Herzinfektionen töten Hunderte - wissenschaft.de
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Herzinfektionen töten Hunderte

„900 Sportler brechen jedes Jahr in Deutschland tot zusammen – ohne vorhergehende Warnsignale“, schätzt der Sportmediziner Georg Neumann vom Institut für angewandte Trainingswissenschaften in Leipzig. Meist hat das Herz versagt.

Wie beim Fußball-Profi Axel Jüptner von Carl Zeiss Jena 1998: Bei der Obduktion entdeckten die Mediziner, daß Jüptners Herz von Krankheitserregern infiziert war. Neumann: „Etwa die Hälfte aller Sportler, die beim Sport plötzlich sterben, haben Herzinfektionen.“ Gefährlich wird es, wenn der Sportler nach einer Bakterien- oder Viruserkrankung vorschnell zu trainieren beginnt oder sogar bei Wettkämpfen mitmacht. Dann kann das kränkelnde Herz die geforderte Blutmenge unter Umständen nicht mehr pumpen und steigt aus.

Darum rät Neumann, selbst nach leichten Fiebererkrankungen mindestens zehn Tage auf Sport zu verzichten. Keinesfalls aber dürfe der Sportler seine Leistungsschwäche nach einer Erkrankung durch noch mehr Training wettzumachen versuchen. „Das wäre reiner Selbstmord“, warnt Neumann.

Viele Erreger können das Herz befallen: Grippe-, Mumps-, Masern- oder Herpesviren sowie verschiedene Bakterien attakkieren den Pumpmuskel. Am häufigsten aber setzen sich Coxsackie-B-Viren im Herzen fest. Die sind für Sportler besonders heimtückisch, da sie manchmal keine Krankheitssymptome auslösen. So halten die Viren ihn nicht vom Sport ab, belasten aber das Herz.

Doch auch solche schleichenden Virusinfektionen kann man rechtzeitig erkennen. Neumann: „Sportler mit Herzinfektionen können oft während ein bis drei Wochen ihre normale Leistung nicht bringen. Auch die Erholungsphasen werden länger.“ Ein weiteres Anzeichen ist der Ruhepuls: Acht bis zwölf Schläge pro Minute macht das infizierte Herz mehr als das gesunde. Sportler sollten darum regelmäßig ihren Puls bestimmen. Auch bei Muskelschmerz muß man vorsichtig sein und im Zweifelsfall vor einem Wettkampf einen Arzt aufsuchen. Denn die gleichen Erreger, die das Herz befallen, können im Prinzip sämtliche Muskeln attackieren, und infizierte Gelenkmuskeln schmerzen oft. Dem Herzen dagegen fehlt dieses Warnsignal: Darum schonen Sportler den kranken Pumpmuskel nicht.

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Besonders ältere Sportler müssen auf ihr Herz achtgeben, da es schwächer und infektanfälliger ist als das von jüngeren Menschen. Wie die Statistik zeigt: Die meisten Sportler in Deutschland sterben nicht bei einem Hundert-Meter-Sprint, sondern beim beschaulichen Kegeln. In den USA sind die „Todes-Sportarten“ Golf, Joggen und Schwimmen – also typischer Freizeitsport, wie ihn vorwiegend ältere Menschen ausüben. Der plötzliche Sporttod grassiert im Basis- wie im Spitzensport. Aufsehen erregen aber nur Spitzensportler, die manchmal sogar vor laufenden Kameras zusammenbrechen. Als Ursache vermuten viele dann Doping. Neumann glaubt das nicht: „An Dopingmitteln allein ist noch kein herzgesunder Athlet gestorben.“ Bleibt zu hoffen, daß sich diese Frage an den Olympischen Sommerspielen in Sydney gar nicht erst stellt. Das Feuer flackert dort ab dem 16. September.

Ulrich Fricke

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