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Allgemein

Frage 4: Warum dauern Anerkennung

Frage 4: Warum dauern Anerkennung und Durchsetzung alternativer Verfahren so lange?

Bis jetzt wurden von der OECD erst acht tierversuchsfreie Verfahren zur Prüfung der akuten Toxizität von Stoffen offiziell anerkannt. Es handelt sich um die erwähnten Methoden Episkin und vergleichbare Tests, 3NRU sowie um Tests zur akuten Giftigkeit und Verfahren, die prüfen, wie gut Chemikalien über die Haut aufgenommen werden. Diese Testverfahren werden in der Industrie zum Teil bereits seit Jahren eingesetzt.

Bis die OECD die Verfahren als praktikabel anerkannte, dauerte es jedoch zum Teil anderthalb Jahrzehnte – zum Beispiel beim 3NRU-Test, und das, obwohl er erheblich zuverlässiger ist als die früher vorgesehenen Tierversuche. Zebet-Leiter Horst Spielmann: „ Zu den Zeitverzögerungen kam es, weil es zunächst noch nicht genug internationale Partner gab, um den Validierungsprozess korrekt durchführen zu können.“ Dieser besteht nach einer Anfang der Neunzigerjahre erzielten internationalen Übereinkunft aus insgesamt fünf Schritten:

• Der Entwicklung eines standardisierungsfähigen Testverfahrens.

• Dessen Überprüfung in Form von Blindversuchen durch unabhängige Labore (Prävalidierung).

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• Die eigentliche Validierung in Form streng kontrollierter internationaler Ringversuche unter „doppelt blinden“ Bedingungen. Dabei werden sowohl die Testsubstanzen als auch die Namen der beteiligten Labore verschlüsselt.

• Danach folgt die Auswertung durch unabhängige Experten und die Publikation der Ergebnisse in anerkannten Fachzeitschriften.

• Als letztes folgt die behördliche Anerkennung des neuen Tests durch seine Aufnahme in offizielle Prüfrichtlinien der OECD. Dadurch wird der bisherige Tierversuch nach geltendem EU-Recht hinfällig.

Auch wenn es inzwischen genügend Labore gibt, die für internationale Ringversuche in Frage kommen, können die Prozeduren im Einzelfall immer noch leicht ein ganzes Jahrzehnt in Anspruch nehmen. Thomas Hartung, Leiter der ECVAM, sieht zurzeit bei alternativen Testmethoden einen regelrechten „ Validierungsstau“. Nicht weniger als zwölf alternative Testverfahren, darunter der in Frage 3 erwähnte PyroCheck-Bluttest, warten auf ihre Zulassung. Thomas Hartung, der mit seinem Institut die Einführung von Alternativen vorantreibt, sieht allerdings im internationalen Kontext kaum Spielraum für eine Beschleunigung: „Die regulatorische Anerkennung ist ein Konsensprozess zwischen vielen Staaten. Außerdem ist die Sicherheitsprüfung zu Recht konservativ, da man nicht leichtfertig unseren hohen Standard gefährden möchte.“

Tierschützer argwöhnen dagegen, die aufwendigen Prozeduren dienten eher dazu, die Einführung von Alternativen zu verzögern. Außerdem stören sie sich daran, die neuen Methoden an den Ergebnissen von Tierversuchen eichen zu müssen, die keinem vergleichbaren Validierungsprozess unterworfen waren. „Die Qualität neuer Testsysteme wird an einer schlechten, veralteten Methode gemessen“, klagt die Veterinärmedizinerin Corina Gericke vom deutschen Bundesverband der Tierversuchsgegner. „Wir fordern stattdessen eine Eichung tierversuchsfreier Testmethoden an bekannten Daten aus der Humanmedizin.“ Vorbild dafür ist der 3NRU-Test. Er wurde mit Daten UV-Licht bestrahlter Menschenhaut validiert. Denn eine Studie der OECD hatte schon zu Beginn der Neunzigerjahre festgestellt, dass die Ergebnisse der üblichen Tierversuche viel zu ungenau waren: Sie ließen sich nur zu 40 Prozent auf Menschen übertragen.

In der Praxis werden die Forderungen der Tierversuchsgegner zum Teil erfüllt, denn vor allem EVCAM will seine Bewertungen auf ein möglichst hartes wissenschaftliches Fundament stellen. So werden bei den Validierungsverfahren auch Daten von Vergiftungen an Menschen hinzugezogen, zum Beispiel aus arbeitsmedizinischen Datenbanken.

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