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Immer den passenden Groove

Forscher aus Österreich haben einen neuartigen Musikplayer entwickelt. Der weiß stets, welche Musik sein Nutzer gerade am liebsten hören würde.

Wie war noch gleich der groovige Sound, bei dem es sich neulich so gut joggte? Doch weder Titel noch Künstler fallen Tom B. auf der heutigen Laufstrecke ein, und nicht mal an das musikalische Genre kann er sich erinnern. Seine umfangreichen Playlisten zu durchstöbern oder das Internet auf der Suche nach dem Lied zu durchforsten, scheint ihm aussichtslos. Solchen Smartphone-Usern will Assistenzprofessor Markus Schedl vom Institut für Computererkennung der Universität Linz mit einem lernwilligen elektronischen Helfer auf die Sprünge helfen.

Musik-App mit Gedächtnis

Er entwickelt mit seinem dreiköpfigen Team den Musikplayer „ Mobile Music Genius“, der zu jeder Zeit einen maßgeschneiderten Musikgenuss verspricht, passend zur Umgebung und Stimmung des Nutzers. Bislang können derartige Geräte Stücke ordnen und vorschlagen, die sich in Rhythmus und Klangfarbe, im Liedtext oder in den Empfehlungen anderer Musikfreunde im Internet ähneln. Die Entwickler in Linz dagegen gehen einen neuen Weg: Sie berücksichtigen zusätzlich, was der Nutzer gerade tut. Die App Mobile Music Genius, die die österreichischen Forscher für Smartphones entwickelt haben, merkt sich zum Beispiel Situationen, in denen der User melodischen Reggae bevorzugt, richtig abrocken will oder lieber lyrischen Klavierklängen lauscht.

„Unsere App sammelt dafür eine Vielzahl von Daten, die das Smartphone über Sensoren und seine ständige Verbindung ins Internet gewinnt“, erklärt Markus Schedl. So misst ein Bewegungssensor, ob der Träger des Geräts gerade schnell oder langsam geht oder sich ausruht. Derweil ermittelt das GPS-Modul des Smartphones seinen Aufenthaltsort, der zudem genutzt wird, um abzufragen, ob es dort aktuell regnet, bewölkt ist oder ob die Sonne scheint – und welche Temperatur das Thermometer anzeigt. Ein Mikrofon erfasst den Geräuschpegel in der Umgebung. All diese Daten verbindet die Applikation mit den angehörten Musikstücken. Außerdem gleicht sie die Informationen mit dem ab, was sie zuvor bereits über den Nutzer gelernt hat. So erfährt der elektronische „Geist“ immer mehr über seinen Herrn. Wird der Player aufgerufen, soll er mit Musik dienen, die zu Aktivität, Tageszeit, Ort und Witterung passt – ohne dass der Eigner selbst danach suchen muss.

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Praxistest mit 100 Studenten

Der Mobile Music Genius ist Teil eines Forschungsprojekts zu personalisierten Musiksystemen an der Universität Linz, die vom österreichischen Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) finanziert wird. Zurzeit unterziehen die Forscher die App, die für Musiksammlungen auf den meisten gebräuchlichen Smartphones (außer dem iPhone) bereits funktioniert, einem Praxistest. Ein Versuch mit 100 Studenten aus Linz soll klären, nach welchen Ordnungskriterien der Player die beste Musikauswahl trifft.

Die Entwickler wollen zudem probieren, ob sich die App auch für Streaming-Dienste erweitern lässt. „Wegen der enormen Menge an Musikstücken, wie sie etwa der Online-Musikdienst Spotify bietet, ist das eine Herausforderung“, meint Schedl. Ob Tom B. den „Genius“ bald nutzen kann, hängt davon ab, ob er zu einem Produkt weiterentwickelt wird. Die Chancen dafür stünden gut, verspricht der Linzer Forscher. ■

von Angelika Dissen

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