Hölzerne Vierecke - wissenschaft.de
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Hölzerne Vierecke

Meine Frau war übers Wochenende mit unseren beiden jüngeren Kindern zu ihren Eltern gefahren. Ich hütete zusammen mit meiner ältesten Tochter das Haus. Ich hatte meiner Frau versprochen, endlich einmal den Dachboden und den Keller aufzuräumen. „Wenn du den Speicher entrümpelst, dann nehme ich mir den Keller vor“, sagte ich beim Frühstück zu Christina. Sie war einverstanden, und so ging kurz darauf jeder in sein Revier. Um elf Uhr hatte ich den größten Teil meiner Arbeit geschafft und schon einen hohen Gerümpelberg für die Sperrmüllabfuhr aufgehäuft. Ich fand, dass ich eine Pause verdient hatte. Ich ging in die Küche, brühte eine Kanne Tee auf und rief meine Tochter. Als ich keine Antwort bekam, stieg ich auf den Dachboden. Dort sah es noch genauso unordentlich aus wie zuvor. Christina saß im Schneidersitz auf dem Boden und hatte hölzerne Schrauben, Muttern und Leisten um sich verstreut. „Ich dachte, du schaffst hier Ordnung. Stattdessen spielst du nur“, sagte ich ärgerlich. „Glaube bloß nicht, dass ich auch noch den Speicher aufräume.“ Christina sah mich vorwurfsvoll an und sagte: „Störe meine Kreise nicht!“ „ Wieso Kreise? Ich sehe keine Kreise“, meinte ich etwas verwirrt. Meine Tochter verdrehte die Augen. „Das ist doch nur symbolisch gemeint. Archimedes hat dies vor über 2000 Jahren gesagt, als er von einem römischen Soldaten bei seinen mathematischen Überlegungen gestört wurde.“ Und sie wandte sich wieder ihrem Spielzeug zu. „Aus diesen Leisten, Schrauben und Muttern habe ich früher Autos, Häuser und Tiere zusammengeschraubt, aber man kann auch Mathematik damit betreiben. Schau dir einmal diese Leisten an“, meinte Christina. „Sie sind alle gleich dick und alle gleich breit, aber unterschiedlich lang. Sie haben alle eine ganze Reihe runder Löcher mit stets den gleichen Abständen voneinander, durch die die hölzernen Schrauben passen. Schau mal: Ich habe hier vier Schrauben, vier Muttern und acht unterschiedlich lange Leisten mit 4, 5, 6, 8, 11, 13, 16 und 19 Löchern.“ „Das sehe ich“, sagte ich, „aber was hat das mit Mathematik zu tun?“ „Nun lass mich doch mal ausreden“, erwiderte Christina unwillig. „Aus vier Leisten lässt sich ein Viereck bilden. Dazu werden die Leisten an den jeweils äußeren Löchern, durch die man Schrauben steckt, miteinander verbunden.“ Christina schraubte vier Leisten zusammen und hielt mir das Gebilde hin. „Ich habe mir nun die Frage gestellt“, fuhr sie fort, „wie viele verschiedene Vierecke sich aus meinen acht Leisten überhaupt bilden lassen. Dabei sehe ich alle Vierecke als gleich an, die die gleichen Seitenlängen in der gleichen Reihenfolge haben. Ich unterscheide auch nicht, ob diese Reihenfolge im oder gegen den Uhrzeigersinn ist, denn ich kann ja die Vierecke umdrehen, sodass die Rückseite zur Vorderseite wird. Das heißt, alle Vierecke sind gleich, die im oder gegen den Uhrzeigersinn gesehen die Seitenlängen a, b, c und d haben, auch wenn ihre vier Innenwinkel völlig unterschiedlich sein mögen. Allerdings dürfen die Vierecke nicht entartet sein, das heißt, keiner ihrer Innenwinkel darf 0 oder 180 Grad betragen.“ Wissen Sie, wie viele Vierecke Christina zusammensetzen kann?

So machen Sie diesen Monat mit

Teilnehmen kann jeder, außer den Mitarbeitern des Verlags und deren Angehörigen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Schicken Sie bitte Ihre Lösung (ausschließlich!) auf einer Postkarte bis zum 31. Dezember 2011 an:

bild der wissenschaft, Kennwort „Cogito 12|2011″

Ernst-Mey-Str. 8, 70771 Leinfelden-Echterdingen

Die Lösung und die Namen der Gewinner werden im März-Heft 2012 auf der Leserbrief-Seite veröffentlicht.

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Zu gewinnen

Unter den Einsendern der richtigen Lösung werden fünf Hörbuch-Trios ausgelost. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Der Preis besteht aus jeweils drei CDs „Big Bang – Vom Urknall zum Bewusstsein“ mit einem bebilderten Booklet. In den Hörbüchern nehmen drei bekannte Experten gut verständlich Stellung zu den grundlegenden Fragen der Wissenschaft und Philosophie: Der Astrophysiker Harald Lesch denkt über Gott, den Urknall und den Beginn des Lebens nach. Der Neuropsychiater Manfred Spitzer befasst sich mit der Evolution des Lebens und dem Gehirn. Und der Paläoanthropologe Friedemann Schrenk berichtet über die aktuellen Erkenntnisse zur Evolution des Menschen und des Denkens. Mehr Informationen finden Sie unter www.galila.at

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ma|rin  〈Adj.〉 zum Meere gehörig, aus ihm stammend, Meeres… [→ Marine ... mehr

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