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"Litterbase" - Müll im Fokus

Forscher widmen dem Meeresmüll ein Online-Portal

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Ein wachsendes Problem in den Meeren der Welt: Plastikmüll, Mikroplastik und in diesem Fall Fischereinetze. (Foto: Alfred-Wegener-Institut / Kathrin Brockmann)
Deutsche Meeresforscher haben erstmals alle publizierten Daten zum Thema Meeresmüll zusammengetragen und ausgewertet. Ihre Ergebnisse präsentieren sie nun in dem eigens eingerichteten Online-Portal „Litterbase“. Hauptbotschaft: Überall dümpelt der Müll.

Wo in den Meeren befindet sich Müll und welche Lebewesen sind betroffen? Viele Untersuchungen haben sich bereits mit diesen Fragen beschäftigt und auch einige weitere Informationsquellen bieten Hinweise über das Ausmaß und die Bedeutung dieser globalen Umweltgefahr. Den Wissenschaftlern des Alfred-Wegener-Instituts zufolge war es deshalb Zeit, die verfügbaren Informationen zu bündeln, auszuwerten und systematisch zu aktualisieren: Das Online-Portal AWI-Litterbase soll diesen Zweck nun erfüllen. Darin werden die Verteilung des Mülls und dessen Wechselwirkungen mit Organismen in globalen Karten dargestellt. Außerdem fließen die regelmäßig aktualisierten Datensätze in grafische Auswertungen ein.

Momentaner Stand: 1220 Arten betroffen

„In AWI-Litterbase haben wir erstmals alle im Zusammenhang mit Meeresmüll untersuchten Gruppen von Organismen gemeinsam analysiert und in einer Karte dargestellt“, sagt Melanie Bergmann vom AWI. Die aktuelle Analyse dokumentiert, dass besonders Seevögel und Fische vom Müll betroffen sind. Konkret zeigt sich: 34 Prozent der in den verschiedenen Studien untersuchten Organismen verzehren Müll, 31 Prozent der Arten besiedeln ihn, und 30 Prozent verstricken sich darin. Die Zahl der bekannten betroffenen Arten steigt ständig an und liegt momentan bei 1220, berichten die Wissenschaftler. Das ist mehr als doppelt so viel, wie die letzte Übersichts-Auswertung ergeben hat.

Das Online-Portal dokumentiert auch die enorme Verbreitung des Meeresmülls in den Ozeanen der Erde. „Die Karten zeigen, wo Wissenschaftler bereits Müll gefunden haben. Wichtig ist jedoch, dass man bei den freien Flächen nicht von unverschmutzten Regionen ausgehen kann, es sind vielmehr blinde Flecken“, betont Bergmann. Diese Information ist sehr wichtig um aufzuzeigen, wo noch erhöhter Forschungsbedarf besteht. So zeigt ein Blick auf die globale Karte, dass es zahlreiche Studien zum Mittelmeer gibt, die erkennen lassen, dass dies wohl eine der am stärksten vermüllten Regionen der Welt ist. Aus Afrika, den Gebieten der offenen Ozeane oder dem Toten Meer liegen hingegen bisher kaum oder gar keine Publikationen vor, so dass über die Vermüllung großer Bereiche der Ozeane bisher nur wenig bekannt ist.

Müll von Pol zu Pol

Wie die Forscher berichten, verstecken sich auch viele Informationen über Müll in Publikationen, in denen es eigentlich gar nicht um Müll geht, sondern beispielsweise um Korallengärten oder Fischerei. „Bei meinen Literatur-Recherchen für Litterbase stieß ich auf einen Fundus an alten Daten zu Müll in der Antarktis, welche die Antarktisvertrags-Staaten regelmäßig erhoben haben. Außerdem wurde bereits in den 1980er Jahren der Verzehr von Mikroplastik am Anfang der Nahrungskette bei verschiedenen Planktongruppen und Einzellern untersucht. Litterbase rückt also auch ‚altes‘, teilweise vergessenes Wissen wieder ins Licht“, sagt Bergmann.

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Das Online-Portal steht ab jetzt einem breiten Spektrum an Interessierten zur Verfügung: Behördenvertretern, Politikern, Journalisten oder Schülern und Lehrern. Die integrierten Analyse-Tools ermöglichen ihnen globale Schätzungen darüber, welche Tiergruppen besonders betroffen sind und wie sich der Müll in verschiedenen Lebensräumen zusammensetzt. Außerdem ist die verwendete wissenschaftliche Fachliteratur komplett verlinkt, so dass den Interessierten ein fundierter Einstieg in die weitere Recherche möglich ist.

Quelle: https://www.awi.de/

© natur.de – Martin Vieweg
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