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Forscher im Garten Eden

Das Weizmann-Institut leistet mit einem winzigen Staatsetat Spitzenforschung. Vom harten Alltag abgeschirmt, fahren Wissenschaftler in einem Zentrum nahe Tel Aviv internationale Erfolge ein. Hier spiegeln sich Geschichte und Gegenwart eines kleineren Landes, das trotz einer Art permanentem Ausnahmezustand zur Spitze der High-Tech-Nationen vorgestoßen ist.

Der Fahrer, vom Feilschen verstimmt, schweigt hartnäckig. Das Taxi verläßt den Flughafen von Tel Aviv und schiebt sich durch Hitze, Getöse und Dieselschwaden in Richtung Süden.

Im üblichen Abendstau fließt der Verkehr zäh wie Sirup durch die Vorstadt. Wir rollen vorbei an brüchig wirkenden, scheinbar provisorisch über den Sandboden verstreuten Wohnwürfeln. Den Straßenrand säumen junge Soldaten, die mit umgehängten Maschinengewehren nach Hause trampen. Als die englischen Übersetzungen auf den Straßenschildern seltener werden, hat das Taxi Rehovot erreicht. Hinter einer Schranke mit drei Wachhabenden riecht es nach Orangen, zirpende Grillen ersetzen den Straßenlärm, und der Fahrer lächelt das erste Mal: „Das ist unser Weizmann-Institut“, sagt er stolz. Er rollt eine Allee mit riesigen Ficus-benjamini-Bäumen entlang, vorbei an englischem Rasen und gepflegten Gebäuden im Bauhaus-Stil. „Ist es nicht schön?“ Eine rhetorische Frage. In Israel ist der Elfenbeinturm offensichtlich ein Garten Eden.

Darin wandelt die Forscherelite eines Landes, in dem auf 10000 Bürger mehr als 130 Wissenschaftler und Ingenieure kommen – so viele wie nirgendwo sonst auf der Welt: In den USA sind es mehr als 70, in Deutschland um die 50. Und der Transfer in die industrielle Anwendung funktioniert.

Seit den achtziger Jahren haben sich die Industrie-Exporte des innen- und außenpolitisch heftig gebeutelten Kleinstaates, der mit rund sechs Millionen Menschen nur etwa über die Einwohnerzahl Hessens verfügt, glatt vervierfacht: Vor allem dank Elektronik, Kommunikations- und Medizintechnik stiegen sie im letzten Jahr auf 23 Milliarden Mark. Die zivilen Forschungsinvestitionen Israels, das sich in einer Art permanentem Ausnahmezustand befindet, liegen bei 2,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts – exakt auf deutschem Niveau.

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Gerade wegen der drängenden weltlichen Probleme hegen viele Juden seit jeher den festen Glauben an die zentrale Bedeutung herausragender Wissenschaft für ihren Staat. Schon Jahrzehnte vor dessen Gründung, die sich im Mai 1998 zum 50. Mal jährt, standen in der unwirtlichen, ressourcenarmen Einöde Palästinas drei Forschungsstätten – unter ihnen der Vorläufer des heutigen „Weizmann Institute of Science“, gegründet 1934 vom späteren ersten Staatspräsidenten Chaim Weizmann.

Die Eliteeinrichtung, aus der mit Ephraim Katzir noch ein weiterer Präsident hervorging, zählt zu ihren derzeit 2400 Mitarbeitern einige der hellsten Sterne am Himmel von Mathematik, Informatik, Physik, Elektronik, Gentechnik, Krebsforschung und Immunologie. Als Professoren haben sie im Garten Eden der israelischen Forschung keine Lehrverpflichtung. Ihr Dasein scheint so paradiesisch wie die üppigen Weizmann-Anlagen.

„Zu den Details kommen wir später“, sagt in akzentfreiem Deutsch Immunologie-Professor Israel Pecht – und steigt wegen des besseren Überblicks kurzerhand aufs Hochhaus-Dach. Ein entscheidendes Detail ist von dort aus heute nicht mehr zu sehen: Ein dichtes Blätterdach verbirgt inzwischen das ehemalige Daniel-Sieff-Institut, das der exzentrische Chaim Weizmann vor mehr als 60 Jahren „in einem Meer von Sand“ bauen ließ.

Weizmann wurde in Rußland geboren, studierte in Darmstadt und Berlin, promovierte in der Schweiz und ging als Professor zunächst nach Großbritannien. Der Chemiker war zentrale Figur der zionistischen Bewegung. Ihre Anhänger sahen in Palästina die Heimat des verstreuten jüdischen Volkes. Als Geschenk zum 70. Geburtstag bauten reiche Freunde seine Einrichtung zu einem interdisziplinären Forschungszentrum aus – nach dem Vorbild der Berliner Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft, aus der nach dem Zweiten Weltkrieg die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) entstand.

Erste vorsichtige Kontakte zwischen Weizmann- und Max-Planck-Forschern gingen denn auch der Aufnahme offizieller politischer Beziehungen viele Jahre voraus. Der gebürtige Wiener Israel Pecht reiste, als erster israelischer Postdoc überhaupt, schon 1967 für einen längeren Forschungsaufenthalt ins verfemte Deutschland, die Brutstätte des Holocaust. „Viele Freunde und Kollegen haben mich deswegen attakkiert“, erinnert er sich. „Im Rückblick bin ich aber stolz, bei den ersten gewesen zu sein.“ Deutschland ist heute in der Grundlagenforschung zweitwichtigster Kooperationspartner Israels.

Zwei Jahre arbeitete Pecht bei Nobelpreisträger Manfred Eigen am damaligen Max-Planck-Institut für Physikalische Chemie in Göttingen. Heute beschäftigt sich der Immunologe etwa mit den elementaren biophysikalischen Mechanismen in den Membranen von Mastzellen, die bei allergischen Reaktionen eine zentrale Rolle spielen. Seine Forschungsgruppe hat ein Protein entdeckt und entschlüsselt, das die Ausschüttung Allergie-auslösender Stoffe verhindern kann – und damit vielleicht einen Weg zu neuen Therapieformen eröffnet.

Wirtschaftlich verwertet hat Pecht seine Ergebnisse bisher nicht. Er betont aber: „Es gibt keine reine oder angewandte Forschung, nur gute oder schlechte“ – eine Art gemeinsames Glaubensbekenntnis vieler Weizmann-Wissenschaftler. Schon seit Ende der fünfziger Jahre kümmert sich die eigens gegründete Firma „Yeda Research and Development“ um die kommerzielle Verwertung von Rehovoter Forschungsergebnissen. Alle sechs Universitäten Israels haben dieses Modell übernommen – genauso wie die Ansiedelung eigener Industrie-Parks. Der zum Weizmann-Institut gehörende ist von Israel Pechts Dach aus gut zu sehen: Er liegt gleich hinter den verrottenden Zitrusplantagen, mit denen das Land der Jaffa-Orange in Deutschland häufig noch assoziiert wird.

„Viele gut ausgestattete deutsche Professoren können es sich leisten, auf den Kommerz herabzublicken“, sagt der Biochemiker und Yeda-Chef David Mirelman. „Aber das Weizmann-Institut erhält nur die Hälfte seines Budgets vom Staat. Also müssen sich alle Mitarbeiter um weitere Mittel bemühen und ihre Wissenschaft regelrecht vermarkten.“ Zu Yedas Zugpferden zählt ein revolutionäres Medikament: „Copolymer-1“ dämpft drastisch die Symptome der als unheilbar geltenden Multiplen Sklerose (MS). Die Substanz hat, im Gegensatz zu konkurrierenden Produkten, kaum Nebenwirkungen. Entwickelt haben die Wunderdroge der Immunologe und Ex-Weizmann-Präsident Michael Sela und seine Kolleginnen Ruth Arnon und Dvora Teitelbaum. Schon in den sechziger Jahren hatten sie als erste sogenannte künstliche Antigene zur Stimulation des Immunsystems vorgeschlagen, worauf heute viele Impfstoffe basieren.

Grob zehn Prozent des Weizmann-Etats – im Geschäftsjahr 1997/1998 sind das 310 Millionen Mark – stammen bereits aus solchen Quellen. „Bei 20 Prozent sehen wir eine sinnvolle Grenze“, sagt David Mirelman, der den nächsten Coup längst gelandet hat: die Einrichtung eines Risiko-Kapitalfonds durch eine Schweizer Investment-Firma. Dieser Fonds investiert exklusiv in Weizmann-Projekte – eine, so Mirelman, einzigartige Konstruktion.

Allerdings ist Israel, mit der nach den USA weltweit höchsten Zahl von Firmenneugründungen, unter Risikokapitalisten kein Geheimtip mehr. Waren 1990 nur zwei Fonds auf der Suche nach Anlagemöglichkeiten, sollen im letzten Jahr mindestens 70 schnellen Profit im Heiligen Land gesucht haben. Besonders die verwöhnten Anleger aus dem Silicon Valley lieben israelische High-Tech-Schmieden, deren Garagengeist an beste kalifornische Zeiten erinnert.

Auch die Deutschen sind schon da. Die Deutsche Telekom etwa hat gerade Anteile an „VocalTec“ erworben, Marktführer beim Telefonieren via Internet. Siemens kaufte „Ornet“ gleich ganz – und Orna Berry, ehemalige Chefin der jungen Netzwerk-Firma, bekleidet heute den Posten des mächtigen Chief Scientist im Industrieministerium (siehe Interview „Jeden Tag improvisieren“ auf Seite 46). Auch Weizmann-Wissenschaftler engagieren sich in Israels Vorzeigebranche. „Vier oder fünf meiner Kollegen haben wie ich eine Computer-Firma“, sagt David Harel von der Informatik-Fakultät. Lächelnd fügt er an: „Alle sind Millionäre, außer mir.“ Er untertreibt.

Harels Leidenschaft gilt eigentlich abgehobener Programmierlogik, Komplexitäts-, Automaten- oder Datenbanktheorie. Doch bekannt gemacht hat den Theoretiker seine praktische Seite. „Alles begann vor 15 Jahren mit einem Anruf von Israel Aircraft Industries“, erinnert er sich. Der Rüstungsriese entwickelte gerade den ersten israelischen Kampfjet „Lavi“ und hatte Probleme, das Verhalten einer so komplexen Maschine zu beschreiben – eindeutig, aber doch so eingängig, daß es alle Entwickler sofort verstanden. So schuf Harel eine revolutionäre Bildchen-Sprache, dank derer sich beliebige Abläufe – sei es im Innenleben einer Küchenmaschine oder eines Flugzeugs – trotz schlichter grafischer Symbole in mathematischer Strenge beschreiben lassen.

Heute verkauft die Firma „i-Logix“ mit Hauptsitz in den USA, an der Harel beteiligt ist, ihre Software für Systementwickler an große Hersteller von Flugzeugen, Autos, Zügen, Herzschrittmachern oder Handys. Die Entwicklung des Lavi, die Israel an den Rand des Ruins geführt haben soll, ist indes längst aufgegeben. Ironischerweise ist dem Einbruch in den israelischen Rüstungsanstrengungen Ende der achtziger Jahre, der Tausende hochqualifizierter Techniker arbeitslos machte, ein Gutteil des privatwirtschaftlichen High-Tech-Wunders der neunziger Jahre zu verdanken. Zusätzlich befeuert wurde es von mehr als 10000 Wissenschaftlern aus Rußland, die nach Öffnung der Grenzen ins Land strömten – und am allermeisten vom Friedensprozeß.

Auch Harels Kollege Amir Pnueli belegt die Gültigkeit des Rehovoter Glaubensbekenntnisses, wonach sich herausragende Forschung und Kommerz nicht ausschließen. Für „Scitex“, heute weltweit führend beim digitalen Farbdruck, ertüftelte er mit anderen Weizmann- Mathematikern jahrelang nach Feierabend die Computer-Algorithmen. Vor zwei Jahren erhielt er für Arbeiten über die Zuverlässigkeit komplexer Computersysteme den Turing-Preis: die höchste Auszeichnung der Computerwissenschaf-ten, vergleichbar einem Nobelpreis.

Ideen von Weizmann-Forscher Adi Shamir, der zur Weltspitze der Kryptologen zählt, bringen Yeda „den größten Einzelposten“ – die Zahl wird geheimgehalten – in der Bilanz: Ein Joint Venture mit Medienzar Rupert Murdoch beschäftigt sich mit dem Schutz kostenpflichtiger Satellitenprogramme vor Schwarzsehern.

In der Grundlagenforschung sind freilich selbst am rührigen Weizmann-Institut die Ausgaben höher als die Einnahmen. Eines der für israelische Verhältnisse besonders viel Geld verschlingenden Projekte drängt sich von Israel Pechts Hochhausdach aus sofort ins Blickfeld: 30 Millionen hat der weithin sichtbare verspiegelte Turm gekostet, der an die Startrampe eines Raumflughafens erinnert. In ihm wird die einzige natürliche Ressource erforscht, an der es Israel nicht mangelt: Sonnenlicht. Ein computergeführtes Spiegelfeld konzentriert gleißende Strahlen auf den Turm.

Doch immerhin bringen Weizmann-Forscher – zusammen mit israelischen Firmen und McDonnell Douglas Aerospace – viele der am Sonnenturm entwickelten Techniken in Richtung Marktreife. Im nächsten Jahr wird der 250-Kilowatt-Prototyp eines Solarkraftwerks fertig, das in seiner exportfähigen Endstufe einige zehn Megawatt und jenseits der Jahrtausendwende Milliardenumsätze bringen soll.

Ein entscheidendes Detail – zusammen mit einem neuen interdisziplinären Gehirnforschungszentrum das tiefste Millionengrab des Weizmann-Insituts – ist von Israel Pechts Dach aus dem Blick entzogen: In einen bewaldeten Hügel duckt sich das 1993 fertiggestellte, 32 Millionen Mark teure „Braun Center for Submicron Research“. Dort werden die verwirrenden Gesetze erforscht, nach denen Ströme fließen, wenn die immer kleineren Halbleiter-Strukturen der Mikrochips in Größenordnungen vordringen, wo Elektronen ihre Quanten-Eigenschaften offenbaren. „In wenigen Jahren haben wir es geschafft, uns einen Namen zu machen“, sagt Mordechai Heiblum und legt die Füße hoch. Dem lockeren ehemaligen IBM-Forscherstar wurde die mit ihren 30 Mitarbeitern vergleichsweise putzige Einrichtung auf den Leib geschneidert. Zur Zeit hält Heiblum den Weltrekord für die reinsten Gallium-Arsenid-Halbleiter.

Die am Braun-Center entwickelte, erheblich verfeinerte Halbleiterversion eines klassischen Quanten-Experiments (Doppelspalt-Versuch), bei dem die Koexistenz von Wellen- und Teilchen-Eigenschaften besonders deutlich zutage tritt, hat wegen ihrer diffizilen Sub-Mikrometer-Details noch niemand nachgemacht. Ein Bild des Experimentaufbaus hängt in Heiblums Büro.

Theoretiker Yoseph Imry, Mitbegründer der „Mesoskopischen Physik“, bei der es um die Grenzen zwischen klassischer und Quantenwelt geht, sitzt nur ein paar Flure entfernt von den konkreten Anwendungen seiner Berechnungen – und ist begeistert: „Für die Überprüfung unserer Theorien haben wir das beste Labor der Welt.“

Imry, auf dessen Vorschlag das Braun-Center zurückgeht, brauchte nur zwei Jahre, um das Weizmann-Institut vom Sinn der millionenschweren Investition zu überzeugen. Doch gewisse Einrichtungsdetails, auf die Imry Wert legte, wurden erst spät bewilligt: „Auf die Espresso-Maschine haben wir neun Jahre gewartet.“

Theoretische und Experimental-Physiker betreiben jetzt ihre Grundlagenforschung auch an der für die Kommunikation äußerst wichtigen Kaffeequelle. Neben ihr steht eine Kreidetafel, übersät mit Quanten-Formeln. „Korridor-Wissenschaft“ nennt der Physiko-Chemiker Ron Naaman die spezielle Atmosphäre am Weizmann-Institut. Wie viele andere kann er das Braun-Center problemlos für seine eigene Arbeit mit nutzen – die Entwicklung neuartiger, ultrasensitiver Bio-Detektoren aus organischen Molekülen, die an einen Halbleiter andocken.

„Wir versuchen, hier eine ganz spezielle Atmosphäre für die Wissenschaftler zu schaffen“, sagt Haim Harari, Präsident des Weizmann-Instituts. „Um in diesem Land herausragende Wissenschaft zu betreiben, ist unser Garten Eden unbedingt notwendig. Wir wollen, daß unsere Leute in einer Seifenblase leben, abgeschirmt vom israelischen Alltag.“ Kein Baum auf dem Campus darf ohne die persönliche Unterschrift des Präsidenten gefällt werden.

Am Donnerstagabend, als die Wissenschaftler ins jüdische Wochenende strömen, bleibt das Taxi nach Tel Aviv schon am Haupttor im Stau stecken. Die große Kreuzung vor dem Institut ist abgeriegelt: Ein verdächtiges Päckchen wurde gesichtet. Ein Bombenexperte im Schutzpanzer nähert sich, bringt einen Auslöser an und läuft weg.

Doch nichts passiert. Eine Sirene gibt Entwarnung. Eine Minute später herrscht wieder das übliche, jetzt fast demonstrative Gewimmel. Direkt vor dem Haupttor des Garten Eden, außerhalb der Seifenblase, ist israelischer Alltag.

High-Tech aus dem Brutkasten

Seit sich vor neun Jahren die Grenzen für sie öffneten, sind mehr als 800000 russische Juden nach Israel eingewandert. Darunter waren über 10000 Wissenschaftler und Ingenieure, die dem Siechtum der heimischen Forschung entkommen wollten. Längst nicht alle russischen Experten, die Israels Wissen-schaftlerquote um über 40 Prozent anhoben, konnten gleich integriert werden.

Die ausgefallenste Initiative, um das brachliegende Know-how nutzbar zu machen, sind 28 von Galiläa im Norden bis zur Wüstenstadt Sde Boker im Süden verstreute „Technologie-Inkubatoren“. Finanziert werden sie von Chief Scientist Orna Berry (siehe „Jeden Tag improvisieren“ auf Seite 46). Unter ihrem Schutz brüten arbeitslose Experten zwei Jahre lang mit knappem Darlehen in einer Probefirma an eigenen Produkten: Sie entwerfen Präzisionsinstrumente für den Maschinenbau, suchen neue Enzyme für die Biotechnologie und stellen leitfähigen, transparenten Kunststoff her. Oder sie entwickeln, wie jüngst ein über 80-jähriger, ein Verfahren zur Halbleiter-Reinigung.

Ein Inkubator-Direktor hilft bei Geschäftsverhandlungen und überwacht Budget, Marketing und Produktionsplan seiner Schützlinge. Vor der Berechtigung zum Brüten stehen erst einmal aufwendige Bewerbungsverfahren: Ehrenamtliche Komitees wählen aus Hunderten von Ideen eine Handvoll Projekte aus, denen sie später auch Beistand leisten.

Der Crash-Kurs in Kapitalismus ist sehr viel wirksamer als erhofft: Von inzwischen weit über 300 abgeschlossenen Projekten hat mehr als die Hälfte aus eigener Kraft überlebt. „Leute aus der ganzen Welt kommen, um unser System zu studieren“, sagt Rina Pridor, Manager des Programms.

Wissenschaft als Brücke zum Frieden

Es begann am Weizmann-Institut: Nach ersten Gesprächen besuchte 1959 eine Delegation der Max-Planck-Gesellschaft (MPG) die Wissenschafts-Hochburg Rehovot, geführt vom damaligen Präsidenten Otto Hahn – sechs Jahre vor der Aufnahme offizieller Beziehungen zwischen Deutschland und Israel. Heute ist die Bundesrepublik nach den USA in der Grundlagenforschung der wichtigste Kooperationspartner des kleinen Landes, für dessen Wissenschaft ausländische Mittel überlebenswichtig sind.

Die Minerva-Gesellschaft, eine MPG-Tochter, förderte zu Anfang Projekte mit dem Weizmann-Institut – und inzwischen knapp 50 Forschungszentren und Lehrstühle an allen israelischen Universitäten. Die laufenden Kosten werden aus den Erträgen des Kapitals gedeckt, das beide Partner zu gleichen Teilen in Israel anlegen. Außerdem vergibt Minerva Austausch-Stipendien an deutsche und israelische Postgraduierte.

Die gemeinsame German Israeli Foundation (GIF), erst 1986 gegründet, hat aus den Erträgen ihres Stiftungskapitals bereits fast 500 gemeinsame Forschungsprojekte finanziert. Außerdem kooperieren die beiden Wissenschaftsministerien bei der Projektförderung. Seit den siebziger Jahren ist so über eine halbe Milliarde Mark an Bundesmitteln in die fruchtbare Forschungskooperation geflossen. Sie hat abseits vieler wissenschaftlicher Erfolge einen Gutteil zur schwierigen Verständigung beider Länder beigetragen.

Dem Vernehmen nach vor allem dank deutscher Unterstützung wurde Israel, in der Aufbruchstimmung des frühen Friedensprozesses, als erstes nichteuropäisches, gleichberechtigtes Mitglied in das EU-Forschungsrahmenprogramm aufgenommen. Doch der Friedensprozeß ist seither ins Stocken geraten. Die gemeinsamen Projekte israelischer und arabischer Wissenschaftler, an denen sich teils auch Deutschland beteiligt, kommen oft nicht voran. Eine „atmosphärische Verschlechterung“ sei festzustellen, heißt es in einem regierungsinternen Papier.

Schon in ruhigeren Zeiten war etwa die Zusammenarbeit mit palästinensischen Wissenschaftlern, die immer wieder mit zeitweiliger Schließung der Grenzen oder ganzer Universitäten durch Israel zu kämpfen haben, stark belastet.

Jochen Wegner

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