Für Innovation – gegen Stillstand: „Wissenschaft gegen Zukunftsangst" von Hubert Markl - wissenschaft.de
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Für Innovation – gegen Stillstand: „Wissenschaft gegen Zukunftsangst“ von Hubert Markl

Für Innovation – gegen Stillstand Hubert Markl, Präsident der Max-Planck-Gesellschaft, hat ein Buch über die Chancen geschrieben, mit Hilfe der Wissenschaft die Angst vor der Zukunft zu bewältigen.

Zukunftsangst ist etwas typisch menschliches. Kein anderes Lebewesen kann die Zukunft wahrnehmen – wie könnte es dann vor ihr Angst haben? Hubert Markl würdigt zunächst einmal diese Angst als unentbehrlichen Antrieb, um Gefahren früh zu erkennen. Danach erst kritisiert er sie und ihre Exzesse sehr rational. Das ist auch nötig – denn schließlich bietet Markl die Rationalität der Wissenschaft als Mittel an, mit der Angst umzugehen.

„Wissenschaft gegen Zukunftsangst – wenn das nicht der Leitspruch der letzten beiden Jahrhunderte hätte werden können!“ schreibt Markl. Vorsichtig bricht er seinen Optimismus: „Der Fortschritt der Wissenschaften, der uns aus dem Chaos unvorhersagbarer Zukunft, die der Willkür der Götter anheimgegeben war, zu befreien vermeinte, führt uns … in eine Weltsicht, in der die Unvorhersagbarkeit chaotischer Entwicklungen hochkomplexer, nichtlinear-dynamischer, global vernetzter Systeme herrscht – diesmal allerdings schön streng wissenschaftlich bewiesen.“ Keine einfache Sprache, aber immer wieder wohltuend differenziert.

In gleicher Art differenziert, originell, erhellend schreibt Markl über die großen ökologischen Probleme – Weltbevölkerung, Welternährung, Energie, Artenvielfalt – sowie über Macht, Politik und Verantwortung des Wissenschaftlers.

Besonders gut gefallen hat mir die Behandlung der „sieben Versuchungen“ der Wissenschaft, zu denen auch die „objektivistische“ gehört – wenn etwa die Schmerzempfindung von Tieren geleugnet wird, nur weil wir sie nicht objektiv benennen können. An wenigen Stellen geht allerdings die Lobby-Mission für die Wissenschaft mit Markl durch. Etwa wenn er schreibt: „Wissenschaftliche Eliten haben keine Zukunft … wenn sie es nicht vermögen, die breite Bevölkerung, die Nichtwissenschaftler, davon zu überzeugen, daß diese die Wissenschaftler braucht.“

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Wo wir schon bei der Kritik sind: Markls dutzendfaches Plädoyer für rasche technische Innovation, für innovationsorientierte Bildung und gegen den angstbesetzten Stillstand scheint mir denn doch etwas zeitgeistgetränkt. Wobei Markl den Zeitgeist auch beim Namen nennt: die globalisierte Wirtschaft, die den Schnellen belohnt und den Langsamen bestraft, auch dort, wo Langsamkeit human und Geschwindigkeit zerstörerisch ist.

Obwohl das Buch 16 Vorträge Markls aus den letzten sechs Jahren zusammenfaßt, ist es ein Ganzes. Vier Abschnitte über Evolution, Umwelt, Wissenschaft und schließlich das Wissen in der modernen Welt schaffen eine logische Gliederung für die jeweils abgeschlossenen und buchmäßig redigierten Vortragstexte. Wer den Willen hat, sich dem Beschleunigungsdruck der globalen Wirtschaft für vielleicht zwei Tage zu entziehen, um dieses Buch zu lesen, wird reichlich belohnt.

Hubert Markl WISSENSCHAFT GEGEN ZUKUNFTSANGST Hanser Verlag München 1998 358 S., DM 45,-

Ernst Ulrich von Weizsäcker / Hubert Markl

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