Knoff-hoff à la Hollywood - wissenschaft.de
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Knoff-hoff à la Hollywood

Bundespräsident Roman Herzog ist ein kluger Mann. Er weiß, daß es in unserer reizüberfluteten Gesellschaft nicht genügt, die besseren Argumente zu haben. Man muß auch Zeichen setzen und die Emotionen wecken, um zuerst die Aufmerksamkeit und dann die Gefühle der Menschen zu erreichen.

Und weil er die Gefahr sieht, daß sich unser Land in eine risikofeindliche und veränderungsscheue Haltung verbohrt, hat er einen Preis ins Leben gerufen, der Köpfe und Herzen öffnen soll: den „Deutschen Zukunftspreis“. Als Preis des Bundespräsidenten für Technik und Innovation wird er jedes Jahr die beste technisch-naturwissenschaftliche Leistung auszeichnen, die ihren Weg in die Anwendung findet.

Also ein deutscher Nobelpreis für Technik? Wohl kaum. Schon eher ein medienwirksames Spektakel, das für wenige Tage die Tatsache ins Licht rückt, daß es keineswegs an guten Forschern und Erfindern mangelt.

Die Auszeichnung des Bundespräsidenten wird in einer Galasendung des ZDF überreicht – ausgestrahlt am 4. Dezember zur besten Sendezeit -, garniert mit Gags und Showstücken à la Knoff-hoff, präsentiert von Starmoderator Joachim Bublath, dessen Partnerin Babette Einstmann dann den geheimnisvollen Umschlag öffnet: „The winner is …“ Hollywood läßt grüßen.

Und das ist gut so: Selten genug erreicht Forschung bei uns Showqualitäten. Viele Wissenschaftler und Techniker lehnen das sogar strikt ab. Große Überraschungen darf man sich bei der großen Zukunftshow im ZDF allerdings nicht erwarten. Zu etabliert sind die Vorschlagsberechtigten und Jurymitglieder, und bereits Wochen vorher werden fünf auserwählte Kandidaten öffentlich bekanntgegeben.

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Ganz sicher wird der Zukunfts-preis des Bundespräsidenten auch Kritik ernten. Doch die Organisatoren sind wohl flexibel genug, nach der ersten Verleihung Schwächen zu analysieren und zu korrigieren. Zu befürchten aber ist, daß sich die Erwartungen, die der Bundespräsident selbst in den Zukunftspreis setzt, nicht erfüllen werden. „Fast wichtiger als der Preis selbst ist die Botschaft des Preises“, so Bundespräsident Herzog, „ein von Verantwortung, Kreativität und Optimismus getragenes Klima zu erzeugen für Forschung, Erfindung und technische Entwicklung.“

Allerdings: Klima ist mehr als das Wetter einiger Tage und Wochen. Ob ein jährliches Schaulaufen der Forschung tiefgehende und langfristige Veränderungen in der deutschen Gesellschaft bewirken kann? Forscher und Politiker bleiben weiter gefordert, wenn es um einen geistigen Klimawandel geht, genauso wie Journalisten, Juristen, Banker, Literaten und alle anderen, die in diesem Land Kreativität und Entschlußkraft für sich in Anspruch nehmen.

Warum gelten bei uns Chancen weniger als Risiken? Warum vermeiden wir ständig Fehler, anstatt daraus zu lernen? Warum kümmert uns nicht, daß Selbstzweifel, Risikoscheu und Unbeweglichkeit bereits als neuer „Morbus Germanicus“ belächelt werden?

Es wird ausdauernde Arbeit sein, das „Volk der Dichter und Denker“ zu einem „Volk der Erfinder und Erneuerer“ umzupolen. Da kommt mir der pfiffige Politiker und Industriemanager Lothar Späth in den Sinn. „Warum tun wir immer nur den ersten Schritt in die richtige Richtung?“, fragt er immer wieder. Der Deutsche Zukunftspreis als Fernsehshow ist so ein erster Schritt. Mit Verlaub, Herr Bundespräsident: Wir vertrauen darauf, daß Sie weitere folgen lassen.

Reiner Korbmann

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