Garaus für Gutenberg – Rocket eBook - wissenschaft.de
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Garaus für Gutenberg – Rocket eBook

und funktioniert’s?

3500 v. Chr.: Sumerische Tontafeln; 1456: Gutenberg; 1998: Rocket eBook System. In Ihrer Pressemeldung zur Geschichte von Schrift und Druck lassen die kalifornische Firma NuvoMedia und ihr deutscher Partner Bertelsmann keinen Zweifel, worum es bei der Einführung von Rocket eBook geht: um das Ende des Buchdrucks und um einen Platz in den Annalen der Menschheitsgeschichte. Das erste elektronische Buch, vor anderthalb Jahren angekündigt und nun endlich lieferbar, ist tatsächlich eine kleine Revolution: Rocket eBook hat das Format eines Taschenbuches, wiegt mit 627 Gramm zwar deutlich mehr, faßt dafür aber 4000 Seiten – genug für das Urlaubspensum eines hungrigen Bücherwurms. Die Technik ist wenig aufregend, aber zweckmäßig: Der beleuchtete LCD-Bildschirm läßt sich auf verschiedene Schriftarten und -größen umschalten, der Text ist für Linkshänder um 180 Grad drehbar oder um 90 Grad für Querformat. Zum Blättern gibt es am Rand zwei Pfeiltasten. Für weitere Funktionen tippt man mit einem Stift oder dem Finger auf die Bildschirmoberfläche. Ein Menü mit den geladenen Büchern gibt es und zahlreiche Möglichkeiten, um in längeren Texten zu navigieren. Hyperlinks wie im Internet führen einen ohne Blättern in ein anderes Kapitel. Eher ein Gimmick: Der Audio-Player, der Klänge in Sprachqualität wiedergibt. „Aber Eselsohren und Unterstreichungen kann man nicht machen“, werden Kritiker sagen. Doch, man kann: Einfach den entsprechenden Menüpunkt aufrufen und mit dem Stift die Textpassage antippen. Die Umsetzung ist gut gelungen. Besonders gefallen hat mir der beleuchtete Bildschirm: Damit läßt sich auch ohne Taschenlampe bequem unter der Bettdecke lesen, und auch sonst ist das Display gut. Selbst nach zwei Stunden Schmökern habe ich keine Ermüdungserscheinungen bemerkt. Nur bei hellem Sonnenlicht macht die spiegelnde Oberfläche Mühe, da ist mattes Papier im Vorteil. Werden Rocket eBook und die anderen elektronischen Bücher, die in Zukunft auf den Markt kommen, das gedruckte Buch verdrängen? Obwohl ich den Aufschrei förmlich hören kann („Diese Barbaren!“), bin ich der Meinung: Ja – vielleicht nicht bald, aber irgendwann. Die Möglichkeiten sind einfach vielfältiger und die wachsende Zahl von Menschen, die mit dem Internet vertraut sind, werden diesen Komfort auch beim Lesen nicht mehr missen wollen. Außerdem: Literatur aus Bits und Bytes verbraucht kein Papier und erzeugt keine unnötigen Druck- und Lagerkosten – ein Beitrag zum Umweltschutz. Meine Kollegin Uta Altmann, bei bdw für die Buchbesprechungen zuständig, hat allerdings ein gewichtiges Gegenargument: „Das riecht nicht wie ein Buch, also ist es auch kein Buch!“ Und da muß ich ihr recht geben.

Der Preis

Die englische Version von Rocket eBook kann man über die deutsche Internetseite www.rocket-ebook.de bestellen. Auf der Web-Seite gibt es die deutsche Software gratis. Die Grundversion mit 4 Megabyte Speicher (reicht für etwa 4000 Textseiten) kostet 199 Dollar, die Pro-Version mit 16 Megabyte 269 Dollar. Deutsche Preise und Bezugsquellen standen zum Redaktionsschluß noch nicht fest.

Der Lesestoff

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Es gibt zwei Möglichkeiten, um Lesefutter für Rocket eBook zu beschaffen. Erstens: Man richtet beim Internetbuchhandel www.bol.de, einer Bertelsmann-Tochter, ein Konto ein, und kann Bücher gegen einen Obolus herunterladen. Um Raubkopien zu verhindern, muß sich der Käufer über ein Paßwort identifizieren. Das Werk wird direkt vom Internet über den PC ins Rocket eBook geladen, und ist dann auch nur in diesem Gerät nutzbar. Damit wird das Copyright zu Lasten des Lesers verschärft: Kopieren und Scannen der Texte ist nicht einmal zum eigenen Gebrauch möglich. Zweitens: Kostenlosen Lesestoff gibt es unter www.gutenberg. aol.de, wo jede Menge deutsche Klassiker und Weltliteratur angeboten werden – von Aesop über Goethe und Shakespeare bis Karl May. Einige wenige sind bereits im Rocket-eBook-Format, alle anderen kann man am PC konvertieren, wo sich alle Bücher zum Beispiel thematisch archivieren lassen.

Die Technik

Mitgeliefert wird eine Ablageschale, die über ein Netzteil die Batterie des Rocket eBook lädt und gleichzeitig die Verbindung zum PC (Windows 95/Mac-Software im Internet erhältlich) herstellt. Achtung: Die Verbindung geschieht über die serielle Schnittstelle (für Fachleute: COM-Port), beim Herunterladen von Büchern aus dem Internet belegt das Modem gleichzeitig(!) die zweite serielle Schnittstelle. Mit Hintergrundbeleuchtung hält der Akku maximal 20 Stunden.

Die Konkurrenz

Weitere elektronische Bücher gibt es bereits in den USA beziehungsweise sollen demnächst auf den Markt kommen. Infos im Internet: Softbook www.softbook.com Everybook www.everybk.com

Bernd Müller

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