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Frage 5: Warum lassen sich bestimmte

Frage 5: Warum lassen sich bestimmte Tierversuche bis heute nicht ersetzen?

Auch wenn tierfreie Testmethoden als Ergänzung und zum Teil auch als Totalersatz für Tierversuche an Bedeutung gewinnen, gibt es Fragestellungen, die bislang nur mit Tierversuchen geklärt werden können. Es sind all die Probleme, bei denen es nicht um eine allgemeine Giftigkeit oder die Wirkung auf einzelne Organe geht, sondern die den Körper als zusammenhängendes System betreffen. Zum Beispiel: Wird eine als harmlos erscheinende Substanz durch bislang unbekannte Substanzen im Körper zu einem Gift umgebaut, oder wird ein toxischer Stoff im Körper zerstört, bevor er Schaden anrichten kann?

Außerdem sind Tierversuche bei der Prüfung der chronischen Giftigkeit nur schwer ersetzbar. Diese Versuche sollen klären, welche langfristigen Folgen die ständige Zufuhr geringer Mengen von Stoffen wie Asbest oder Dioxin für den Körper hat. Um das zu erkennen, führt man Untersuchungen über 90 Tage durch. Bei Tests auf krebserregende Eigenschaften werden die Wirkstoffe zum Teil sogar über mehrere Jahre gegeben.

Das gilt besonders für die sexualhormonähnlichen Wirkungen von Chemikalien. Sie können dazu führen, dass Föten zu Zwittern heranreifen oder dass ihre Geschlechtsorgane kaum oder falsch ausgebildet werden.

Menschen und Tiere nehmen tagtäglich hormonell wirksame Stoffe über die Nahrung – zum Beispiel Gemüse – auf, ohne dass ihr hormonelles Gleichgewicht aus dem Lot gerät. Sie verfügen offenbar über Möglichkeiten, solche Substanzen zu neutralisieren. Deshalb sagt der Nachweis einer hormonellen Aktivität im Reagenzglas noch nichts über die Wirkung einer Substanz im Gesamtorganismus aus. Tierversuche sind für diese Fragestellungen aussagekräftiger, auch wenn sie nicht immer zum richtigen Ergebnis führen, wie man am Beispiel des Bispenol A (siehe Frage 2) feststellen musste.

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Auch Computersimulationen helfen da nur begrenzt weiter, denn grundsätzlich können diese, wie der zuständige Wissenschaftsausschuss CSTEE betont, immer nur bereits vorhandenes Wissen von den komplexen Wechselwirkungen zwischen Zellen, Geweben und Organen über Hormone, Nerven oder das Immunsystem berücksichtigen. „Dieses Wissen gleicht aber auf vielen Gebieten auch heute noch Inseln in einem Meer von Nichtwissen. Deshalb sind Überraschungen nie ausgeschlossen“, sagt Helmut Greim, Direktor des Instituts für Toxikologie und Umwelthygiene der TU München. EVCAM-Leiter Hartung: „Um aus Gründen der Haftung auf Nummer sicher zu gehen, zieht es deshalb die Industrie bis heute vor, neue Stoffe, wo immer möglich, an Tiermodellen zu testen, bevor sie diese auf die Menschheit loslässt.“

Harald Enzmann vom Deutschen Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte in Bonn warnt: „Wird bei unbekannten Substanzen versucht, auf die Untersuchung des Gesamtorganismus zu verzichten, ist absehbar, dass schädigende Wirkungen übersehen werden. Deshalb wird es so bald wohl keinen internationalen Konsens über den vollständigen Ersatz vorgeschriebener Tierversuche geben.“

Alles in allem werden Tierversuche trotz aller Probleme wohl noch lange eine Art „Goldstandard“ bei der Entwicklung und Sicherheitsprüfung von Arzneimitteln und anderen Stoffen bleiben, da die Erforschung von Alternativen nicht nur viel Zeit und Geld in Anspruch nimmt, sondern in manchen Anwendungsbereichen grundsätzlich als wenig aussichtsreich erscheint. Außerdem gibt es seit einigen Jahren neue Möglichkeiten in der Grundlagenforschung, völlig neue Erkenntnisse aus Tierversuchen zu gewinnen. Darum geht es in der nächsten Frage.

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