Grüne Baumwolle - wissenschaft.de
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Grüne Baumwolle

In der flimmernden Hitze des Rio-Grande-Tals in Südtexas saugen Mähdrescher Wattebäusche von Büschen: reife Samenkapseln der Baumwolle. Es ist die erste – und sehr umstrittene – Ernte eines gentechnisch veränderten Produkts.

Trotz Anlaufschwierigkeiten: „Die Gentechnik ist gut, aber es muß sich erst noch zeigen, ob sie die Zusatzkosten wert ist“, meint Dr. Roy Parker vom Landwirtschafts-Dienst der Texas A&M University in Corpus Christi. Parker bezieht sich auf die zusätzlichen 80 Dollar pro Hektar, die Saatgutfirmen für die gentechnisch veränderte BT-Baumwolle verlangen. Immerhin verspricht das neue, gegen die Raupen von gleich drei Baumwollschädlingen resistente Saatgut große Vorteile: Da die Farmer nicht gegen Raupen spritzen müssen, sparen sie doppelt. Denn die Spritzaktionen vernichten auch natürliche Feinde anderer potentieller Schädlinge.

Allerdings: Zunächst fanden die Farmer in Texas und den Südstaaten, die BT-Baumwolle gepflanzt hatten, unerwartet viele Raupen auf ihren Feldern. Schon gab es Rufe nach Entschädigung für die zu erwartende Mißernte. Für die Herstellerfirma Monsanto stand viel auf dem Spiel: Fiel die Ernte mager aus, würde die Firma kaum weitere Kunden für ihre BT-Baumwolle oder für andere gentechnisch veränderte Produkte gewinnen können.

Die Firma habe die Erwartungen vielleicht etwas zu hoch geschraubt, befürchtet Randy Deaton, BT-Produktmanager bei Monsanto. Tests über sechs Jahre hätten eine gute Schutzwirkung des eingebauten Gens gezeigt. Doch in dieser Saison habe es einen ungewöhnlich hohen Befall von Raupen gegeben. Da sei schon mal eine Zusatzspritzung notwendig.

Letztlich mußten aber nur wenige BT-Anbauer – etwa 10 Prozent – die Spritzmaschine anwerfen, berichtet Parker. Nach Angaben von Monsanto lag bei den insgesamt 800000 Hektar BT-Baumwolle der durchschnittliche Ertrag um 15 Prozent höher als bei konventioneller Baumwolle.

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Die Gentechnik bietet allerdings keine Patentlösung. So können die Raupen auch gegen das in die Pflanzen eingebaute BT-Pestizid irgendwann resistent werden. Vielerorts vermeiden die Baumwollpflanzer die Gentech-Kontroverse und sparen trotzdem an Pestiziden – durch „grüne“ Strategien:

Eine frühe Ernte verhindert in Südkalifornien die Verpuppung überwinternder Raupen. Die wiederholte Freisetzung sterilisierter Baumwollmotten vereitelte bisher im kalifornischen San-Joaquin-Tal, daß dieser Schädling sich ausbreitete. Auch der Einsatz von Insekten-Lockstoffen hat Erfolg: In einigen Südstaaten durchkreuzt dies die Paarungsabsichten des Baumwollkäfers.

Gänzlich „grün“ angebaut wird bisher nur ein kleiner Anteil der US-Produktion, die im letzten Jahr bei 3,8 Millionen Tonnen lag – etwa ein Fünftel der Weltproduktion. „Mehr Arbeit und nicht dementsprechend mehr Gewinn“, urteilt Brad Weiseman, der für das texanische Landwirtschaftsministerium in Austin den Erfolg biologischer Anbaumethoden überprüft.

Grün im Anbau und grün sogar in der Farbe – das versucht die Firma Natural Cotton Colours in Wickenburg/Arizona. Sie erzielte durch konventionelle Züchtung farbige Baumwolle, die nicht mit umweltbelastenden Farbstoffen behandelt werden muß. „Inzwischen kauft auch der Jeanshersteller Levi Strauss unsere Fasern“, sagt Züchterin und Chefin Sally Fox. Gentechnik lehnt sie ab: „Es geht auch ohne.“

Die Firma Calgene sieht das anders: Sie will mit Gentechnik die grün-braune Farbpalette der Baumwolle demnächst um Blautöne erweitern.

Baumwolle: Der Strauch wurde schon um 3000 v. Chr. in Mittelamerika und Asien gezüchtet. Nun hat die Firma Calgene in Davis/Kalifornien in Zusammenarbeit mit der Universität Jerusalem zwei Zellulose-Synthese-Gene aufgespürt. Calgene will Pflanzen maßschneidern, die zähere, einheitlich lange Haare in ihren Samenkapseln produzieren – oder die Baumwolle unter Umgehung der Pflanze gleich in der Retorte synthetisieren.

BT: Das Bakterium Bacillus thuringiensis wird seit Jahren als biologisches Insektizid gegen Raupenschädlinge gespritzt. Mehrere Firmen verpflanzten inzwischen das BT-Gen, das den giftigen Wirkstoff codiert, in Anbaufrüchte, um diese vor gefräßigen Raupen zu schützen. Als erstes BT-Saatgut kam im letzten Frühjahr Baumwolle auf den US-Markt, gefolgt von Mais und Kartoffeln.

Gentech-Kontroverse: Mit der Entscheidung der Food and Drug Administration, daß gentechnisch hergestellte Landwirtschaftsprodukte nicht gekennzeichnet werden müssen, ist die Debatte in den USA abgeklungen, aber nicht beigelegt. Kontrovers ist weiterhin der Gentransfer in Grundnahrungsmitteln wie Mais und Soja. Befürchtungen weckt vor allem die Markierung mit einem Gen, welches die Pflanzen gegen das Antibiotikum Kanamycin – in der Humanmedizin gegen Infektionen eingesetzt – resistent macht.

Infos im Internet Zur Baumwolle: http://www.aphis.usda.gov/bbep/bp/cotton.html Zur grünen Baumwolle: http://www.foxfibre.com/

Bruni Kobbe

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