Keine Angst vor Nachgemachtem - wissenschaft.de
Anzeige
Anzeige

Allgemein

Keine Angst vor Nachgemachtem

Daß man an freien Tankstellen billiger tanken kann, weiß jeder. Daß man mit schlicht verpackten „No name“-Produkten beim Einkaufen Geld spart, ist ebenso geläufig. Vor Billigware aus der Apotheke aber schrecken viele Kranke zurück. Zu Unrecht. Gegen Kopfschmerzen hilft nicht nur das unter dem Warenzeichen Aspirin eingetragene Mittel, sondern genausogut – und für weniger Geld – einfache Azetylsalizylsäure (ASS). Gegen Depressionen kann man auf die Markenmittel Prozac oder Fluctin setzen, aber auch – preiswerter – auf das wirkstoffgleiche Mittel mit dem Namen Fluoxetin. Hunderte von Marken-Arzneimitteln – vom Abführmittel bis zum Zytostatikum – haben heute schon solche wirkstoffgleichen Zwillingsbrüder, „Generika“ genannt.

Generika sind keine illegalen Raubkopien teurer Medikamente. Ihre Hersteller nutzen nur die Tatsache, daß Arzneistoffe, deren Patentschutz abgelaufen ist, von jedermann nachgemacht werden dürfen. Zwar gilt das Patent für eine neue chemische Verbindung 20 Jahre, doch durchschnittlich 12 Jahre dauert es allein, bis die Substanz alle klinischen Prüfungen durchlaufen hat und zugelassen wird. Dann bleibt dem Hersteller wenig Zeit, die Novität ungestört zu vermarkten und die Entwicklungskosten – durchschnittlich 500 Millionen Mark pro Wirkstoff – wieder hereinzubekommen. Daß sich das Geschäft zuweilen dennoch lohnt, zeigt das Magengeschwür-Mittel Zantac, dessen Patentschutz in den USA im Juli ausläuft: Hersteller Glaxo Wellcome machte 1996 damit einen Umsatz von weltweit fünf Milliarden Mark.

Auch an den „Nachgemachten“ verdient später die forschende Pharma-Industrie: Die Generika-Hersteller brauen die Grundstoffe für Tabletten und Kapseln meist nicht selbst zusammen, sondern kaufen sie bei den Branchenführern. Manch renommierter Pharma-Riese mischt über Beteiligungen und Tochterfirmen selbst im Generika-Geschäft mit.

Trotzdem ist der Glaube, daß Generika nur minderwertige Plagiat-Pillen seien, selbst unter Ärzten weit verbreitet. Einige unterstellen sogar, das Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfAM) in Berlin hätte mit der Zulassung der kostendämpfenden Generika bewußt Qualitätseinbußen in Kauf genommen.

Solche Ängste sind unbegründet. Für das BfAM wäre es eine grobe Pflichtverletzung, legte es beim Prüfen von Generika andere Maßstäbe an als bei der von Markenpräparaten. Das BfAM verzichtet zwar darauf, Arzneistoffe mit längst bekannten Eigenschaften noch einmal umfangreiche klinische Prüfungen durchlaufen zu lassen. In jedem Fall muß der Hersteller aber erneut nachweisen, daß die sogenannte Bioverfügbarkeit seines Arzneimittels stimmt. Sie ist ein Maß dafür, wie gut ein Wirkstoff im Darm resorbiert wird und wieviel davon am Wirkort ankommt. Grund dieser Prüfung ist, daß eine veränderte Darreichungsform, zum Beispiel in Kapseln statt in Tabletten, die Wirksamkeit eines Arzneimittels erheblich beeinflussen kann. Bisher hat sich das BfAM noch mit keinem Fall befassen müssen, in dem ein Patient zu Schaden gekommen ist, weil ein Generikum versagt hat.

Anzeige

MEDINFO MEDIEN

Buch

Petra Wenzel Arzneimittel Zwischen Mensch und Markt Trias, Stuttgart 1995 DM 39,80

Der große Arzneimittel-Einkaufsführer 1997/98 Das Handbuch zur Selbstmedikation Moderne Verlags-GmbH, München 1997 DM 19,80

Diskette

Petra Tibussek Der Medikamenten-Kompaß für preis- und gesundheitsbewußte Verbraucher 3,5“-Diskette für Windows Trias, Stuttgart 1995 DM 29,80

MEDINFO TIP Wenn Sie in der Apotheke ein Arzneimittel kaufen, fragen Sie, ob es dazu eine preisgünstigere Alternative – ein Generikum – gibt. Zur Beratung darüber, ob Inhaltsstoffe und Dosierung des alternativen Mittels mit denen des Originalpräparats übereinstimmen, ist der Apotheker verpflichtet.

MEDINFO KONTAKT

Bundesverband für Arzneimittel und Medizinprodukte Seestr. 10 13353 Berlin

Arzneimittel-Informationsstelle Ginnheimer Str. 26 65760 Eschborn

Helmut L. Karcher

Anzeige

bild der wissenschaft | Aktuelles Heft

Anzeige

Aktueller Buchtipp

Sonderpublikation in Zusammenarbeit  mit der Baden-Württemberg Stiftung
Jetzt ist morgen
Wie Forscher aus dem Südwesten die digitale Zukunft gestalten

Wissenschaftslexikon

Fel|sen|tau|be  〈f. 19; Zool.〉 wilde Stammform der Haustauben, auf Felsklippen der Mittelmeerländer: Columba livia

mo|no|klin  〈Adj.〉 ~es Kristallsystem K., bei dem zwei Achsen im Winkel von 90° zueinander stehen u. eine dritte Achse einen Winkel von mehr als 90° dazu bildet [<grch. monos ... mehr

Blä|ser|quar|tett  〈n. 11; Mus.〉 Quartett aus Blasinstrumenten

» im Lexikon stöbern
Anzeige
Anzeige