Johannes Botschek ist promovierter - wissenschaft.de
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Johannes Botschek ist promovierter

Johannes Botschek ist promovierter Bodenkundler und lehrt als Privatdozent an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms Universität in Bonn.

bild der wissenschaft: Erosion gilt als ein für den Menschen nachteiliger Prozess. Hat sie auch Vorteile?

Botschek: Die negativen Auswirkungen überwiegen auf jeden Fall – wenn zum Beispiel fruchtbarer Boden weggespült wird und dann ins Meer gelangt, wo er zur Überdüngung führt. Doch angeschwemmter Boden in flachen Auenlandschaften kann auch dafür sorgen, dass neue, fruchtbare Böden entstehen. Ökologisch wertvolle Auenwälder wie im Donaudelta sind in Europa allerdings nur noch selten zu finden. Tatsächlich wird die Erosion manchmal auch zur Helferin von Archäologen, wenn durch das Abtragen des Bodens interessante Funde freigelegt werden.

bdw: Welchen Einfluss hat die Klimaveränderung auf Erosionsprozesse?

BOTSCHEK: In unseren Breitengraden müssen wir damit rechnen, dass sich die Niederschläge zwar nicht in der Menge, aber in der Intensität verstärken werden. Das heißt, der Regen wird heftiger – und verstärkt damit die Erosionsgefahr.

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bdw: Da wäre es sicher von Vorteil, interdisziplinär zu arbeiten.

Botschek: Ohne Experten anderer Fachgebiete sind viele Projekte gar nicht möglich. Wir arbeiten mit Geographen, Klimatologen, Meteorologen und auch Physikern zusammen.

bdw: Findet der Großteil Ihrer Tätigkeit in Deutschland oder im Ausland statt?

Botschek: Hauptsächlich bin ich in Deutschland als Sachverständiger für Bodenschutz beschäftigt und erstelle Gutachten für öffentliche und private Auftraggeber sowie für Naturschutzorganisationen. Vor Kurzem war ich auch an einem Projekt in Marokko beteiligt, bei dem der Weg des Wassers vom niederschlagsreichen Hochgebirge bis in die Wüste verfolgt wurde. Wenn dort Flüsse austrocknen und Böden versalzen, müssen Oasen aufgegeben werden. Das hat natürlich fatale Folgen für die Menschen.

bdw: Wie lässt sich die Bodenerosion messen?

botschek: Zum einen werden Untersuchungen in so genannten Testkästen durchgeführt. Da lässt man auf bis zu zwei Quadratmeter großen Flächen Böden mit ausgewählter Körnung durch Wind- und Regensimulatoren erodieren. Die Böden werden mit verschiedenen Steinen und Pflanzen bedeckt, was vielfältige Erkenntnisse liefert. Zum anderen kartieren und fotografieren wird die Abtragungen im Freiland. Sehr große Erosionsflächen in tropischen Regionen oder im Sahel geben sich auch auf Satellitenbildern zu erkennen.

bdw: Wie lässt sich Erosion verhindern?

botschek: Es gibt mehrere Wege, um fruchtbare Böden zu schützen. Winzer, die in den Weinbergen ständig mit Erosion zu kämpfen haben, sind es gewohnt, den abgespülten Boden immer wieder nach oben zu fahren. In der Landwirtschaft sollen Mauern, Drainagen und Auffangbecken den Verlust fruchtbarer Erde verringern – diese Maßnahmen sind aber sehr aufwendig und teuer. Ein bislang selten angewandtes Verfahren ist die Direktsaat: Statt den empfindlichen Boden umzupflügen, werden die Pflanzensamen mit einer Maschine in den Boden injiziert. So behält der Boden seine natürliche Stabilität – und übersteht auch einen Platzregen.

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