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Jedermanns Geschmack

Wissenschaftler haben herausgefunden, daß Übergewichtige keinen besseren Geschmackssinn haben als Dünne.

„Es gibt keine aufrichtigere Liebe als die Liebe zum Essen“, erkannte der Schriftsteller George Bernard Shaw. Doch was bewegt manche Menschen, mehr Nahrung zu sich zu nehmen, als ihr Körper verbraucht? Eine mögliche Antwort: Dicke haben einen ausgeprägteren Geschmackssinn und genießen das Essen daher mehr als Normalgewichtige.

Diese These wurde nun von Wissenschaftlern des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung in Potsdam als Legende entlarvt. Zwei Jahre lang haben sie rund 120 Erwachsene – Übergewichtige und Dünne – einer ganzen Palette von Geschmacks- und Geruchstests unterzogen. „Wir wollten wissen, ab welchem Schwellenwert die Testpersonen eine Geschmacksrichtung erkennen“, sagt Versuchsleiter Dr. Rüdiger Schrödter. „Außerdem haben wir untersucht, ob die verschiedenen Versuchsgruppen unterschiedliche Vorlieben für süße oder fette Speisen haben.“

Für die Bestimmung des Schwellenwertes versetzten die Forscher Wasser mit verschiedenen Mengen Zucker, Salz, Zitronensäure oder bitter schmeckendem Koffein. Die Testpersonen mußten angeben, ob und welche Geschmacksrichtung sie erkannt hatten. Ergebnis: Zwischen Über- und Normalgewichtigen gab es nur Unterschiede beim Erkennen der bitteren Wasserlösung: Dicke hatten damit häufiger Probleme.

Die Geschmacksregionen der Zunge – süß schmeckt der Mensch mit der Spitze der Zunge, bitter mit ihrem hinteren Bereich – überprüften die Wissenschaftler direkt mit einem Elektrogustometer. Das Gerät sendet schwache Stromstöße aus, wobei die Stromstärke, bei der die Testperson zum ersten Mal einen Reiz registriert, als Maß für die Schmeckfähigkeit der untersuchten Zungenregion dient.

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Schließlich testeten die Forscher noch die Fähigkeiten der Nase. Dabei kam heraus, daß Dicke meist nicht nur etwas schlechter schmecken können, sondern oft auch Schwierigkeiten haben, schwache Gerüche zu erkennen. Doch insgesamt lagen die Testergebnisse der Gruppen nah beieinander.

Um eine mögliche Vorliebe der Übergewichtigen für stark gesüßte und fetthaltige Speisen zu untersuchen, rührten die Potsdamer Ernährungswissenschaftler Quark verschiedener Magerstufe mit Zucker an oder setzten Aromastoffe hinzu. Die Testpersonen sollten dann beurteilen, welche Zubereitung am besten schmeckt. Fazit: Süß und sahnig wird bevorzugt – von allen Versuchsgruppen.

„Von der These, daß Überge-wichtige ein wesentlich anderes Geschmacksempfinden haben als Dünne, müssen wir uns verabschieden“, folgert Schrödter. Allerdings scheint sich der Geschmack im Laufe des Lebens zu ändern. Denn wie einige zusätzliche Tests mit dicken und normalgewichtigen Jugendlichen ge zeigt haben, fällt bei ihnen der Geschmacksunterschied deutlicher aus als bei Erwachsenen. Ein Resultat: Dicke Mädchen waren beim Schmecken weniger empfindlich als dünne.

Daniel Münter

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