Intelligente Hülle für Arzneimittel - wissenschaft.de
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Intelligente Hülle für Arzneimittel

Freiburger Materialforscher haben eine Hülle für Arzneimittel entwickelt, die sich erst im Dickdarm auflöst. Das macht viele Medikamente wirksamer und verträglicher.

Vom Mund zum Dünndarm ist es ein weiter Weg – vor allem für Medikamente. Damit die Wirkstoffe nicht schon beim Hinunterschlucken in Aktion treten, verpacken sie die Pharmakologen in Hüllen, die so konzipiert sind, daß die Substanzen erst an Ort und Stelle – zum Beispiel im Magen oder im Darm – freigesetzt werden und in die Blutbahn gelangen.

Die Pharmakologen nutzen dabei die unterschiedlichen pH-Milieus im Verdauungstrakt aus, indem sie Kapseln herstellen, die sich entweder nur im sauren Magen oder nur im alkalischen Dünndarm auflösen. Als Hüllmaterialien dienen meist natürliche Substanzen wie Zukker, Gelatine oder Stärke, aber auch halbsynthetische und synthetische Kunststoffe wie Cellulosederivate, Polyacrylsäure und Polymethacrylate. In diese werden sogenannte funktionelle Gruppen eingebaut, die an bestimmten Stellen im Verdauungstrakt aktiv werden und die Hülle auflösen.

Der Einfluß der Pharmakologen reichte bisher nur bis zum Dünndarm. Eine Hülle, die das Medikament unbeschadet in den Dickdarm transportiert und es erst dort freisetzt, gab es bislang nicht. Doch gerade für Arzneien gegen Entzündungen im Dickdarm wäre das ideal.

Wissenschaftler am Materialforschungszentrum der Universität in Freiburg sind nun dabei, diese Lücke zu schließen. Sie haben herausgefunden, daß sich das mikrobielle Gefälle, das die Darm-Mikroflora im Blinddarm erzeugt, gut für die Zwecke der Pharmazeuten geeignet ist. Im Blinddarm gibt es rund eine Milliarde Mal so viele Keime und Enzyme wie in den davorliegenden Darmabschnitten.

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„Wir konzentrieren uns auf die sogenannten Endo-Glycosidasen der Darm-Mikroflora, denn diese Enzyme können Polysaccharide am schnellsten abbauen“, erklärt Prof. Kurt-Heinz Bauer vom pharmazeutischen Institut der Universität Freiburg. Die unterschiedlichen Konzentrationen dieser Glycosidasen nutzen die Forscher bei ihrer Suche nach neuen Verpackungsmaterialien für Arzneimittel.

Hüll-Kunststoffe aus Polysacchariden testen die Freiburger zur Zeit an Därmen frisch geschlachteter Schweine. Tests mit freiwilligen Patienten sind geplant, und sollen in der Klinischen Pharmakologie des Rehabilitations-Zentrums in Bad Krozingen stattfinden, sobald die Modelltabletten in ausreichender Menge vorhanden sind.

Brigitte Röthlein

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