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Frage 2: Wie weit kann man sich

Frage 2: Wie weit kann man sich auf die Ergebnisse von Tierversuchen verlassen?

An Tieren simulieren Forscher Funktionsweisen des menschlichen Körpers, seine Krankheiten und wie er auf Medikamente oder Gifte reagiert. Möglich ist das wegen der großen genetischen Verwandtschaft zwischen allen Wirbeltieren: Das Erbgut von Maus und Mensch unterscheidet sich nur um etwa 2,5 Prozent voneinander. Auch Nerven- und Hormonsysteme beider Säugerarten funktionieren sehr ähnlich. Deshalb spielen Mäuse selbst in der Hirnforschung eine bedeutende Rolle.

Dennoch können einzelne Stoffwechselwege und Reaktionen relativ nahe verwandter Säugetiere oder sogar verschiedener Zuchtlinien ein und derselben Tierart stark voneinander abweichen. Es ist nicht nur wichtig, ob ein Tier ein bestimmtes Gen hat, sondern auch ob und unter welchen Umständen es diese Erbinformation einsetzt. Da gibt es große Unterscheide. Die Aussagekraft von Tierversuchen hängt also sehr von der Auswahl der Zuchtlinien, der Haltung und der Ernährung der Versuchstiere ab. Deshalb gibt es dafür im Rahmen der Organisation für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD) seit Anfang der Achtzigerjahre Konventionen – wie die Good Laboratory Practice (GLP) –, die auf der Auswertung einer Vielzahl von Erfahrungen beruhen.

Auf diese Weise sind die Ergebnisse von Tierversuchen verschiedener Labors vergleichbar. Die Einhaltung dieser Richtlinien bei der Versuchsdurchführung bietet zudem den großen Vorteil, dass für die Zulassung in einem anderen OECD-Land keine weiteren Tests notwendig sind, weil dort die Ergebnisse anerkannt werden. Das spart nicht nur Kosten, es müssen auch weniger Tiere getötet werden.

Generell gilt die Aussagekraft von Tierversuchen als hoch – vor allem in der Grundlagenforschung. Darum werden sie weltweit von Wissenschaftlern eingesetzt und von Behörden zum Schutz von Verbrauchern und Umwelt vorgeschrieben. Allein Mäuse und Ratten liefern bei etwa 70 Prozent aller Fragestellungen auf den Menschen übertragbare Ergebnisse – bei der gewünschten Wirkung genauso wie bei den unerwünschten Nebenwirkungen. Ein Beispiel: Der Aspirin-Wirkstoff Acetylsalicylsäure lindert Schmerzen beim Menschen ebenso wie bei der Ratte. Gleichzeitig fördert er aber auch bei beiden die Blutungsneigung.

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Es gibt dennoch eine Reihe von Beispielen, die zeigen, dass selbst korrekt durchgeführte Tierversuche mitunter zu falschen Schlüssen verleiten oder bestimmte Fragen gar nicht klären können. So wurde das krebserregende Asbest unnötig spät verboten. Denn Ratten, die ansonsten als beinahe ideale Modelle für Giftempfindlichkeit und eine Vielzahl menschlicher Krankheiten gelten, erwiesen sich ausgerechnet Asbest gegenüber als ziemlich unempfindlich – und somit als ungeeignetes Modell. Da das Rattengenom inzwischen beinahe vollständig entschlüsselt ist, wissen die Forscher, dass Ratten und Mäuse über deutlich mehr Gene für die Entgiftung gefährlicher Substanzen verfügen als Menschen. Sonst könnten sie kaum in ihrer oft schmutzigen Umwelt überleben. „Stoffprüfungen an Mäusen und Ratten müssen berücksichtigen, dass diese Tiere manchmal über Entgiftungsmöglichkeiten verfügen, die uns Menschen fehlen“, sagt Martin Hrabé de Angelis, Leiter des Mäuselabors am GSF Forschungszentrum Neuherberg.

Völlig in der Sackgasse endete das Unterfangen, mithilfe von Experimenten an Tieren zu klären, ob das für die Herstellung von CDs und Dosen-Beschichtungen nötige Zwischenprodukt Bisphenol A wie ein Sexualhormon wirkt. Bei jeder Tierart gelangten die Forscher zu anderen Ergebnissen. Welche davon auf den Menschen übertragbar sind, konnte erst durch ein Experiment mit freiwilligen Versuchspersonen geklärt werden. Es zeigte sich, dass Menschen hier robuster als viele Tiere sind: Die menschliche Leber entgiftet das Bisphenol sehr schnell.

Unzufrieden mit den Giftigkeitstests an Tieren ist Thomas Hartung. Der Leiter der European Center for the Validation of Alternative Methods, das für die EU Alternativen zu Tierversuchen erforscht und beurteilt, bemängelt, dass viele der heute eingesetzen Tests auf „schlechter Wissenschaft“ beruhten: „ Contergan würde auch heute nicht durch die üblichen Tierversuche entdeckt.“

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