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Allgemein

Klonen als Therapie

Mit einer neuen Form des menschlichen Klonens wollen britische Forscher die Behandlung von Krankheiten wie Parkinson verbessern. Ein ethisch vertretbarer Weg?

Nicht Liebesgrüße flatterten Tony Blair am diesjährigen Valentinstag ins Haus, sondern Protestschreiben. „Sag nein zum therapeutischen Klonen. Es killt menschliche Embryonen!“, forderten Mitglieder der beiden Gruppen „Student LifeNet“ und „ ProLife Alliance“ den Premierminister auf. Die Empörung richtete sich gegen eine Entscheidung des britischen Patentamts vom Januar. Die Behörde hatte auf jene Technik, mit der das Schaf Dolly geklont wurde, zwei Patente erteilt. Das Schutzrecht bezieht sich ausdrücklich auch auf menschliche Embryonen bis zu einem Stadium von 140 Zellen. Zeitgleich kündigte Geron BioMed, britischer Ableger der kalifornischen Geron Corporation, zusammen mit den Dolly-Schöpfern vom Roslin-Institut in Edinburgh eine „ akzeptable Form des menschlichen Klonens“ an. Damit wollen die schottischen Forscher zum Beispiel die Behandlung von Parkinsonkranken entscheidend verbessern. Bisher versucht man solchen Patienten, deren Hirnzellen kein Dopamin mehr produzieren, damit zu helfen, daß ihnen embryonale Hirnzellen eingepflanzt werden. Sie versorgen das umliegende Gewebe mit dem Botenstoff und können so die Symptome der Krankheit lindern. Für die Implantation wird Gewebe aus abgetriebenen Embryonen verwendet. Deshalb ist die Behandlung vor allem in Deutschland sehr umstritten (bild der wissenschaft 9/1998, „Embryonen als menschlicher Rohstoff?“). Dieses ethische Problem wollen die britischen Wissenschaftler jetzt dadurch lösen, daß sie eine gesunde Zelle des Parkinson-Patienten mit einer entkernten Eizelle, die also kein eigenes Erbmaterial mehr enthält, verschmelzen. Der daraus entstehende Embryo wird in Kultur gehalten, bis sich nach wenigen Teilungen ein Zellball gebildet hat, die sogenannte Blastozyste. Aus ihr entnehmen die Forscher embryonale Stammzellen. Sie haben die Fähigkeit, sich zu jedem der rund 200 menschlichen Zelltypen zu entwickeln – also auch zu Hirnzellen, die Dopamin produzieren. Von diesem therapeutischen Klonen versprechen sich die Mediziner Fortschritte in der Behandlung zahlreicher Krankheiten. So sollen zu Herzmuskelzellen gewordene Stammzellen schwere Herzkrankheiten lindern. Und Zuckerkranken bliebe der tägliche Griff zur Spritze erspart, wenn im Labor gezüchtete Inselzellen in ihrer Bauchspeicheldrüse für den nötigen Insulinnachschub sorgen. Geron BioMed verspricht für jeden Patienten maßgeschneiderte Zellen, die bei einer Transplantation keinerlei Abstoßungsreaktion hervorrufen, da ihr Erbgut zu fast hundert Prozent mit dem des Empfängers identisch ist. Diesen Vorteil sieht auch Prof. Wolfgang Müller-Klieser, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kultur- und Gewebezüchtung. Er fordert, das Embryonenschutzgesetz zu lockern, so daß Versuche mit menschlichen Stammzellen zulässig sind. In seiner jetzigen Form verbietet das Gesetz die Tötung embryonalen Lebens zu Forschungszwecken. Immerhin braucht man zum Gewinnen einer Stammzellkultur nur einen einzigen Embryo – ein Fortschritt gegenüber der beschriebenen Parkinson-Behandlung, für die jeweils fünf bis sechs Embryonen benötigt werden. Den Kritikern ist das aber immer noch ein Embryo zuviel. Deutschen Forschern könnte ein Angebot der kalifornischen Geron Corporation weiterhelfen: Für 5000 US-Dollar bietet sie embryonale Stammzellenkulturen zum Verkauf. Solange nicht auf Bestellung aus Deutschland Embryonen getötet, sondern bereits „fertige“ Stammzellen aus dem Vorrat angeboten werden, sei der Handel juristisch zulässig, wenngleich „ ethisch problematisch“, sagt der Jurist Rüdiger Wolfrum von der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Seit es James Thomson, Biologe an der University of Wisconsin, vor zwei Jahren gelang, Stammzellen zu isolieren und sie in Kulturlösungen zu halten, hat die Arbeit an embryonalen Stammzellen große Bedeutung erlangt. Die Untersuchung wurde übrigens von der Industrie gesponsert, und zwar von der Geron Corporation.

Susanne Liedtke

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