Hitze gefährlicher als Kälte - wissenschaft.de
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Hitze gefährlicher als Kälte

Die extrem heißen Tage im letzten Sommer haben zahlreiche Opfer gefordert. Die exakten Zahlen sind schwer zu ermitteln, da sich der Hitzetod hinter vielen Ursachen verbergen kann. Doch viele Menschen fragen sich, wie Wetter und Todesrate zusammenhängen. Die Medizinmeteorologische Forschungsstelle des Deutschen Wetterdienstes hat dazu eine umfangreiche Studie vorgelegt.

Unter der Leitung von Prof. Gerd Jendritzky hat sie unter den insgesamt 2,8 Millionen Menschen, die zwischen 1968 und 1997 in Baden-Württemberg gestorben sind, nach Opfern extremer Wetterverhältnisse gefahndet. Die obere Grafik zeigt den durchschnittlichen Verlauf der täglichen Todesfälle übers Jahr: Im Winter, der Zeit der Infektionskrankheiten, sterben etwa 310 Menschen pro Tag, im Sommer rund 270. Während einer Hitzewelle schnellt die Todesrate jäh in die Höhe.

Die mittlere Grafik zeigt eine typische Hitzewelle, gemittelt aus 9 Extremereignissen. Entscheidend für den Hitzestress ist die „gefühlte Temperatur“, die erheblich von der tatsächlichen Temperatur abweichen kann: Hohe Luftfeuchtigkeit und starke Sonnenstrahlung machen die Hitze unerträglich, Wind kühlt dagegen. Die Grafik zeigt deutlich, dass mit dem Anstieg der gefühlten Temperatur die Todesrate nach oben geht. Die Erklärung: Manche gebrechlichen Menschen, die ohnehin gestorben wären, scheiden wenige Tage verfrüht aus dem Leben. Doch drei von vier Hitze-Toten hätten noch Monate oder sogar Jahre gelebt. Die Zahl dieser „echten Opfer“ liegt in Baden-Württemberg bei rund 180 pro Hitzewelle. Hochgerechnet sterben in ganz Deutschland – die gleiche Mortalitätsrate vorausgesetzt – bei einem extremen Hitzehoch mehr als 1000 Menschen.

Eine Frostperiode im Winter (untere Grafik, gemittelt aus 13 Extremereignissen) ist nicht so gefährlich, denn der Kälte kann man in geheizte Räume ausweichen. Nach einem bitteren Frost steigt die Todesrate etwa zwei Wochen lang nur leicht an. Dabei sterben vor allem Menschen, die sich mit einem Virus infiziert haben, vermutet Jendritzky.

Klaus Jacob

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