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Allgemein

Kombi-Therapie erfolgreich

Tinnitus-Geplagte sind in guter Gesellschaft. Zum illustren Patientenkreis gehören Berühmtheiten wie die Komponisten van Beethoven und Smetana. Letzterer hat seinem Leiden sogar in einem Streichquartett ein akustisches Denkmal gesetzt: Ein hoher, lauter Geigenton durchbricht jäh die harmonischen Klänge. Schon immer stellten die quälenden Dauergeräusche im Ohr die Ärzte vor schier unlösbare Probleme. Früher ließen sie ihren Patienten scherzhaft die Wahl: „Entweder Sie gewöhnen sich an den Ton oder Sie erschießen sich.“ Heute gibt es zwar viele Alternativen, doch deren Wirksamkeit war bislang selten wissenschaftlich bewiesen. Diese Lücke schließt nun eine Studie über eine Kombinationstherapie gegen chronischen Tinnitus, an der HNO-Ärzte und Psychologen gleichermaßen mitwirkten.

Gelegentliche Ohrgeräusche wie ein hochfrequentes Fiepen oder dumpfes Pochen nimmt so gut wie jeder irgendwann einmal wahr. Nur manchmal lassen sich organische Ursachen dafür finden. „Außerdem wissen wir nicht, warum von den vielen Menschen, die Tinnitus erleben, lediglich zehn Prozent tatsächlich darunter leiden“, sagt Gerhard Hesse, Leiter der Tinnitus-Klinik in Arolsen. Im angelsächsischem Raum gilt Tinnitus vor allem als das Ergebnis einer mangelnden Unterdrückung von Störgeräuschen. Dort ist die Tinnitus-Therapie eine Domäne der HNO-Ärzte. Sie untersuchen die Patienten, ob bei ihnen Durchblutungsstörungen, Tumore, Nervenschädigungen oder andere organische Ursachen vorliegen. Dann folgt eine intensive Patientenaufklärung und die Anpassung von speziellen „Maskern“. Sie werden wie Hörgeräte getragen und berieseln den Patienten mit angenehmen Hintergrundgeräuschen, die den nervenden Tinnitus-Ton überdecken. Dagegen stehen in Deutschland und Skandinavien traditionell eher psychosomatische Aspekte im Vordergrund: Tinnitus wird danach erst durch eine besondere Wahrnehmung zum Leiden. Ein Teufelskreis aus Stress und Ängsten, die im Zusammenhang mit einem erstmals auftretenden Ohrgeräusch stehen, sorgt dafür, dass der Tinnitus als bedrohlich wahrgenommen und zu einem zentralen Problem wird. Daher spielen in diesen Ländern verhaltenstherapeutische Ansätze eine wichtige Rolle. Die Patienten bekommen unter anderem vermittelt, wie sie gelassener auf Belastungen reagieren können, erlernen Entspannungsverfahren und kommen mit anderen Patienten zusammen, um Erfahrungen auszutauschen.

In der Tinnitus-Klinik in Arolsen kombinierte man beide Ansätze. 95 Patienten wurden ambulant in zwölf wöchentlichen Gruppensitzungen von HNO-Ärzten und Psychologen betreut und über die möglichen Ursachen ihres Tinnitus aufgeklärt. Einige Patienten bekamen Masker, und einigen Schwerhörigen wurden Hörgeräte angepasst.

Nach Ablauf der zwölf Wochen hatten sich die Beschwerden bei etwa zwei Drittel der Patienten deutlich gebessert. In einer unbehandelten Kontrollgruppe gab es dagegen keine Veränderungen. Überraschungen gab es bei den Patienten mit Geräten: Der Therapieerfolg war unabhängig davon, ob ein Masker getragen wurde oder nicht. Dagegen bewährten sich die Hörgeräte. Bei den schwerhörigen Patienten ließ sich damit das Ohrgeräusch im Vergleich zur alleinigen Gruppentherapie noch weiter zurückdrängen. Die Mediziner vermuten, dass in vielen Fällen erst eine Schwerhörigkeit den Tinnitus auslöst. Die Patienten würden sich dann stärker auf die „inneren Geräusche“ konzentrieren.

Dr. Ulrich Fricke

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