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Die Ostsee kann durchatmen

Jahrhundert-Einstrom erfrischt Todeszonen

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Die Öresundbrücke verbindet Dänemark und Schweden. Hier floss die segensreiche Flut. (Foto: Rico K./Fotolia.de)
Es ist angekommen! Zweieinhalb Monate nach dem Jahrhundert-Einstrom von sauerstoffreichem Nordseewasser hat das Lebenselixier auch die Todeszonen der Ostsee erreicht, berichten Meeresforscher. Für das lädierte Ökosystem der Ostsee wird dies ein Segen sein.

Es war der drittgrößte Wasserzufluss der letzten 60 Jahre: Vom 13. bis 26. Dezember 2014 strömten durch günstige Winde geschätzte 198 km 3 Wasser aus der Nordsee in die Ostsee. Es war mit Wucht gekommen, was so lange auf sich warten ließ: Noch in den 1960er bis 1980er Jahren hatten regelmäßig, alle ein bis zwei Jahre, Salzwassereinbrüche die Ostsee mit sauerstoffreichem Wasser versorgt. Seit 1984 blieben sie jedoch plötzlich aus. Vereinzelte Einstromereignisse in den Jahren 1993 und 2003 konnten die Umweltbedingungen am Boden der Ostseebecken nur relativ kurzfristig verbessern. Der daraus resultierende Sauerstoffmangel im Tiefenwasser, der mit der Bildung giftigen Schwefelwasserstoffes einhergeht, gilt als eines der größten Umweltprobleme der Ostsee.

Frischwasser-Kur für die lädierte Ostsee

Besonders betroffen ist das Östliche Gotlandbecken in der Mitte der Ostsee. Hier herrscht unterhalb von einer Wassertiefe von 90 Metern fast ständig Sauerstoffmangel und toxischer Schwefelwasserstoff verhindert die Ansiedlung höheren Lebens – es bilden sich Todeszonen. Die Ozeanographen vom Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde haben gehofft, dass sowohl Menge, als auch Salzgehalt und Dichte des Wassereinbruchs im Dezember hoch genug waren, damit die Wassermassen die untermeerischen Schwellen passieren und bis in die zentrale Ostsee strömen. Genau das hat sich nun bestätigt: Zweieinhalb Monate nach dem Jahrhundert-Einstrom konnten sie nun den Effekt im Gotlandbecken nachweisen – der Sauerstoffgehalt in der Todeszone steigt.

Problem: Die Ostsee ist ein Schichten-Meer

Das Problem der wachsenden Todeszonen ist teils natürlichen und teils menschengemachten Ursprungs. Grundsätzlich kritisch ist dabei die Schichtstruktur der Ostsee. Bis in einer Tiefe von etwa 60 Metern ist das Wasser sauerstoffreich und brackig – also nur von geringem Salzgehalt. Unterhalb dieser Tiefe ist das Wasser wesentlich salzhaltiger. Die Grenze zwischen diesen beiden Wassermassen ist für viele Stoffe, insbesondere gelöste Gase wie Sauerstoff weitgehend undurchlässig. Nicht aber für Partikel abgestorbener organischer Substanz: Sie sinken aus dem Oberflächenwasser in das Tiefenwasser ab. Bei deren Zersetzung wird ständig Sauerstoff verbraucht – dadurch sinkt der Gehalt bis sich eineTodeszone bildet. Als eine Ursache für die zunehmende Anreicherung von organischer Substanz gilt der Eintrag von Pflanzennährstoffen durch den Menschen. Er verstärkt das Algenwachstum und damit letztlich auch die Menge an abgestorbener organischer Substanz, die auf den Meeresboden absinkt.

Nur die Natur konnte helfen

Doch selbst eine drastische Reduktion der Einleitung von Nährstoffen kann die Situation – nachdem sie einmal da ist – kaum mehr beeinflussen, sagen die Wissenschaftler. Eine Ausbreitung der sauerstoffarmen und schwefelwasserstoffhaltigen Zonen kann nur durch Einströmen von salz- und sauerstoffreichem Nordseewasser aufgehalten oder rückgängig gemacht werden. Glücklicherweise hat dieser Prozess nun offenbar eingesetzt! Daraus ergeben sich großflächig positive Auswirkungen auf die marinen Lebensbedingungen, sagen die Forscher. Das Leben kann aufatmen – auch die Fischer der Ostsee erhoffen sich von der Frischwasserkur in den kommenden Jahren einen positiven Effekt auf die Bestände.

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Quelle: Das Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde

© natur.de – Martin Vieweg
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