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Heilendes Risikokapital

Europäische Wissenschaftler attackieren tödliche Gefäßerkrankungen

Europäische Wissenschaftler attackieren tödliche Gefäßerkrankungen „Jeder zweite EU-Bürger stirbt heutzutage an Gefäßverengung im Herzen oder im Gehirn. Aber in spätestens fünf Jahren werden wir ein Medikament entwikkelt haben, das die Gefäßverengung weitgehend verhindert“, behauptet Prof. John Martin vom University College in London (UCL) voller Optimismus. In den Labors von „Eurogene“ in einem Büroviertel im Londoner West End deutet nichts auf einen bevorstehenden Erfolg im Kampf gegen die Arteriosklerose: Reagenzgläser, Glastrichter, Elektronenmikroskope – wie in unzähligen anderen Forschungsinstituten. Dennoch wird hier an einem biomedizinischen Durchbruch gearbeitet. Es geht um einen Eiweißstoff im menschlichen Gewebe, den Faktor VEGF – das Kürzel für Vascular Endothelial Growth Factor. VEGF steuert die Entwicklung von Blutgefäßen im menschlichen Fötus. Seine bahnbrechenden Erkenntnisse wollte der 55jährige Herzspezialist Martin nicht im wissenschaftlichen Elfenbeinturm verkümmern lassen. So gründete er 1997, zusammen mit seinem UCL-Kollegen Stephen Barker und dem 41jährigen Molekularbiologen Seppo Yla-Herttula von der finnischen Universität Kuopio, die Eurogene Ltd. Ziel: Die Entwicklung einer Gentherapie und eines Medikaments gegen die lebensbedrohende Gefäßverengung. Das war kein Hirngespinst. Denn im Rahmen des von der EU finanzierten Forschungsprogramms Biomed II hatten zuvor vier Forschungsteams aus Italien, Deutschland, Finnland und Großbritannien die Molekular- und Zellstrukturen menschlicher Gefäße untersucht. Dabei fanden sie, daß der Faktor VEGF bei Erwachsenen beschädigte oder verengte Gefäße reparieren kann. Bereits seit Oktober 1999 wendet Yla-Herttula dieses Wissen im Rahmen einer Gentherapie an einer finnischen Universitätsklinik an – mit durchschlagendem Erfolg, wie er sagt. Davon ermutigt, arbeitet Eurogene – parallel zum gentherapeutischen Ansatz – an einem VEGF-Medikament. Außer EU-Geld akquirierten die Londoner Wissenschaftler für die Entwicklung eines vorbeugenden Arteriosklerose-Präparats weltweit zehn Millionen Mark Risikokapital. EURO-TALK Prof. John F. Martin, University College London, über die Arbeiten an einem vorbeugenden Arteriosklerose-Medikament. bdw: Wann kommt die Pille gegen Arteriosklerose? Martin: In etwa acht Jahren werden wir eine Tablette auf dem Markt haben. Dann wird allerdings die gesundheitspolitische Frage auftauchen, ob alle ab dem 40. Lebensjahr bis Ende 60 täglich eine Tablette auf Rezept bekommen können. bdw: Was sind die nächsten Schritte im Kampf gegen die Gefäßverengung? Martin: Zuallererst wollen wir eine Gentherapie entwickeln, die wir bei verdickten Arterien-Gefäßwänden anwenden, damit das Blut wieder störungsfrei zirkuliert. Wir führen das VEGF-Gen von außen in die Arterienwand ein und knipsen damit die natürliche Gefäßerweiterung an. Dies können wir nach den ersten klinischen Erfolgen bis Ende 2001 erreichen. bdw: Und die Tablette? Martin: Innerhalb der nächsten fünf Jahre wollen wir ein Medikament entwickeln, das den VEGF-Effekt als synthetischen Rezeptor beinhaltet. Wird diese Tablette täglich eingenommen, verhindert sie die lebensbedrohende Gefäßverengung. Herzkranzgefäßverengungen, Schlaganfälle und die Verkalkung von Beinarterien werden dann in Europa nicht mehr Todesursache Nummer eins sein. EURO-TICKER Geld für Papier. Der von der EU-Kommission ausgelobte Wissenschaftspreis „Archimedes“ eröffnet Jung-Akademikern die Chance, ihren ersten Universitätsabschluß zu vergolden: Neue Denkansätze im Rahmen von schriftlichen Examensarbeiten haben gute Chancen, bis zu 60 000 Euro zu gewinnen. Infos gibt’s im Internet: http://www.cordis. lu/improving/src/hp_calls.htm Einreichfrist: 29. Juni 2000 Visionen im Tunnelblick. Galaktische Einblicke präsentiert der Pavillon der Europäischen Union bei der EXPO 2000, die am 1. Juni in Hannover ihre Pforten öffnet. Angesichts der Herausforderungen Europas im 21. Jahrhundert bietet der EU-Beitrag neue Visionen: Im Tunnel Europa 2000 kann er in einer virtuellen Umwelt auf Zeitreise gehen und Themen aus der europäischen Forschung kennenlernen. Nähere Infos via E-Mail: stephen.gosden@cec.eu.int

Thomas A. Friedrich

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