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Allgemein

Geld auf dem Müll

Wohin mit Milliarden D-Mark-Scheinen, wenn der Euro kommt? Eine norddeutsche Firma will die Banknoten einfach kompostieren.

60 Millionen Mark in klein geschnipselten Scheinen hat die Landeszentralbank Oldenburg bereits nach Ganderkesee bei Bremen geschickt. Dort wird aus dem Geld Gartendünger.

Bislang wurden Geldscheine, die beschädigt oder abgegriffen waren, zuerst zerkleinert und dann deponiert oder verbrannt. Zwar war bekannt, daß sich das Papiergeld grundsätzlich für die Kompostierung eignet: Zellulose, sein Hauptbestandteil, stammt aus gewöhnlichem Holz, die verwendeten Farbstoffe sind nicht umweltschädlich und Aluminiumverbindungen aus den Metallstreifen kommen auch natürlicherweise im Boden vor – zum Beispiel in Tonmineralien. Doch die Geldscheine sind mit Leinöl und Wachs imprägniert, damit sie griffest werden. Deshalb weisen sie zum Beispiel Wasser ab: „Ein 20-Mark Schein, der in der Hosentasche vergessen wurde, soll sich beim Waschen nicht auflösen wie ein Taschentuch“, erklärt Dr. Gustav Henke, Sprecher der Ganderkeseer Firma Umweltschutz Nord.

In den Rottetunneln des Unternehmens stellte sich jetzt heraus, daß die Geldscheine trotz ihrer Imprägnierung dem Appetit der Bodenbakterien nicht lange widerstehen. Mischt man die kleingeschnipselten Scheine mit einem Anteil von zehn Prozent unter Biomüll und Gärtnereiabfall, sind sie nach der Rotte nicht mehr von ehemaligen Eierschalen oder Schnittblumen zu unterscheiden.

Der Müll wird in den Rottetunneln ständig gewendet, die Luft immer wieder ausgetauscht. In relativ saurem Millieu, bei hohen Temperaturen und 100 Prozent Luftfeuchtigkeit zersetzen Bodenbakterien den Müll zu Frischkompost. Nach acht Wochen Nachrotte ist er zu verkaufsfähigem Gartendünger geworden. Die ausrangierten Banknoten sind nicht der erste ungewöhnliche Abfall, den Umweltschutz Nord kompostiert: Auch Flaschenetiketten, Jutesäcke, und Linoleumreste werden unter den Biomüll gemischt. Die Flaschenetiketten beispielsweise wurden früher zu Altpapier verarbeitet. Doch da sie winzige Glassplitter und einen hartnäckigen Klebstoff enthalten, genügen sie den gestiegenen Ansprüchen der Papierindustrie nicht mehr. Für den Kompost ist Glas kein Problem: Chemisch gesehen ist es nichts anderes als Quarzsand. Fertiger Kompost besteht ohnehin nur zur Hälfte aus organischem Material – der Rest sind Mineralien.

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Wenn im Jahr 2002 der Euro eingeführt wird, werden 2,6 Milliarden Geldscheine aussortiert. Umweltschutz Nord hofft, dann Milliarden D-Mark kompostieren zu können – und damit Tausende Euro zu verdienen.

Ute Kehse

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