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IRRTUM 3

TROJA WAR ATLANTIS

Mit dieser Behauptung sorgte Eberhard Zangger, mit dem die Geoarchäologie nach Deutschland kam, 1992 für Furore in der Szene. Der Widerspruch war heftig und flächendeckend. Der damalige Troja-Ausgräber Manfred Korfmann etwa meinte: Troja sei für ein Gebilde wie Atlantis viel zu klein gewesen, die Landschaft habe eine so große Bevölkerung gar nicht ernähren können – eine Meinung, die er schon zwei Jahre später nach der Entdeckung der Unterstadtgräben beiseite legen musste. Die von Zangger virtuell rekonstruierten Hafenanlagen in der Ebene um den Hirsalik-Siedlungshügel wurden als absurd abgetan – bis heute. Zangger liest Platons Atlantis als Bericht von einer finalen Schlacht zwischen zwei Kulturkreisen: den vereinten „Griechen“ und dem anatolischen Kleinkönigtum Troja. Um 1200 v.Chr. gab es – das ist unbestritten – verheerende Auseinandersetzungen, die die globalisierte Welt von damals zusammenbrechen ließen. Der gesamte östliche Mittelmeerraum war betroffen, und alle Völker erinnern sich daran – in Geschichten mit unterschiedlichen Stichworten: „ Trojanischer Krieg“ zum Beispiel oder „Seevölkereinfall“. Unter der Chiffre „Atlantis“ hatten die Ägypter ihre Erinnerungsgeschichte an diesen Kampf der Welten, berichtet Zangger. Die erzählte – so der Philosoph Platon – ein ägyptischer Priester dem griechischen Staatsmann Solon.

Platon NICHT WÖRTLICH NEHMEN

Platon referiert aus den Akten seines Onkels – und bricht mitten in der Erzählung ab. Er ist die einzige Quelle für die Atlantis-Sage. Im Gegensatz zu Schliemann, dem Homers Ilias die Bibel war, nimmt Zangger den Platon-Bericht nicht wörtlich, sondern als vielfach gebrochenes Erinnerungsstück. Das vergleicht er mit den Gegebenheiten und Mythen Trojas. Dabei wolle er keinesfalls alte durch neue Dogmen ersetzen, wie er betont: „ Meine Überlegungen sind theoretischer Natur, und einige der von mir angeführten Argumente sind – zumindest jetzt noch – anfechtbar.“ Es wurde nicht gefochten, es wurde beiseite gelegt. Dabei blieben einige Fragen auf der Strecke. Das Spannende an Troja steckt nicht im Palast, sondern in der Ebene, meinte vor 17 Jahren Eberhard Zangger, dem der heutige Grabungsleiter Ernst Pernicka „beachtenswerte Leistungen in der Geoarchäologie“ attestiert. Dort blieben die Fragen liegen: Lag das bronzezeitliche Troja überhaupt am Meer? Die 300 Sedimentbohrungen liefern eine Unmenge Daten, aber kein Bild. Bis heute sind die Handelshäfen von Troja nicht gefunden. Erst jetzt untersucht man einen künstlichen Einschnitt aus der Troas-Ebene durchs Vorgebirge in die Ägäis. Jetzt erst beginnt, mit Pernickas neuem Forschungsansatz, die forcierte Untersuchung der beiden seit Jahren in Teilstücken bekannten Gräben, die die Ausgräber als Verteidigungswerk deklarieren. Erst in den kommenden Kampagnen soll die Landschaft mit modernen geophysikalischen Methoden wie dem Laserscanning erkundet und damit die tatsächliche Bedeutung der Stadt dokumentiert werden. ■

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