mehrere Gene, die für die sexuelle Ausrichtung verantwortlich sein sollen. Doch die Arbeit des Teams um Dr. Dean Hamer von den National Institutes of Health in Betheshda, Maryland, ist nicht nur aufgrund methodischer Zweifel unter Beschuß geraten. Was soll das Wissen um genetische Faktoren für Homosexualität nützen, fragen sich viele.

Die Sorge ist groß, daß demnächst Eltern ihr ungeborenes Kind genetisch auf seine sexuelle Veranlagung testen lassen wollen – obwohl die Forscher selbst davor warnen: „Wir glauben, daß es unethisch wäre, solche Informationen dafür zu nutzen, die sexuelle Orientierung eines Menschen zu bestimmen oder gar zu verändern. Sei sie nun heterosexuell, homosexuell oder eine andere normale Äußerung menschlichen Verhaltens.“

Potenz-Prothesen

Wenn der Schwellkörper defekt ist, verhilft weder Papaverin-Spritze noch Nitro-Pflaster wieder zur Erektion. „Vergleichen sie den Schwellkörper mit einer Badewanne. Fehlt der Stöpsel, kriegen sie die auch nicht mehr voll“, sagt der Mannheimer Urologe Dr. Klaus-Peter Jünemann. Was bleibt, sind Penisprothesen.

Stäbe aus Kunststoff sind relativ billig, haben aber den Nachteil, daß sie, einmal implantiert, eine Art Dauererektion bedeuten. Der Patient kann je nach Bedarf die Prothese aufrichten oder in einem 45-Grad-Winkel abknicken. Besser sind Hydraulikprothesen. Über eine Pumpe, die in den Hodensack eingebaut wird, kann der Patient Flüssigkeit aus einem Reservoir in die Zylinder der Prothese einleiten. Ergebnis: „Je nach Ausmaß der Flüssigkeitsverschiebung kommt es zu einer nahezu natürlichen Längen- und Umfangszunahme des Penis.“ Nach Vollzug wird ein Ablaßventil betätigt, die Zylinder leeren sich.

Bernhard Epping

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