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Allgemein

Frauen machen für den Mars mobil

Junge Wissenschaftlerinnen erobern mit den planetaren Erkundungssonden Deep Space 2 neues Techno-Terrain – und eine Männer-Domäne.

Ein Flugkörper von der Größe einer Grapefruit soll mit 200 Metern pro Sekunde auf dem Planeten Mars aufschlagen, den Crash überstehen, aus einem Meter Tiefe eine Bodenprobe ziehen und nach Wasser suchen. „Mission impossible“? Nicht für NASA-Projekt-Managerin Sarah Gavit. Zusammen mit Chef-Ingenieurin Kari Lewis und Wissenschaftsleiterin Suzanne Smrekar ist sie verantwortlich für Deep Space 2: Am 3. Dezember werden zwei kleine Sonden im Sturzflug auf den Südpol des roten Planeten fallen. Sie sollen klären, ob der Mars unter seiner Oberfläche Wasser birgt. Bis dato befinden sich die High-Tech-Kugeln an Bord eines Raumschiffs namens Mars Polander. Noch nie zuvor in der Geschichte der amerikanischen Weltraumbehörde wurden alle drei Top-Positionen einer Raumfahrtmission an Frauen vergeben. Lange Zeit rekrutierte die NASA ihr Personal hauptsächlich nach den Kriterien „männlich, weiß, mit Militär-Laufbahn“. Erst seit 1978 sind Frauen für das Astronautenprogramm zugelassen. „Für dieses neue Projekt bei den Mars-Missionen wollte die NASA wohl Leute ohne antiquierte Denkweise“, kommentiert die 37jährige Gavit und weist darauf hin, daß die meisten Techniken für die Deep-Space-Kugeln neu entwickelt werden mußten. Die drei jungen Frauen – Smrekar ist ebenfalls 37, Lewis 25 Jahre alt – hatten nichts zu verlieren.

Rund zwei Jahre brauchte ihr 50köpfiges Team am Jet Propulsion Laboratory in Pasadena/Kalifornien für die Entwicklung der zwei Super-Sonden. Ihr Herzstück ist die Technik für das Wasserexperiment. „Sobald sich die Kugeln in den Marsboden gebombt haben, fährt automatisch ein kleiner Bohrer aus, der sich in die umgebenden Erdschichten drillt“, erklärt Ingenieurin Gavit. Das Material, das er dabei gewinnt, fällt in einen kleinen Becher unter dem Bohrer. Sobald er gefüllt ist, wird er zurück in die Sonde gefahren und erhitzt. Befindet sich Wasser in der Probe – egal, ob flüssig oder fest -, steigt es als Dampf auf und wird in eine kleine Kammer durch einen Laserstrahl geleitet. „Registrieren unsere Sensoren eine Schwächung des Laserlichts, ist dies der Beweis“, erklärt Gavit: „Es gibt Wasser auf dem Mars.“ Außerdem enthalten die Kugeln Temperaturfühler und Sensoren, von denen sich die Wissenschaftlerinnen Auskunft über die Mars-Atmosphäre und die Bodenschichtung versprechen. Daß die Geräte den Crash überstehen, dafür sorgt ein dicker Stahlmantel. Außerdem sind alle Geräte mit eigens für diese Mission entwickelten Plastikdrähten verbunden, die nicht brechen können. Sie sind so fein, daß man sie mit dem bloßen Auge kaum erkennen kann. Bewährt haben sich die je 2,2 Kilogramm schweren Techno-Grapefruits bei Abwürfen aus mehreren tausend Meter Höhe über der kalifornischen Mojave-Wüste. Nun wird sich zeigen, ob die Sonden auch dem Marsboden gewachsen sind. Während der Miniroboter Pathfinder im Juli 1997 über eine Steinlandschaft rollte, erwartet Gavit in der Südpolregion eine etwas weichere Oberfläche, möglicherweise Eis oder Sanddünen. Aber selbst wenn die Sonden auf einem Felsen zerplatzen sollten, werden Gavits Grapefruits doch fruchtbar gewesen sein: Ihre Technik steckt bereits in kleinen Robotern, die im nächsten Jahr zum Mars folgen werden.

Frauen

Von den rund 18000 Beschäftigten der NASA sind 6000 Frauen, 4000 davon arbeiten in der Verwaltung. Etwa 16 Prozent der wissenschaftlichen Positionen sind von Frauen besetzt. Unter den 119 Astronauten der NASA sind 29 Frauen.

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Mars-Missionen

Seit 1993 steht neben der International Space Station (ISS) der Mars im Mittelpunkt der NASA-Raumfahrtprogramme. Die Behörde investierte bisher rund zwei Milliarden Dollar für seine Erkundung. Nach Global Surveyor (1996), Pathfinder (1997) und Climate Orbiter (1999) folgte nun Mars Polander mit Deep Space 2. In den nächsten zehn Jahren will die NASA alle 26 Monate einen Roboter zum Mars schicken. Für das Jahr 2020 sind bemannte Flüge geplant.

Wasser

Ob es Wasser auf dem Mars gibt, ist für Wissenschaftler die Kernfrage der gegenwärtigen Missionen. Sollte Deep Space 2 unterirdisch auf Wasser stoßen, so wäre es theoretisch möglich, doch noch Leben auf dem Mars zu finden – wenn auch vielleicht nur in Form einfacher Mikroorganismen.

Infos im Internet

www.nasa.gov/women nmp.jpl.nasa.gov/ds2/ www.exploringmars.org

Désirée Karge

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