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Allgemein

Gott, die Welt und eine Frau

Mit jeder neuen Entdeckung entzaubern die Naturwissenschaften religiös geprägte Vorstellungen vom Werden der Welt ein Stück mehr. Ob es sich um das Entstehen des Universums handelt, die Entwicklung des Lebens oder den ersten Menschen – naturwissenschaftliche Erkenntnisse haben der religiös bestimmten Apodiktik des Seins in den letzten Jahrzehnten zugesetzt. Was der Kirche jahrhundertelang als unumstößlich und unangreifbar galt, relativieren deren Vertreter heute: Die biblische Geschichte gilt auch ihnen inzwischen mehr als historisierende Erzählung denn als Maß aller Dinge. Die moderne Wissenschaft hat einen Gutteil dazu beigetragen, daß den Amtskirchen im christlichen Abendland die Mitglieder davonlaufen. Zum Ende des zweiten nachchristlichen Jahrtausends präsentieren wir die Diskussion, die das gegenwärtige Verhältnis zwischen Wissenschaft und Religion offenbart, als Titelthema von bild der wissenschaft (Seite 40 bis 54). Ich bin mir sicher: Sie ziehen daraus Ihre eigenen Schlüsse. Die entscheiden-de Frage – Gibt es Gott? – müssen Sie ohnehin ganz für sich allein beantworten. Was in den sechziger Jahren vielen Deutschen das Schnitzel war, ist ihnen heute der Lachs: Lukullisches Symbol für das, was man sich gönnt. Bei keiner Festivität darf der Raubfisch fehlen. Und wo man auch ißt, stets finden seine Häppchen höchsten Zuspruch und werden als erstes leergeräumt von Tellern und Platten. Bei soviel Nachfrage liegt es auf der Hand, Lachse agroindustriell zu produzieren. Innerhalb eines Jahrzehnts steigerten Zuchtanlagen ihren Ausstoß um 700 Prozent. „In artfremder Umgebung drangvoll zusammengepfercht, soll der Fisch möglichst schnell Fett ansetzen“, schreibt bdw-Redakteur Jürgen Nakott in seinem Lachs-Report (ab Seite 14). Das Ergebnis: Die Fische nahmen in dem Maße an Konsistenz ab, wie sie an tranigem Geschmack zulegten. Jetzt sollen artgerechtere Zuchtmethoden dem Lachs wieder zu Geschmack verhelfen. Freilich: Solche Fische sind etwa doppelt so teuer wie die aus Zuchtbatterien. Doch wer einmal den Unterschied geschmeckt hat, merkt sofort, wenn er Lachs aus der Massentierhaltung auf der Gabel hat. Die bevorstehenden Feiertage bieten reichlich Gelegenheit, diese These zu verifizieren.

Ein Knüller ist das Resultat der bdw-Umfrage nach dem deutschen Naturwissenschaftler des Jahrzehnts. Auf Platz eins setzten die von uns befragten Wissenschaftsjournalisten Prof. Christiane Nüsslein-Volhard. Eine Frau brilliert damit in einem Umfeld, in dem in Deutschland ansonsten fast nur Männer das Sagen haben. Herzlichen Glückwunsch nach Tübingen, wo Frau Nüsslein (wie sie sich nennt) am Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie seit Jahren wissenschaftlich hervorragende Arbeiten abliefert. Seit dem Nobelpreis hört „Mann“ auf sie auch dann, wenn sie sich zum Thema Frauenförderung in den Naturwissenschaften zu Wort meldet. Zu Beginn unserer Aktion (nach den ersten 30 Antworten) lag Prof. Nüsslein-Volhard noch auf dem achten Platz. Dann verzeichnete unsere Redaktionsassistentin Sonja Pirkwieser (Bild) eine unaufhaltsame Aufholjagd. Als uns am Stichtag, dem 1. Oktober 1999, der letzte von 124 Wissenschaftsjournalisten antwortete, vereinigte Christiane Nüsslein-Volhard mehr Stimmen auf sich als der Zweit- und Drittplazierte zusammen. Was uns bei bild der wissenschaft am Umfrageresultat auch noch freut: Unter den sechs Bestplazierten sind drei Wissenschaftliche Beiräte unseres Magazins. Und das, obwohl bdw-Redakteure nicht mitstimmen durften. Alles über die Wahl lesen Sie auf den Seiten 74/75.

Wolfgang Hess

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Dip|tam  〈m. 6; unz.; Bot.〉 auf Kalkboden wachsendes, bis 1 m hohes Rautengewächs: Dictamnus albus; Sy Diktam … mehr

♦ As|tro|gno|sie  auch:  As|trog|no|sie  〈f. 19〉 Beschreibung der Sternbilder u. des Sternhimmels … mehr

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