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Im Himmel und auf Erden

Die NASA sucht den Ursprung des Lebens.

Woher kommen wir? Sind wir allein im All? Diesen uralten Fragen wollen „Astrobiologen“ auf den Grund gehen. Unter diesem Namen trafen sich kürzlich Astronomen, Biologen, Chemiker, Genetiker und Mediziner, um neue Ergebnisse auszutauschen und Pläne für die Zukunft zu schmieden.

„Astrobiologie ist noch kein definiertes Forschungsgebiet, könnte aber eines werden.“ Das hofft jedenfalls David Morrison, Leiter der Abteilung Weltraumwissenschaften am NASA Ames Research Center im kalifornischen Moffett Field. Er hatte seine Kollegen zum ersten Symposium über Astrobiologie eingeladen. Was ihn und die Versammelten in Aufbruchstimmung versetzte, waren die verheißungsvollen Nachrichten des Jahres 1996:

Mögliche Lebensspuren wurden in einem Mars-Meteoriten aus der Antarktis entdeckt. Skeptiker zweifeln, ob die gefundenen organischen Moleküle und die mineralischen Veränderungen tatsächlich von 3,6 Millionen Jahre alten, fossilen Mars-Mikroben stammen. Bei Mars-Missionen in den nächsten Jahren soll auf dem Mars selbst nach Lebensspuren gesucht werden. Morrison wagt eine Prognose für die fernere Zukunft: „Menschen werden zum Mars reisen und ständig bewohnte Kolonien einrichten.“ Eine Urform des Lebens ist entschlüsselt: das Erbgut der in heißen Tiefseequellen entdeckten Archae-Bakterien. Es zeigt viele bisher unbekannte Merkmale, die Leben unter solch extremen Bedingungen erst ermöglichen. „Das Leben dürfte in heißen Quellen entstanden sein, und das viel früher als – wie auf der Erde nachgewiesen – vor 3,5 Milliarden Jahren“, vermutet der Mikrobiologe Norman Pace von der University of California in Berkeley. „Im Dauerfrostboden des Mars könnten sogar Mikroben überlebt haben.“ Der Jupiter-Mond Europa liegt unter Eis, wie Bilder der Galileo-Sonde zeigten. Ob unter den Eisschollen ein Ozean – und Leben – verborgen ist, kann vielleicht ein weiterer, näherer Vorbeiflug klären. In anderen Sonnensystemen wurden mehrere Planeten entdeckt. Die bisherigen Kandidaten – nach letzter Zählung sind es acht – kreisen jedoch in heißer Nähe oder kalter Ferne um ihr Muttergestirn. „Kaum anzunehmen, daß es dort Leben gibt“, meint Geoffrey Marcy von der San Francisco State University, einer der erfolgreichsten Planetenjäger.

Um Planeten mit flüssigem Wasser zu finden, will eine Ames-Gruppe das Kepler-Projekt starten: Ein photometrisches Teleskop in einer solaren Umlaufbahn soll feinste Lichtunterschiede messen, die zu erwarten sind, wenn Planeten um ihren Mutterstern kreisen und ihn periodisch beschatten. 140000 mögliche Muttergestirne wollen die Forscher in einem vier- bis achtjährigen Projekt ins Visier nehmen – für einen Bruchteil der Kosten, die eine Shuttle-Mission verschlingt.

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Nicht nur Leben, sondern sogar Intelligenz wollen die Forscher am Seti Institute im kalifornischen Mountain View finden. Sie setzen auf galaktische Zivilisationen, die mit uns sozusagen auf gleicher Wellenlänge sind: Funksignale im Mikrowellenbereich könnten unsere Radioteleskope auffangen. „Das ist die Vorbedingung, von der wir ausgehen – irgendwo müssen wir schließlich anfangen“, sagt Dr. Jill Tarter.

Sie ist Leiterin des Seti-Projekts „Phoenix“. Vor einem Jahr horchte ihre Gruppe am australischen Parkes-Teleskop 200 Sterne am Südhimmel ab. Automatisierte Computerprogramme registrierten, sortierten und filterten 150000 Signale. Jill Tarter vergleicht das mit der hartnäckigen Suche nach der perfekten Tasse Espresso – doch bisher blieb die Tasse leer. Der Optimismus der Forscherin ist ungebrochen: „Vielleicht werden erst meine Enkel fündig werden.“

Weder sie noch die anderen Astrobiologen erwarten, daß sich demnächst ein Außerirdischer meldet. Fürs erste wären sie schon mit Mikroben auf dem Mars zufrieden.

Mars-Missionen: Zwei amerikanische Sonden und eine russische werden 1997 den Roten Planeten erkunden. Die ersten Mars-Proben könnten nach neuen NASA-Plänen schon 2003 zur Erde gebracht werden. Künftige Astronauten hoffen auf innovative Raketentechnik, die ihre Reisezeit zum Mars von sechs auf drei Monate verkürzt.

Kepler-Projekt: Mit einer 760 Kilogramm schweren Raumsonde, die ein ultraleichtes Teleskop und ein Hochpräzisions-CCD-Photometer beherbergt, wollen NASA-Forscher Tausende von Sonnen auf Planeten untersuchen.

Seti Institute: Dieses private Institut in Mountain View, Kalifornien, sucht nach Signalen von Außerirdischen. Es arbeitet dabei eng mit dem benachbarten NASA Ames Research Center zusammen. Als die NASA ihre Mittel für die Seti-Forschung strich, wechselten viele Ames-Enthusiasten ans Seti Institute. Dort ist heute das Projekt „Phoenix“ im Gange, ausgestattet mit drei Millionen Dollar Spenden jährlich. Bis zum Jahr 2000 sollen 1000 Sterne mit den größten Radioteleskopen weltweit abgehorcht werden. Ergänzt wird diese Suche von zwei kleineren, unabhängigen Projekten: „Serendip“ an der University of California und „Beta“ an der Harvard University.

Infos im Internet

Über das Seti Institute: http://www.seti-inst.edu/ Über das Kepler-Projekt: http://www.kepler.arc.nasa.gov

Bruni Kobbe

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